Norderstedt
Henstedt-ULzburg

Großfamilie sorgt für Angst in Disko Joy

Joey Claussen, Besitzer des Joy, sah sich gezwungen, in neue Kameras und einen neuen Sicherheitsdienst zu investieren.

Joey Claussen, Besitzer des Joy, sah sich gezwungen, in neue Kameras und einen neuen Sicherheitsdienst zu investieren.

Foto: Wolfgang Klietz

Im Henstedt-Ulzburger Joy wurden Türsteher zusammengeschlagen. Sicherheitskonzept wurde verschärft, Polizei zeigt Präsenz.

Henstedt-Ulzburg.  Wenn Joey Claussen in den vergangenen zwei Jahren zur Arbeit in seine Diskothek Joy unterwegs war, fuhr jedesmal ein bisschen mehr die Angst mit. Werden sie sich wieder unter die Gäste mischen? Wollen sie noch mehr Präsenz zeigen, Türsteher einschüchtern und zuschlagen? Sie – das sind die Männer einer armenischen Großfamilie, die in Teilen der Gastroszene in Henstedt-Ulzburg und Kaltenkirchen für Angst und Unruhe sorgen.

Dass das Oberhaupt der Familie vor brutaler Gewalt nicht zurückschreckt, zeigte der 30-Jährige vor einer Woche: Dem kleinen, aber durchtrainierten Boxer gelang es, zwei Türsteher der Disko K. o. zu schlagen. Es genügte jeweils ein Hieb mit der Faust. Die Verletzten wurden mit Rettungswagen in Krankenhäuser gefahren.

Männer der Familie sind in Gastroszene berüchtigt

Dass der zweite Schlag vor den Augen von zwei Polizisten geschah, belegen Videoaufnahmen des Joy. Erst danach schritten die Beamten energisch ein und nahmen den armenischen Gastronomen fest. Gegen ihn wird jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. „Dieser Mann akzeptiert unsere Rechtsordnung nicht“, sagt ein Polizist.

Vordergründig war es zu dem Streit mit den Türstehern gekommen, weil der Armenier in Begleitung von drei Frauen im Joy feiern, sich aber nicht in die Schlange von 300 wartenden Gästen einreihen wollte. Auch das belegen die Videoaufnahmen.

Die Türsteher versuchten, den Mann zu beruhigen, dann kam es zu ersten Schubsereien, Ohrfeigen und schließlich zum ersten Faustschlag. Kurz darauf folgten der zweite, die Festnahme und der Transport im Polizeifahrzeug zur Wache.

Dass die Männer der Familie einschüchternd auftreten, hat sich bereits in mehreren Lokalen herumgesprochen. „Aber mir ist unklar, warum“, sagt Claussen, der es nach eigenen Worten mit einem Gegner zu tun hat, den er nicht einschätzen kann. Ob es lediglich um Machtdemonstrationen und Familienehre geht, bleibt für Claussen rätselhaft. Einmal forderte die Familie einen Türsteher auf, als Entschuldigung für einen Rauswurf auf die Knie zu gehen. Der Sicherheitsmann war nur zu einem Handschlag bereit. Um Geld sei es bislang jedoch nie gegangen, sagt Claussen. „Was haben die für ein Geschäftsinteresse?“, fragt er sich. „Vielleicht geht es auch nur darum, in Begleitung hübscher Frauen zu zeigen, wer der Chef ist.“

Disko Joy: Betreiber installiert Sicherheitskameras

Der jüngste Zwischenfall ist deshalb so gut dokumentiert, weil Claussen sich gezwungen fühlte, viel Geld in die Sicherheit des Joy zu investieren. Just am Abend der brutalen Attacke war erstmals die HD-Videoüberwachung im Betrieb gegangen, die jeden Winkel der Diskothek und des Umfelds erfasst. Außerdem hat Claussen inzwischen den vierten Sicherheitsdienst innerhalb weniger Jahre engagiert.

Am Freitag, 7. Februar, standen erstmals Männer des renommierten Kaltenkirchener Unternehmens Pütz Security am Eingang. „Ich hoffe, dass jetzt Ruhe einkehrt“, sagt der Diskotheken-Besitzer, der sich fragt, warum er gezwungen ist, immer höhere Kosten zu tragen, weil sich mutmaßlich Kriminelle in der Szene breit machen und er sich Sorgen um die Sicherheit seiner Gäste, Mitarbeiter und um sich selbst machen muss. Auch seine Wohnung außerhalb des Kreises Segeberg hat Claussen rundum mit Kameras gesichert.

Der Armenier lebt mit seinen Brüdern in Kaltenkirchen und musste sich bislang nur wegen kleinerer Delikte vor Gericht verantworten. Alle Männer sind gut trainierte Boxer. Auf Facebook posiert der Mann vor einem matt lackierten G-Klasse-Modell von Mercedes. Offenbar werfen ein Imbiss und eine Shisha-Bar genug Einnahmen ab.

Polizei: Wir gucken genau hin

Nach der Schlägerei erteilte Claussen dem Armenier ein schriftliches Hausverbot. Bei der Polizei wurde er erkennungsdienstlich behandelt. Außerdem folgte nach Angaben der Polizeidirektion eine sogenannte Gefährderansprache, bei der die Polizei ausdrücklich auf die Folgen von Straftaten hinweist. „Wir gucken sehr genau hin, der Mann ist bereits polizeilich in Erscheinung getreten“, sagt Jochen Drews, Leiter der Kriminalinspektion für die Kreise Segeberg und Pinneberg.

„Wenn Menschen Übergriffe fürchten, kümmern wir uns darum.“ Dazu gehöre die regelmäßige Bewertung der Gefahrenlage. Zwar liegen der Polizei keine vermehrten Meldungen über Bedrohungen in der Gastronomie vor, doch Drews schließt nicht aus, dass manche Bürger sich aus Angst nicht melden. Drews: „Wir nehmen die Sorgen des Joy-Betreibers ernst und reagieren darauf.“ Einzelheiten über polizeiliche Maßnahmen will Drews nicht nennen.

Claussen ist zufrieden, dass die Polizei in letzter Zeit schneller und mit mehr Beamten eintrifft, wenn das Joy-Personal um Hilfe bittet. Im Oktober hatte er um mehr Hilfe und Unterstützung gebeten. „Wir haben ein handfestes Problem“, hatte er den Beamten in der Wache Henstedt-Ulzburg gesagt. Eines steht für ihn fest: „Ich mache mich nicht klein. Dafür habe ich zu viel Arbeit und Herzblut ins Joy gesteckt. Wir wollen Ruhe, Sicherheit und damit auch Umsatz.“