Norderstedt
Norderstedt

Theaterkritik: Meisterhaft inszeniertes Dramastück

Von links: Tim Seebrandt als Sohn Happy, Ralf Janz als Vater Willy, Sven Boldt als Biff Loman.

Von links: Tim Seebrandt als Sohn Happy, Ralf Janz als Vater Willy, Sven Boldt als Biff Loman.

Foto: Heike Linde-Lembke

Das Norderstedter Amateurtheater Pur spielt die Tragödie „Tod eines Handlungsreisenden“. Weitere Vorstellungen am 15. und 16. Februar.

Norderstedt. Als der Sohn erkennt, dass der von ihm angehimmelte Vater ein Lügner ist, weil er die Mutter betrügt, bricht sein bis dahin schon holpriger Lebensweg vollends zusammen. Die heile Familie verkommt zur Farce. Hinzu kommt der Leistungsdruck, unter dem sich sowohl der Vater wegdrückt als auch die Söhne. Alle drei suchen ihr Glück in Hirngespinsten des Erfolgs. Die einzige Person, die klarsieht, ist die Mutter. Das Norderstedter Theater Pur spielt die Tragödie „Tod eines Handlungsreisenden“ und beweist mit der Inszenierung von Björn Grünke und dem Schauspielteam wieder die direkte Nähe des Amateurtheaters zur Profi-Liga.

Regisseur Grünke versteht es mit dem Team, fein die zwei Dramen des Stücks heraus zu kristallisieren – einmal den Leistungsdruck der Gesellschaft, zum zweiten als inneren Schauplatz das Lügengespinst einer Familie. Kathrin Clasen spielt eine Frau, die ihren Mann bis zur Selbstaufgabe liebt, obgleich sie sieht, was für ein Selbstbetrüger er ist. Ihr intensives Spiel lebt von den kleinen Bewegungen, dem Zittern der Hände, dem Leid und Zorn ihrer Blicke, dem Zusammenkrümmen. Die Titelrolle erfüllt Ralf Janz mit der ihm eigenen Intensität. Als Willy Loman ist er beleidigt und verliebt, am meisten in sich selbst, autoritär und peinlich, anbiedernd und hochfahrend, und das mit einer kraftvollen Stimme, mit der er indes auch meisterlich die leisen, die verzweifelten Töne trifft.

Sein ärgster Kontrahent ist Sohn Biff. Sven Boldt baut den Charakter vom braven, aber gestörten Sohn zum Rebellen und zum vom Vater geheilten Mann zielstrebig aus und zeigt dabei voll Innigkeit alle Stufen der Qual und Zweifel, die eine derartige Entwicklung mit sich bringen kann. Tim Seebrandt als Sohn Happy, Ulli Manschke als Nachbar Clarley, Jan Sänger als Bernard, Andrea Holtkamp als Holly und Julia Grünke als Geliebte unterstützen diese meisterlichen Schauspieler bestens.

Tod eines Handlungsreisenden, 15. und 16. Februar, 19 Uhr, Festsaal am Falkenberg, Langenharmer Weg 90. Karten (10 Euro) gibt es im Vorverkauf, unter Telefon 040/60 94 17 57 und an der Abendkasse.