Rücktritt

Schlammschlacht: Chef der FDP-Fraktion Norderstedt wirft hin

| Lesedauer: 2 Minuten
Andreas Burgmayer
Ein Bild aus besseren Tagen in der FDP-Fraktion Norderstedt: Tobias Mährlein (l.), Gabriele Heyer und Sven Wojtkowiak.

Ein Bild aus besseren Tagen in der FDP-Fraktion Norderstedt: Tobias Mährlein (l.), Gabriele Heyer und Sven Wojtkowiak.

Foto: Andreas Burgmayer

Vorwürfe der Veruntreuung und üblen Nachrede: Nach einem einzigartigen parteiinternen Streit zieht Sven Wojtkowiak Konsequenzen.

Norderstedt. Zuletzt sollen sich fast alle in der FDP Norderstedt von ihm abgewandt haben. Der Landesvorsitzende Heiner Garg legte ihm den Rücktritt nahe, ebenso wie der Kreisvorsitzende Stephan Holowaty. Und auch die übrigen Fraktionen in der Stadtvertretung Norderstedt sahen keine Grundlage mehr für eine Zusammenarbeit. Nun hat der FDP-Fraktionschef Sven Wojtkowiak die Konsequenzen gezogen und am Freitag seinen Rücktritt erklärt. Auch den stellvertretenden FDP-Ortsvorsitz legt er nieder.

Zuvor hatte es eine parteiinterne Schlammschlacht in der FDP gegeben, die das politische Norderstedt so noch nicht erlebt hatte. Im Zentrum standen Wojtkowiak und der Parteisekretär und langjährige FDP-Stadtvertreter Tobias Mährlein. Wojtkowiak wirft Mährlein vor, Geld aus der Parteikasse veruntreut zu haben, etwa 250 Euro, ausgegeben für Volkshochschulseminare. Mährlein hat Wojtkowiak wegen übler Nachrede angezeigt. Das Verfahren schwebt noch.

Wojtkowiak erklärte am Freitag, es habe eine Medienkampagne gegen ihn gegeben, die einzig zum Ziel hatte, ihn von den „zwingend erforderlichen, rechtlichen Maßnahmen“ abzuhalten. „Da ich diesen freigiebigen Umgang mit Steuergeldern im Gegensatz zu Herrn Mährlein und seinen Unterstützern in der Fraktion nach wie vor nicht gutheißen kann, werde ich folgerichtig aus der Fraktion ausscheiden.“ Die bürgerlichen Mitglieder Hildegard Helm-Drube und Christian Görtz tun es ihm gleich – sie galten als seine letzten Vertrauten.

Wojtkowiak bleibt in der Stadtvertretung – fraktionslos

Sein Mandat in der Stadtvertretung will Wojtkowiak aber nicht der FDP überlassen. Er möchte „seinen Wählerauftrag“ weiterhin erfüllen. So wird Wojtkowiak also künftig als Fraktionsloser alleine in der Stadtvertretung sitzen, wie vor Jahren der aus der CDU ausgetretene Jens Kahlsdorf. Die Mehrheitsfindung in der Stadtvertretung mit sieben Fraktionen und dem Freien Wähler Thomas Thedens wird nun noch komplizierter.

Für Erleichterung sorgt der Rücktritt bei der FDP. „Die Vernunft hat sich durchgesetzt“, sagt die stellvertretende Fraktionschefin Gabriele Heyer. „Wir hatten schon gedacht, er merkt die Einschläge gar nicht mehr. Ein Miteinander war nicht mehr möglich.“

Wojtkowiaks Intimfeind Tobias Mährlein sagt: „Am Dienstag ist Fraktionssitzung. Da stand seine Abwahl auf der Tagesordnung. Er ist dem nun zuvor gekommen. Und das ist gut so.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt