Schröters Wochenschau

Die ganze Welt hört auf mein Kommando

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Jan Schröter
Jan Schröter

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Foto: Wolfgang Klietz

Wer sagt eigentlich, dass bahnbrechende Erfindungen immer nur in Genie-Ghettos á la Silicon Valley erfunden werden?

Seht auf Schleswig-Holstein. Wir brauchen bloß ein paar Nachwuchs-Softwareentwickler aus Flensburg und ein 900-Seelen-Dorf im Kreis Segeberg. Im Silicon Valley kann sich ja kein Mensch mehr konzentrieren, weil dort in den ultrahippen Denkfabriken für jede Menge Ablenkung gesorgt ist: Lounge-Ecken, Billardtische, Wellness-Oasen. In Flensburg ist einmal im Jahr Rum-Regatta, das war’s. Genug Zeit für die Entwickler, ihre „Knoop-App“ zu kreieren. Auf Hochdeutsch: „Knopf-App“.

Allen, die nun denken „wieso, zum Knöpfe annähen gibt’s doch schon Maschinen“, sei gesagt: es handelt sich dabei um Lichtschalter. Die gibt es zwar auch schon, aber nicht für Straßenlaternen. Und damit wären wir in Glasau, dem 900-Seelen-Dorf. Dort kann jeder Einwohner mittels Smartphone und Knoop-App zwischen 22 und 7 Uhr die nächstgelegene Straßenlaterne anknipsen. Versuchen Sie das mal in New York, Tokio oder Paris. Klappt nicht. Na gut, auf dem Times Square, der Avenue des Chámps-Elysées oder in der Ginza brennt sowieso rund um die Uhr Licht.

Vielleicht könnte unser Flensburger Pfiffikus-Team die Knoop-App so modifizieren, dass man als Tourist auf besagten Metropolen-Meilen den ganzen Neonzirkus einfach mal abschalten kann. Zukunftsträchtiges Geschäftsmodell wäre auch die Knoop-App als Basis-Freeware zur Straßenlampen-Aktivierung mit Erweiterungsmöglichkeiten zum kostenpflichtigen Download: „Knoop Grüne Welle“ stellt die nächstgelegene Ampel auf „Grün“.

Ich habe mir exklusiv die Nutzung von „Knoop DB Durchsage“ gesichert. Während ich auf dem knüppelvollem Bahnsteig auf den Regionalexpress warte, aktiviere ich Durchsagen wie „Dieser Zug endet hier“, „Zugausfall wegen Stellwerkfehler“, „Oberleitungsschaden“ oder einfach „Haut endlich alle ab und nutzt gefälligst den Schienenersatzverkehr, hier kommt sowieso nie ein Zug“. Sekunden später bin ich allein und freue mich auf eine entspannte Bahnfahrt.

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