Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

Der Paracelsus-Klinik droht ein Ärztestreik

Die Paracelsus Klinik in Henstedt-Ulzburg.

Die Paracelsus Klinik in Henstedt-Ulzburg.

Foto: Christopher Herbst / HA

Tarifverhandlungen der Geschäftsführung mit Marburger Bund ergebnislos abgebrochen – nun könnte es zum Arbeitskampf kommen.

Henstedt-Ulzburg. Der Paracelsus-Klinik in Henstedt-Ulzburg droht im Frühjahr ein Arbeitskampf, nachdem die Tarifverhandlungen zwischen der Leitung des Krankenhauses und dem Marburger Bund Schleswig-Holstein in der fünften Runde ergebnislos abgebrochen worden sind. Knackpunkt sind die Bereitschaftsdienstentgelte für die Ärzte, bei denen beide Seiten zu keiner Einigung gekommen sind. In einer Urabstimmung haben sich die Beschäftigten, die im Marburger Bund organisiert sind, grundsätzlich mit 86 Prozent für Arbeitskampfmaßnahmen ausgesprochen, ein Streik ist dabei ausdrücklich eine Option, heißt es. Das weitere Vorgehen soll Mitte Februar beraten werden.

Knackpunkt ist die Höhe der Bereitschaftsdienstentgelte

Anfang dieser Woche hatte die Paracelsus-Geschäftsführung als letztes Angebot eine Erhöhung der Bereitschaftsdienstentgelte in drei Schritten auf zusammengerechnet 13,75 Prozent vorgelegt, und das mit einer Laufzeit bis zum 30. Juni 2022. Dazu sollte ab 2021 eine schrittweise Angleichung auf das Niveau beginnen, die der Marburger Bund mit der Vereinigung kommunaler Arbeitgeber geschlossen hat. Nachdem die Gewerkschaft diese Offerte ablehnte, hat sich Paracelsus dazu entschieden, das Paket nun einseitig umzusetzen.

„Darüber hinausgehende Zugeständnisse würden die Wettbewerbsfähigkeit unserer Klinik gefährden und unseren Spielraum für mehr Personal und zukunftsorientierte Investitionen stark einschränken“, sagt Martin Siebert, Vorsitzender der Geschäftsführung, der dem Marburger Bund eine „Blockadehaltung“ vorwirft. Und Anke Franzke, die Managerin der Klinik, sagt in Richtung der Ärzte: „Die sofortige Umsetzung unseres arbeitgeberseitigen Maßnahmenpaketes verstehen wir in diesem Sinne auch als Zeichen der Wertschätzung.“

Derzeit arbeiten 87 Ärzte in Hen­stedt-Ulzburg, 70 davon in Vollzeit. Die Klinik hat bewegte Jahre hinter sich: Kurz vor Weihnachten 2017 meldete der Mutterkonzern, die damals mehrheitlich Manfred Georg Krukemeyer gehörte, Insolvenz an. Ihm wurde unter anderem Misswirtschaft vorgeworfen. Im Frühjahr 2018 wurde die Paracelsus-Gruppe dann von der Schweizer Holding Porterhouse übernommen, der Standort Hen­stedt-Ulzburg war somit gerettet.

Ein Arzt, der ungenannt bleiben möchte, äußert sich im Gespräch mit dem Abendblatt zur Situation und beschreibt die Arbeitsbedingungen. „Wir sind bereit, Kompromisse zu machen, das haben wir im Insolvenzverfahren gemacht. Das ist eine Zeit lang, aber nicht dauerhaft zu rechtfertigen“, sagt er.

Ihm zufolge gebe es monatlich vier bis sieben Bereitschaftsdienste, die zwölf bis 24 Stunden dauern. „Die Arbeitsbelastung ist unterschiedlich. Aber es kommt vor, dass man 20 bis 24 Stunden durcharbeitet.“ Zum Beispiel, wenn zahlreiche, unvorhergesehene Notfall-Operationen durchgeführt werden müssen. „Man kommt an Grenzen. Es ist eine anspruchsvolle Arbeit, man darf nichts übersehen. Da wünscht man sich eine angemessene Bezahlung.“

Differenz zu kommunalem Tarif ist rund zehn Prozent

Diese erfolgt je nach Position und Dienstzeit unterschiedlich. Laut Marburger Bund würde ein Facharzt mit zehnjähriger Berufserfahrung 34,14 Euro pro Stunde erhalten. Marktüblich seien 37,52 Euro, die Differenz beträgt also knapp zehn Prozent. Hinzu kommt, so der Arzt, die Personallage. „Teilweise fehlen Leute im ärztlichen Bereich, zum Teil können Bereitschaftsdienste nicht abgedeckt werden. Es gibt einen allgemeinen Fachkräftemangel im medizinischen Bereich, das betrifft die Pflege, aber auch in der Ärzteschaft ist es schwierig, Personal zu bekommen.“

Michael Wessendorf, Landesvorsitzender des Marburger Bundes, sagt, es sei „enttäuschend“, dass Paracelsus kein Verständnis aufbringe für die Belastungen. Das Angebot des Arbeitgebers werde sich in Luft auflösen, da für 2020 Tarifsteigerungen bei kommunalen Krankenhäusern zu erwarten seien. „Wir fordern, die Lücke zum Referenztarif der kommunalen Krankenhäuser rückwirkend ab Januar 2019 vollständig zu schließen. Die Ärzte in Henstedt-Ulzburg sind jeden Tag mit vollem Engagement für die Versorgung schwer kranker Menschen da. Es gibt keinen Grund, ihnen die Angleichung an marktübliche Entgelte= zu verweigern.“