Norderstedt
Bad Segeberg

Tablettensüchtige Frau fälschte Rezepte

Eine Statue der Justitia (Symbolbild).

Eine Statue der Justitia (Symbolbild).

Foto: Michael Rauhe

Nach einer Cortison-Behandlung wurde die Frau abhängig von Medikamenten. Nun stand die 55-Jährige wegen Urkundenfälschung vor Gericht.

Bad Segeberg.  Jeder Prozess handelt von Menschen, und jeder Strafvorwurf hat eine Vorgeschichte. Vor 20 Jahren bekam die Angeklagte eine Cortison-Behandlung. Die Folge war eine quälende Schlaflosigkeit, gegen die Ärzte der heute 55 Jahre alten Frau spezielle Tabletten verschrieben. Ohne die geballte Chemie wälzte sich die Frau nachts ruhelos im Bett hin und her. Sie wurde abhängig. Als der Hausarzt ihr immer neue Tabletten verweigerte, wurde die ansonsten unbescholtene Frau straffällig. Urkundenfälschung, so lautete die Anklage im Amtsgericht Segeberg.

Ehemalige Chefarzt-Sekretärin verlor durch die Sucht den Job

Die 55-Jährige brauchte zwei Tabletten pro Tag, ohne die sie ständig gereizt war, nachts keinen Schlaf fand und Panikattacken bekam. Ihre Abhängigkeit kostete die ehemalige Chefarzt-Sekretärin in Hamburg auch den Job. Als ihr der Hausarzt weitere Tabletten verweigerte, bat sie eine Kollegin, ihr zwei Blankorezepte auszuhändigen. „Für die Unterschrift des Arztes malte ich paar unlesbare Kringel“, erklärte die Angeklagte der Amtsrichterin Lena Vitols. In der Apotheke fielen die gefälschten Rezepte dann sofort auf.

Die Angeklagte, die seit ihrer Entlassung Hartz IV bezieht, gestand die Tat ohne Umschweife. In der Beweisaufnahme kam heraus, dass sie sich 2018 wegen des gleichen Vergehens schon einmal strafrechtlich verantworten musste. Das Verfahren vor dem Amtsgericht Hamburg-Barmbek wurde damals gegen Zahlung einer Strafe von 2000 Euro eingestellt. Heraus kam aber auch, dass die Tablettensüchtige seit Jahren versucht, von ihrer Abhängigkeit wegzukommen. Eine Entgiftungstherapie musste sie nach 18 Monaten allerdings erfolglos abbrechen, eine anschließende Entwöhnungskur folgte. „Mittlerweile“, bilanzierte die Frau stolz, „habe ich meinen Tablettenkonsum auf null gefahren“.

Den offenbar gelungenen Kraftakt, sich von der Abhängigkeit zu lösen, wollte die Amtsrichterin honorieren. Nach Absprache mit der Staatsanwaltschaft stellte sie das Strafverfahren ein. Allerdings muss die 55-Jährige eine Geldstrafe von 900 Euro zahlen. Empfänger ist die ATS Drogen- und Suchtberatungsstelle. „Finanziell schnappe ich nach Luft“, erklärte die Angeklagte leise. Da sei noch die andere Geldstrafe in Hamburg abzustottern, außerdem hätten ihr Ehemann und sie eine hohe Hausbelastung. „Aber wir kriegen das schon hin“, versprach sie.