Heimatkundliches Jahrbuch 2019

Neues aus der Geschichte Segebergs

Johann Schümann an der Brunnenskulptur, die aus einem 18-Tonnen-Findling herausgearbeitet wurde. Die sieben geschwungenen Rinnen haben einen symbolischen Charakter. Der Wöddelteich liegt malerisch mitten im Ortsteil Henstedt. Auf der kleinen Insel nisten Wasservögel.

Johann Schümann an der Brunnenskulptur, die aus einem 18-Tonnen-Findling herausgearbeitet wurde. Die sieben geschwungenen Rinnen haben einen symbolischen Charakter. Der Wöddelteich liegt malerisch mitten im Ortsteil Henstedt. Auf der kleinen Insel nisten Wasservögel.

Foto: Frank Knittemeier / Frank Knittermeier

Das Jahrbuch für 2019 legt einen Schwerpunkt auf Berichte über Flucht, Konflikte und Wiederaufbau.

Kreis Segeberg. Von 1933 bis 1950 erhöhte sich die Einwohnerzahl der Gemeinde Nahe um gut 80 Prozent, im gesamten Kreis Segeberg sogar um 119 Prozent. Wie gingen die Naher Ortspolitiker mit dem gewaltigen Zustrom von Flüchtlingen und verschleppten Ausländern um? Dieser Frage geht Andreas Fischer-Happel, Archivar der Gemeinde Nahe, in seinem Beitrag für das Heimatkundliche Jahrbuch für den Kreis Segeberg 2019 nach.

Mit dem Blick auf den Mikrokosmos Nahe zeigt Fischer-Happel auf, vor welchen Problemen die Menschen zwischen dem Kriegsende 1945 und dem Beginn der Demokratisierung im Jahre 1946 standen. „Das schwierigste Problem war die Unterbringung und Ernährung… einer großen Zahl von Flüchtlingen und verschleppten Ausländern.“ So wird der britische Major Carswell zitiert. Diese Aussage traf er während der ersten Sitzung des Segeberger Kreistages im Oktober 1946.

Der Gemeindearchivar erinnert daran, dass die erste Maßnahme nach Kriegsende in der Beschlagnahme von Häusern und Wohnraum durch das britische Militär bestand. Anschaulich beschreibt er die aufkeimenden Konflikte und Probleme, die besonders deutlich wurden, als im September 1945 weitere 10.000 Flüchtlinge, die im Kreis Segeberg verteilt werden mussten, angekündigt wurden. Außerdem widmet sich der Autor dem Prozess der Demokratisierung mit den ersten Wahlen zum Gemeindeparlament.

Die Rolle Segebergs während des Kalten Krieges

Im neuen Heimatkundlichen Jahrbuch für den Kreis Segeberg stehen Kriegsgeschehnisse im Mittelpunkt: Die beiden längsten Geschichten befassen sich mit kriegerischen Auseinandersetzungen und deren Folgen. Der ehemalige Berufsoffizier Wilhelm Sager aus Bad Segeberg beschreibt in einem gut 40 Seiten umfassenden Text die Zeiten in und um Bad Segeberg im Laufe der Jahrhunderte.

Dabei beleuchtet er auch die Rolle Segebergs während des Kalten Krieges, als durchaus mit einem Angriff der Truppen des Warschauer Paktes gerechnet werden musste. „In dieser Phase der Auseinandersetzungen hätte Segeberg mitten darin gelegen“, beschreibt Wilhelm Sager mit großer Sachkenntnis. Aber er warnt auch: „Heute, drei Jahrzehnte nach Ende des Kalten Krieges, sieht es so aus, als fiele die Welt in alte, überwunden geglaubte Denkmuster zurück. (...) Vielleicht war der Tanz auf dem Vulkan ja nur kurz für ein paar Jahrzehnte ausgesetzt.“

Der Sülfelder Chronist Ulrich Bärwald, Mit-Redakteur und Schriftleiter des Jahrbuches, beschreibt auf Plattdeutsch, wie es Weihnachten 1945 war, Gerhard Braas aus Kaltenkirchen ist mit einem Bericht über den Gedenkpfad zur NS-Gewaltherrschaft in der Kaltenkirchener Heide vertreten.

Die übrigen Beiträge widmen sich eher ruhigen Themen: Der Travewald des Adam von Bremen, der Wöddel in Henstedt-Ulzburg, die Stauwiesen an der Schmalfelder Au und die Abenteuer des Bramstedters Dirick Vaget, der es zum Herrscher von Island brachte.

Heimatkundliches Jahrbuch für den Kreis Segeberg 2019, 202 Seiten, 16 Euro. Erhältlich in jeder Buchhandlung. ISBN: 978-3-00-074308-8.

Heimatkundliches Jahrbuch
für den Kreis Segeberg 2019
, 202 Seiten, 16 Euro. Erhältlich in jeder Buchhandlung. ISBN: 978-3-00-074308-8.