Norderstedt
Bad Bramstedt

Tod beim Baden – Freispruch für alle fünf Angeklagten

Die Eltern des kleinen Yad mit einem Handy-Foto ihres ertrunkenen Sohnes.

Die Eltern des kleinen Yad mit einem Handy-Foto ihres ertrunkenen Sohnes.

Foto: Florian Büh

Schuld an fahrlässiger Tötung durch Unterlassen nicht nachweisbar – Richter bemängelt „gravierende Ermittlungsfehler“.

Neumünster/Bad Bramstedt.  Der Prozess um den tödlichen Badeunfall des sechsjährigen Yad in Bad Bramstedt endete am Freitag im Amtsgericht Neumünster mit einem Freispruch für alle fünf Angeklagten. Den drei Erzieherinnen und zwei Bademeistern sei keine Verletzung der Aufsichtspflicht nachzuweisen, sagte Strafrichter Thomas Schiers in der Urteilsbegründung.

Nach dreitägiger Beweisaufnahme war auch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen abgerückt: Amtsanwältin Jana Hegeholz forderte Freispruch. Einige Verteidiger hatten schon zu Prozessbeginn erklärt, kein anderes Ergebnis komme infrage. Ihr Trumpf: Frühere Aussagen, die die Angeklagten bei der Polizei gemacht hatten, durften im Prozess nicht verwertet werden.

Richter Schiers erklärte dies mit gravierenden Fehlern der Ermittler. So hätten die Vernehmungsbeamten die Mitarbeiterinnen des Bad Bramstedter Kindergartens „Die Wühlmäuse“ nicht belehrt, dass sie als Beschuldigte in einem Strafverfahren sofort einen Rechtsanwalt hinzuziehen konnten. Deshalb blieb am Ende offen, welche der drei Frauen für Yad zuständig war.

Unklar blieb, welche Erzieherin für Yad zuständig war

Eine Zuteilung der einzelnen Kinder sei festgelegt worden, bestätigte im Prozess eine Kita-Praktikantin, die im Juni 2016 ebenfalls am Badeausflug teilgenommen hatte. Dreieinhalb Jahre danach will die Praktikantin aber nicht mehr gewusst haben, ob der tags darauf im Hamburger Uni-Klinikum verstorbene Yad der Gruppenleiterin (50), einer Erzieherin (37) oder einer dritten Mitarbeiterin (52) zugeordnet war.

Eine zweite Ermittlungspanne betrifft die Videoaufzeichnungen einer Überwachungskamera der Roland-Oase, die am Unglückstag nur wenige Besucher gehabt haben soll. Ob die Aufnahmen die Verantwortlichkeiten hätten klären können, blieb offen. Die Videos wurden weder gesichtet noch gesichert. „Der gesamte Hergang lässt sich nicht mehr aufklären“, folgerte Richter Schiers.

Eltern des Jungen sind enttäuscht und ratlos

Im Urteil musste er deshalb bei jeder Angeklagten im Zweifel davon ausgehen, dass eine der beiden anderen für Yad zuständig war. „Eine individuelle Schuld ist nicht feststellbar“, sagte Schiers. Die Kita-Mitarbeiterinnen selbst trugen aus nachvollziehbaren Gründen nicht zur Aufklärung bei. Sie schwiegen auf Anraten ihrer Verteidiger.

Die Anwälte sprachen von einem tragischen Unfall. Richter Schiers wandte sich an die trauenden Eltern, deren Sohn gestern zehn Jahre alt geworden wäre. Er sprach von einem tragischen und schrecklichen Ereignis. Das Mitgefühl aller Anwesenden sei ihnen sicher. Trotz Zuspruchs wirkten die sichtlich erschöpften Eltern nach Verkündung der Freisprüche enttäuscht und ratlos.

Ihr Rechtsanwalt Müshab Özyigit will kommende Woche mit ihnen beraten, ob sie das Urteil anfechten und die Angeklagten auf Schmerzensgeld verklagen wollen. Ein Angebot der Anwälte der drei Erzieherinnen, gegen gemeinsame Zahlung von 10.000 Euro das Verfahren einzustellen, hatten die Eltern ausgeschlagen.