Norderstedt
Prozess in Norderstedt

So zeigt ein 20-jähriger Randalierer Reue vor Gericht

Eine Statue der Justitia (Symbolbild).

Eine Statue der Justitia (Symbolbild).

Foto: Michael Rauhe

Betrunken hatte sich der Mann der Festnahme widersetzt und dabei einen Polizisten verletzt. Verfahren gegen Zahlung eingestellt.

Norderstedt. Drei lange Jahre habe er, wie die Jugendrichterin Claudia Naumann bemerkte, „nur so vor sich hingedümpelt“, also nichts Sinn- oder Bemerkenswertes zustande gebracht. „Damit ist jetzt aber Schluss“, versprach der 20 Jahre alte Angeklagte vor dem Jugendgericht in Norderstedt. Er habe, beteuerte er, längst aus seinen Fehlern gelernt. So ein Bekenntnis kommt bei der Richterin und der Staatsanwaltschaft natürlich gut an. Dazu sammelte der schlanke Mann mit dem akkurat gescheitelten dunklen Haaren und dem gepflegten Vollbart mit einem höflichen Auftreten weitere Pluspunkte.

Aus seinem „alten“ Leben stammt der Tatvorwurf, den der Angeklagte vor Gericht jedoch bestritt. Laut Anklage hatte sich der stark angetrunkene Norderstedter im vorigen Juni frühmorgens um vier Uhr vor einem Club in Hamburg einer polizeilichen Festnahme heftig widersetzt. Im Gerangel schubste er einen Beamten von sich, der daraufhin zu Boden ging und sich dabei eine Schürfwunde einhandelte. Kollegen überwältigten den laut schreienden Mann dann ohne Probleme. Knapp zwei Promille ergab damals die Alkoholmessung.

Der Angeklagte ist Koch und trinkt keinen Tropfen mehr

„Ich habe mich nur ein ganz klein wenig gewehrt und niemanden bewusst attackiert“, verteidigte sich der Beschuldigte. Der Beamte, der damals gestürzt war, erinnerte sich im Zeugenstand, dass der Angeklagte damals „reichlich weggetreten“ war. Er habe nur noch gelallt und sei nicht ansprechbar gewesen, so der 28 Jahre alte Polizist. Details des Vorfalls wisse er nicht mehr. Zur Überraschung des Gerichts wandte sich der Angeklagte an den Zeugen und entschuldigte sich. Der Beamte nahm die Entschuldigung sofort an. Seit dem Zusammenstoß mit dem Ordnungshüter trinke er keinen Tropfen Alkohol mehr, erklärte der 20-Jährige. Er lerne Koch in einem exzellenten Haus in Hamburg. Für dumme Sachen fehle ihm die Zeit. „Die Ausbildung ist mein ganzer Stolz!“

„Was machen wir jetzt mit ihm“, fragte die längst milde gestimmte Jugendrichterin rhetorisch den Staatsanwalt. Richterin Naumann entschied, das Verfahren wegen Widerstands gegen Vollzugsbeamte und Körperverletzung einzustellen. Als Auflage muss der junge Mann in vier Raten eine Geldstrafe von 300 Euro an das Polizeierholungswerk überweisen.