Norderstedt
Kreis Segeberg

Amazon baut ein neues Verteilzentrum an der A7

Amazon will im Verteilzentrum in Nützen 150 Arbeitsplätze schaffen und bis zu 600 Fahrer beschäftigen.

Amazon will im Verteilzentrum in Nützen 150 Arbeitsplätze schaffen und bis zu 600 Fahrer beschäftigen.

Foto: Andreas Laible

Am neuen Standort sollen 150 Arbeitsplätze entstehen. Doch es gibt auch Kritik an dem Bau, der in wenigen Monaten fertig sein soll.

Nützen.  Die Bauarbeiten sind im vollen Gang. Doch die Öffentlichkeit hat bislang kaum bemerkt, dass sich an der Anschlussstelle Kaltenkirchen der Autobahn 7 in Kürze ein Weltkonzern ansiedeln wird. Der Versandriese Amazon baut auf dem Gebiet der Gemeinde Nützen ein neues Verteilzentrum. Die Fläche des Neubaus wird etwa 13.000 Quadratmeter betragen.

„Wir freuen uns sehr, ein Verteilzentrum in Nützen zu eröffnen, in dem mehr als 20 Jahre logistische Kompetenz, technologischer Fortschritt und Investitionen in die Transportinfrastruktur stecken“, sagt Bernd Gschaider, Direktor von Amazon Logistics in Deutschland. „So kann Amazon Kunden schnellere und flexiblere Lieferoptionen anbieten.“

Im Sommer wird das Amazon-Verteilzentrum eröffnet

Das Verteilzentrum in Nützen werde voraussichtlich im Sommer dieses Jahres in Betrieb gehen. Dort sollen 150 neue Arbeitsplätze entstehen. „Für die Auslieferung der Pakete an die Kunden werden bei den Lieferpartnern etwa 600 Fahrer zuständig sein“, teilte eine Konzernsprecherin mit.

So wurde Amazon zum Welt-Konzern

So wurde Amazon zum Welt-Konzern
So wurde Amazon zum Welt-Konzern

Amazon wolle in Nützen mit unabhängigen Lieferpartnern zusammenarbeiten, um die schnelle und zuverlässige Paketzustellung zu ermöglichen. Damit werde das Unternehmen der wachsenden Kundennachfrage gerecht.

„Im Verteilzentrum werden Pakete von Amazons Logistik- und Sortierzentren ankommen, dann von den Lieferpartnern abgeholt und an die Kunden zugestellt“, sagte eine Sprecherin. Amazon investiere in Transportinfrastruktur und Innovationen, um die Kapazitäten der Lieferkette zu erhöhen und den Kunden schnellere Lieferoptionen zu ermöglichen. Die Frage nach der Höhe der Investition in Nützen ließ das Unternehmen unbeantwortet.

In Nützen befürchtet man viel Verkehr durch Lastwagen

In Nützen hält sich die Begeisterung über das Projekt offenbar in Grenzen. Die Ansiedlung werde im Dorf eher negativ als positiv bewertet, sagt Bürgermeister Klaus Brakel. Er selbst lehnt die Idee des Online-Versandhauses ab, sich in Nützen niederzulassen: „Ich finde das nicht gut.“ Er fürchtet, dass die Gemeinde trotz der Nähe zur Autobahn unter mehr Verkehr leiden werden. Außerdem werde Nützen kaum von zusätzlichen Gewerbesteuereinnahmen profitieren.

Lesen Sie auch:

Bis vor wenigen Jahren wurde die Fläche landwirtschaftlich genutzt. Dann verkaufte der Bauer an einen Investor, der das Grundstück an Amazon veräußerte.

Brakel räumt ein, dass die Gemeinde den Bebauungsplan geändert habe, um dort Gewerbe ansiedeln zu können. „Doch wir hatten keinen Einfluss darauf, wer dann kommt“, sagt der Bürgermeister. Ohnehin sei keine Alternative in Sicht gewesen.

Sollten Fahrer nicht die direkte Anbindung zur A7 nutzen, sondern durch Nützen, Kaltenkirchen und andere Orte fahren, stiege die ohnehin hohe Verkehrsbelastung in der Region erneut. Netto hat sich bereits mit einem Logistikzentrum in Henstedt-Ulzburg niedergelassen, Rewe wird folgen. Das gemeinsame regionale Verkehrskonzept der Kommunen wird jedoch erst in einigen Jahren umgesetzt. Die Gespräche haben gerade erst begonnen.

Ver.di kritisiert Arbeitsbedingungen

Amazon hat vor kurzem in Borgstedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) an der A7 in direkter Nähe zur Rader Hochbrücke ein weiteres Verteilzentrum eröffnet. Dort wird mit bis zu 1600 Auslieferfahrten täglich gerechnet. Ein weiteres soll bei Bad Oldesloe entstehen.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di gehört zu den größten Kritikern des Konzerns. „Wir kämpfen seit Jahren mit Amazon für vernünftige Arbeitsbedingungen und Verträge“, sagt der Sprecher des Landesbezirks Frank Schischewsky. In Borgstedt würden selbstständige Fahrer für einen Stundenlohn von 25 Euro geworben. „Das kann mit einem eigenen Fahrzeug als Selbstständiger nicht funktionieren“, sagt der Gewerkschafter. „Die Leute gehen pleite.“ Außer auf diese Fahrer setze Amazon auf Subunternehmer.

„Wir können uns nur darum kümmern, wenn sich die Beschäftigten bei uns organisieren“, sagt Schischewsky. In Verteilzentren wie in Leipzig sei der Organisationsgrad hoch, im Norden dagegen sehr „bescheiden, weil hier kaum Menschen mit klassischem Arbeitnehmerstatus beschäftigt würden.

Amazon betreibt in Deutschland nach eigenen Angaben Verteilzentren in Olching bei München, Berlin, Mannheim, Köln, Düsseldorf, Bochum und Raunheim (bei Mainz).

Minister Buchholz feiert die Ansiedlung als Gewinn

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz zeigte sich über die Investition hoch erfreut: „Immerhin stehen hier bis zu 1000 neue Arbeitsplätze in Rede, was für die gut erschlossene Region in Nützen bei Kaltenkirchen ein riesiger Gewinn ist. Denn jede Investition dieser Größenordnung zieht in der Regel weitere Ansiedlungen nach sich.“ Zudem zeige sich an dem umfangreichen Engagement von Amazon und anderen Logistikkonzernen, dass Schleswig-Holstein für die Branche ein zunehmend interessanter Standort werde. Mit Blick auf die Kritik an den Arbeitsverhältnissen bei Logistik-Riesen wie Amazon sagte der Minister, dass er keinen Zweifel habe, dass Amazon in Schleswig-Holstein beweisen werde, ein guter Arbeitgeber zu sein.