Kreis Segeberg

Lübecker Senatorin will Landrätin werden

Die Amtszeit von Kathrin Weiher (57) als Senatorin für Kultur und Bildung in Lübeck endet am 31. Dezember 2020.

Die Amtszeit von Kathrin Weiher (57) als Senatorin für Kultur und Bildung in Lübeck endet am 31. Dezember 2020.

Foto: 54° / Felix Koenig / Agentur 54°

Die parteilose Kathrin Weiher tritt gegen Jan Peter Schröder an. Neun weitere, noch unbekannte Bewerber für den Chefposten der Kreisverwaltung.

Kreis Segeberg.  Am 12. März 2020 ist Landratswahl im Kreis Segeberg – und das wird wahrscheinlich eine spannende Angelegenheit. Denn neben dem amtierenden Landrat Jan Peter Schröder (51) bewerben sich neun weitere Frauen und Männer um den Chefposten in der Segeberger Kreisverwaltung. Die Bewerber werden noch nicht öffentlich genannt, aber eine Kandidatin hat selbst dafür gesorgt, dass sie ins Gespräch kommt: Die Lübecker Senatorin Kathrin Weiher (57) möchte Landrätin im Kreis Segeberg werden. Sie ist, ebenso wie Amtsinhaber Jan Peter Schröder, parteilos.

Die wahlberechtigten Bewohner im Kreisgebiet können die Landratswahl nur beobachten, selbst aber nicht eingreifen. Die Wahl ist Sache des Segeberger Kreistages. Wie schon 2014, als Jan Peter Schröder zum Nachfolger der glücklosen Landrätin Jutta Hartwieg gewählt wurde, geht es um eine rein politische Entscheidung, bei der schließlich die Person gewählt wird, die eine Mehrheit der 62 Abgeordneten auf sich vereinigen kann. Die politische Lage im Kreistag ist bei acht Fraktionen unübersichtlich, die Mehrheiten ändern sich von Fall zu Fall: CDU (23 Sitze), SPD (13), Grüne (9), FDP (5), AfD (5), die Wählergemeinschaft WI-SE (3), Die Linke (2) und die Freien Wähler (2) agieren mal mit- und mal gegeneinander.

In einem Fall waren zumindest die Fraktionen von CDU, AfD, WI-SE und Linke einer Meinung: Diese temporäre politische Allianz setzte im Kreistag durch, dass der Posten des Landrats öffentlich ausgeschrieben wird. SPD, Grüne, FDP und Freie Wähler hätten gerne darauf verzichtet, weil sie mit dem amtierenden Landrat durchaus zufrieden sind.

Öffentliche Kritik wurde an Amtsinhaber Jan Peter Schröder in den vergangenen fünf Jahren kaum geübt, in einigen politischen Lagern aber bröckelt sein Rückhalt seit einigen Monaten. So habe es während der jüngsten Haushaltsdebatte keine Vorschläge der Verwaltung gegeben, moniert Doris Grote aus Norderstedt. Sie ist als stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Vorsitzende des Hauptausschusses eine der mächtigsten Politikerinnen der Kreis-CDU. Außerdem habe sich der Landrat in der öffentlichen Diskussion um die Höhe der Kreisumlage nicht geäußert. „Ich vermisse beim Landrat ein klar definiertes Ziel“, sagt die Kreispolitikerin aus Norderstedt und betont: „Es ist für uns nicht befriedigend, dass die politischen Beschlüsse trotz mehr Personal in der Verwaltung nicht besser und schneller umgesetzt werden.“ Als negativ werte die CDU auch, dass Jan Peter Schröder zwei angebotene Gesprächstermine mit der Fraktion im Hinblick auf die Landratswahl nicht wahrgenommen habe.

Insgesamt zehn Männer und Frauen haben sich beworben

Zehn Kandidaten nach Ablauf der Bewerbungsfrist – die Politiker haben also reichlich Wahlmöglichkeiten. Darunter sollen Ministeriumsmitarbeiter, aber auch Techniker und Maschinenbauer sein. Nicht alle bekommen die Chance, sich den Mitgliedern des Hauptausschusses vorzustellen. Segebergs Kreispräsident Claus Peter Dieck hält die Namen unter Verschluss und will sich noch nicht öffentlich dazu äußern.

Eine Auswahl wird demnächst nach Sichtung der Bewerbungsunterlagen getroffen. Aber zwei Namen sind mit Sicherheit dabei: Neben Amtsinhaber Schröder eben auch die Lübecker Senatorin Kathrin Weiher. Die gebürtige Braunschweigerin wurde am 1. Januar 2015 zur Senatorin für Kultur und Bildung der Hansestadt Lübeck gewählt. Die Lübecker Bürgerschaft wählte sie im März 2017 zur Ersten Stellvertretenden Bürgermeisterin. Nachdem sie im ersten Wahlgang die relative Mehrheit auf sich vereinigen konnte, verlor sie bei der Bürgermeisterwahl 2015 als Kandidatin der CDU in der Stichwahl knapp gegen den SPD-Kandidaten Jan Lindenau. Zuvor war Kathrin Weiher Erste Kreisrätin im Landkreis Goslar.

In den Kreis Segeberg zieht es sie, weil ihre Amtszeit in Lübeck am 31. Dezember 2020 endet und die Sozialdemokraten ihren Posten beanspruchen. „Weiher ist das Opfer von Machtgehabe geworden“, heißt es in Teilen der Lübecker Politik. Das berichten die „Lübecker Nachrichten“. Für Doris Grote ist Kathrin Weiher auf jeden Fall ein „politisches Schwergewicht“ und somit eine ernstzunehmende Kandidatin. „Senatorin in Lübeck zu sein ist schon eine Auszeichnung“, sagt sie.

In Lübeck erhält die Senatorin rund 115.700 Euro Jahresgehalt. Segebergs Landrat verdient rund 122.500 Euro im Jahr.