Norderstedt
Schröters Wochenschau

Wir sind alle Anwalts Liebling

Autor Jan Schröter

Autor Jan Schröter

Foto: Wolfgang Klietz

Die Segeberger streiten sich - laut einer Umfrage - besonders gern. Das muss im nächsten Jahr unbedingt anders werden - meint Autor Jan Schröter.

Eine namhafte Rechtschutzversicherungsgesellschaft nutzte ihre Kundendaten, um einen „Streitatlas“ zu erstellen. Der stellt dar, wo und wie häufig in Deutschland Streitigkeiten vor Gericht landen. Und siehe da: In dieser Disziplin belegen die Bewohner des Landkreises Segeberg eine Spitzenposition. 29,1 juristische Streitfälle pro 100 Einwohner belegt die Statistik. Weit über dem Bundesdurchschnitt. Demnach dürfte es dieser Tage unter jedem dritten Tannenbaum im Landkreis geknallt haben. Etwa, weil heutzutage Weihnachten anders läuft als früher? Damals hatte man statt LED-Illumination noch echte Wachskerzen am Baum. Flogen im Rahmen eskalierender Streitigkeiten Marzipankugeln, Glühweintassen oder andere Gegenstände, brannte erst der Baum, dann das Haus. Mit den glimmenden Trümmern verrauchte auch der Zorn und die Kosten für den Wiederaufbau ließen sich ohnehin nur gemeinsam stemmen – also musste man sich wieder vertragen und hatte sowieso kein Geld mehr für Anwälte. Noch besser ließ man es erst gar nicht so weit kommen. Ein gewisser Grad an alljährlichem Zwist gehörte zum Fest, und zwar ohne juristischen Beistand.

Wäre das Leben nicht ohne Streit sehr viel schöner?

Neuerdings sind wir dagegen alle Anwalts Liebling. Vielleicht sollten auch heutige Streithähne im Konfliktfall innehalten, den Dampfregler auf Null stellen, der Argumentation des Kontrahenten ruhig zuhören und einen Kompromiss finden, ohne die Lösung ihrer Probleme Amtsträgern zu überlassen, die am Ende die Allgemeinheit bezahlen muss. Kostengünstiger wär’s auf jeden Fall. Und man könnte das neue Jahrzehnt mit besenreinem Gemüt beginnen. Denn ein Streit an sich ist schlimm genug. Richtig übel wird er, wenn man ihn andauernd wieder hochkocht: durch Klageschriften, Einsprüche, Terminverlegungen, Verhandlung, Revision, nächste Instanzen… Ist es das wert? Will man das? Wäre das Leben nicht sehr viel schöner, würde man diese unerfreuliche Angelegenheit endlich vergessen?

Weihnachten ist vorbei, das Jahr ist fast geschafft. Genau der richtige Zeitpunkt also, etwas abzuhaken. Man muss es nur wollen. Und machen. Notfalls sogar als Erster, von sich aus, ohne dem Gegner den gleichen Schritt abzuverlangen. Damit wir in nächsten Streitatlas bitte mal ganz hinten auftauchen. Okay?