Norderstedt
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Wäldchen wird wieder zum Klassenraum

Ulrike Mahncke-Bernard, Norbert Moßler und Julia Glagau (von links) vor dem Teich, der instand gesetzt werden muss. Auch die Bänke sind verrottet.

Ulrike Mahncke-Bernard, Norbert Moßler und Julia Glagau (von links) vor dem Teich, der instand gesetzt werden muss. Auch die Bänke sind verrottet.

Foto: Michael Schick

Das Wäldchen, 1985 aufwändig angelegt, verfiel. Weder Grundschule noch Stadt fühlten sich zuständig. Nun packen beide gemeinsam an.

Norderstedt.  „Der Schulwald ist ein wahrer Schatz“, sagt Ulrike Mahncke-Bernard, Lehrerin an der Grundschule Harkshörn und zuständig für das Wäldchen auf dem Schulgelände. Nur: Der Schatz muss erst gehoben werden. Momentan ist das Stück Natur nicht nutzbar: Die Bänke sind marode, die Sitzflächen angefressen, der kleine Teich zugewuchert, abgeschnittene Äste und Zweige, sogar ein kompletter Baumstamm liegen neben den Wegen.

Das war 1985 noch ganz anders. Im Frühjahr wurde auf dem großen Grundstück südlich des Schulgebäudes ein Teich gebaut. Um das Feuchtbiotop herum kamen 3000 junge Bäume in die Erde, aus ihnen sollte der Schulwald erwachsen. 15.000 Mark ließ sich die Stadt das Projekt kosten – Lohn für den Einsatz der Harkshörner Schüler. Die hatten ein Modell gebastelt, damit gezeigt, wie sie sich das Gelände vorstellen, und beim Wettbewerb „Platz für die Natur – auch bei der Schule“ des Kultus-und Forstministeriums den Sonderpreis in Höhe von 1000 Mark gewonnen.

Bis Anfang der 2000er-Jahre Wäldchen genutzt

Jede Klasse hatte einen kleinen Garten. Ziel war, dass die Schüler Wald und Beete unter Anleitung betreuen und pflegen und zum Unterricht im Freien nutzen. Dafür wurden Bänke aus Gartenbauhölzern aufgestellt.

„Bis Anfang der 2000er-Jahre haben wir das Wäldchen auch genutzt“, sagt Ulrike Mahncke-Bernard. Die Kinder bestimmten Baumarten im Biologie-Unterricht, fanden im Wäldchen Schatten, wenn es in den Klassenräumen im Sommer zu heiß war, und entwickelten ihre Fantasie mit den Tobis, den Waldkobolden, die durch die, für die Harkshörner Kinder entwickelten Fibel spukten.

Lehrerin Mahncke-Bernard brachte den Stein ins Rollen

Doch dann verfiel das einstige Schmuckstück. Die Stadtverwaltung stellte ein Schild auf: „Betreten verboten – Eltern haften für ihre Kinder, Der Magistrat“. Den Magistrat, das höchste politische Gremium, gibt es schon lange nicht mehr, doch der Hinweis blieb bis vor einigen Tagen stehen.

Nun wollte die Schule die Ödnis nicht länger hinnehmen. Ulrike Mahncke-Bernard wollte im Ausschuss für Schule und Sport wissen, warum der Schulwald mit integriertem Feuchtbiotop, Streuwiese, Teich, „Klassenzimmer im Grünen“ und weiteren Lehr- und Lernmaterialien seit Jahren nicht gepflegt wird. Unterricht außerhalb des Klassenraums sei nicht möglich, und die Schüler müssten für das Projekt „Klasse im Grünen“ in den Stadtpark fahren, obwohl sie die Natur vor der Tür hätten. Bis wann ist der Schulwald wieder vollständig hergestellt? Wieso nimmt man den Schülern die Möglichkeit, Natur aus nächster Nähe zu erforschen und dem Hort die Chance, den Nachmittagsbetrieb durch eigentlich vorhandene „Ruheinseln“ zu entspannen und zu entzerren? Wer konkret trägt für diese Misere die Verantwortung, und mit welchen Maßnahmen will die Verwaltung zukünftig für eine entsprechende Pflege der Anlage sorgen? In ihrer Antwort verwies die Verwaltung auf die Historie und schrieb: „Eine regelmäßige Pflege des Schulwäldchens durch die städtischen Gärtner war weder geplant noch vereinbart.“

Der Schulverein springt in die Bresche

Und überraschte damit die für den Schulwald zuständige Pädagogin: „Ich habe mit mehreren Experten gesprochen. Sie waren einhellig der Meinung, dass die Schule nicht in der Lage ist, den Wald fachgerecht zu pflegen. Das sei Aufgabe des Schulträgers.“ Sie nahm Kontakt zur Verwaltung auf, die Parteien trafen sich, begutachteten den Zustand und fanden eine Lösung: Die Stadt wird den Zaun reparieren und neue Bänke aufstellen, inzwischen haben die Arbeiten begonnen. „Den Teich zu sanieren, kostet rund 30.000 Euro. Dafür reicht das Budget des Fachamtes nicht“, sagt Rathaussprecher Bernd-Olaf Struppek.

Die schulischen Gremien müssten den Weg über die Politik gehen, die die Summe im Fachausschuss beantragen müsste. Doch nun springt der Schulverein in die Bresche: „Wir wollen versuchen, das Geld über Sponsoren einzuwerben“, sagt der Vorsitzende Norbert Moßler. Bleiben die Äste und Zweige, die die Verwaltung nicht entfernen will, um nicht unnötig in die Natur einzugreifen. „Da finden wir auch eine Lösung, die Kinder könnten in einem Projekt anpacken und dabei viel über die Natur lernen“, sagt Julia Glagau, bis vor Kurzem Vorsitzende des Schulelternbeirats.