Norderstedt
Kayhude

Im Esszimmer von Lina und Hinrich

Lina Kypke und Hinrich Carstensen laden jetzt neben ihrem Hofladen in Naherfurth ins Restaurant „Esszimmer“ ein.

Lina Kypke und Hinrich Carstensen laden jetzt neben ihrem Hofladen in Naherfurth ins Restaurant „Esszimmer“ ein.

Foto: Heike Linde-Lembke

Das Paar vermarktet regionales Fleisch als „EinStückLand“ – und bereitet es jetzt im eigenen Restaurant auch zu.

Kayhude.  Was ist ein Stück Land? Das Land, in dem man geboren ist? Heimat? Herkunft? Eine Zugehörigkeit zu einer Region? Immer mehr Menschen besinnen sich auf ihre direkte Umgebung, auf das, was sie ihnen bietet an Kultur, Ernährung und Gesundheit. Und das wollen sie auch essen, Gesundes und Regionales, zu Hause und im Restaurant.

Zu diesen Menschen gehören auch Hinrich Carstensen und Lina Kypke. Das Paar hat sich mit dem Start-up „EinStück -Land“ ein Stück Heimat und auch Zukunft gesichert, dort, wo sie aufgewachsen und zu Hause sind, auf dem Land im südlichen Schleswig-Holstein.

Mit „EinStückLand“ bieten der Bau-ingenieur und die Jura-Studentin Fleisch aus der Region von Tieren, überwiegend Galloway-Rinder und Bentheim-Schweine, die auf grünen Weiden aufwachsen, mit Tümpeln zum Suhlen, Rüben zum Selbstausbuddeln und ohne Medikamente (außer den gesetzlich vorgeschriebenen). „Wir schlachten ein Tier erst, wenn wir jedes Teil verkauft haben“, sagt Hinrich Carstensen. Geschlachtet werden die Tiere gemäß ihrem Prinzip der kurzen Wege in Kalübbe im Kreis Plön.

Seinen Sitz hat „EinStückLand“ direkt an der B 432 in Naherfurth, einem Ortsteil von Kayhude. Dort werden die Fleischpakete verpackt und verschickt. Als immer mehr Kunden aus der Umgebung direkt bei ihnen einkaufen wollten, eröffneten Hinrich und Lina auf dem alten Bauernhof, der zwischendurch ein Antikmarkt war, ihren Hofladen. Die Idee zu dieser Direktvermarktung hatte Hinrichs Vater Christoph Carstensen 2016. Ein Jahr später gründeten sie „EinStückLand“.

„Mein Vater ist Arzt, meine Mutter Lehrerin, und es war ihnen immer wichtig zu wissen, woher unser Essen kommt“, sagt Hinrich Carstensen. Die Eltern bauten Gemüse und Kräuter an und züchteten Galloway-Rinder.

Das Start-up war erfolgreich. Den Deal in der Vox-Gründershow „Höhle der Löwen“ lehnten sie allerdings ab. Dafür gab es einen soliden ersten Preis beim Wettbewerb „Best of Digital.sh“ in der Kategorie Logistik, überreicht von Innenminister Hans-Joachim Grote. Mit dem Preis fördert die Landesregierung digitale Projekte. Das Preisgeld – immerhin 20.000 Euro – investierten Lina Kypke und Hinrich Carstensen in ihre neuste Idee.

Noch liegt es etwas versteckt beim Hofladen um die Ecke direkt an der Alster. Lina und Hinrichs Esszimmer. Ein Restaurant der etwas anderen Art, ein Mittelding zwischen ländlichem Gasthof mit deftigen Portionen und feiner Restaurant-Küche.

„Als das Café Alsterwiesen neben unserem Hofladen auszog, haben wir die Chance genutzt und es für unser Restaurant Esszimmer umgebaut“, sagt Hinrich Carstensen. Sie stellten die alte Architektur wieder her und richteten ihr Esszimmer geradlinig ein, mit langen Tischen aus alten Schiffsplanken und einer funktionalen Bar.

Im Esszimmer gehen bäuerliche Hofarchitektur und modernes Interieur eine bodenständige Allianz ein. „Wir haben mit Freunden viel selbst gebaut, das ist also alles unser“, sagt Hinrich Carstensen und strahlt zufrieden. Gesamtkosten: 40.000 Euro.

Die Hauptsache jedoch ist das Essen. Im Küchen-Reich regiert Koch Tim, und auf der Speisenkarte stehen so regionale Spezialitäten wie Birnen, Bohnen und Kartoffeln, Ente mit Rotkohl, Rinderzunge an Blumenkohl, ganzes Hähnchen an Gemüse und Reis, Schwarzwild mit Rüben, Kohl und Fliederbeeren und für Veganer Gemüse aus dem Alten Land. Dazu gibt’s Bier aus dem Norderstedter Brauhaus Hopfenliebe, Pfälzer Riesling oder Spätburgunder Dornfelder, der Obstsaft kommt aus einem Nachbardorf, das Wasser aus dem Hahn. „Wir wollen wieder traditionelle, regionale Gerichte auf die Tafel bringen und suchen noch nach weiteren Partnern, beispielsweise will das Gut Stegen ab Frühjahr Gemüse und Kräuter liefern“, sagt Lina Kypke, deren Mutter Christiane Kypke nicht nur die Servietten aus Leinen nähte, sondern auch ihr Rezeptbuch einbringt.

Als Amuse-Gueule gibt es beim Probeessen Schwarzbrot aus der Kayhuder Landbäckerei Matthiesen mit selbst gemachter Kürbisbutter, gefolgt von Beef Tatar, gebratener Rinderzunge auf Kürbismousse, Rinder-Frikadelle an Blumenkohl und zum Dessert Kalter Hund an Himbeermousse – ein Esszimmer zum Schwelgen, Schmausen und Wohlfühlen.

Restaurant Esszimmer, Segeberger Straße 121, B 432, Kayhude, Ortsteil Naherfurth. Geöffnet Mittwoch bis Sonntag, 15 bis 21 Uhr, ab 15 Uhr Café, ab 17 Uhr warme Küche. Reservierungen unter 04535/410 95 61 oder unter www.einstueckland.de im Internet. Das Restaurant ist vom 21. Dezember bis zum 1. Januar geschlossen.