Norderstedt
Kreis Pinneberg

Quickborner schreibt vom Frühling im Herbst

Beate (66) und Peter Jäger (79) haben vor drei Jahren geheiratet. Sie kennen einander seit beinahe zwei Jahrzehnten.

Beate (66) und Peter Jäger (79) haben vor drei Jahren geheiratet. Sie kennen einander seit beinahe zwei Jahrzehnten.

Foto: Burkhard Fuchs

Herzklopfen mit Ende 70: Peter Jäger hat einen Roman über Liebe unter Senioren geschrieben. Er hat autobiografische Züge.

Quickborn.  Die Bienen und das Himmelmoor liegen ihm am Herzen, aber die Liebe ist das größte seiner Themen. Der Quickborner Autor und Journalist Peter Jäger (79), der bislang vor allem Kinderbücher über Tiere und Naturschutz geschrieben hat, ist es nun auch schriftstellerisch angegangen. „Herzklopfen im Herbst“ heißt das Werk, das sich mit Liebe und Erotik im Alter befasst. Das Abendblatt sprach mit Peter Jäger und seiner 13 Jahre jüngeren Frau Beate, wie sich für sie Lebenslust und -leid im Laufe des Lebens verändert haben – und was ihnen heute besonders wichtig dabei ist.

„Wir haben unsere Liebe ziemlich lange auf die Probe gestellt“, erzählt Peter Jäger, der viele Jahre in Hamburg gelebt hat und erst vor etwa 20 Jahren nach Quickborn gezogen ist. Fast ebenso lange ist er mit seiner Beate zusammen. Geheiratet haben sie aber erst vor drei Jahren. Beide hatten gescheiterte Ehen hinter sich. Ein Vorteil, aus dem sie beide ihre Lehren gezogen hätten, wie Beate Jäger meint. „In der ersten Ehe habe ich zu viele Kompromisse gemacht.“ Das passiere ihr nicht wieder. Im Alter sei man ausgeglichener. „Man muss nicht mehr um die Häuser ziehen.“ Sexualität stehe nicht mehr so im Vordergrund wie in jüngeren Jahren. „Viel wichtiger ist es, sich auf den anderen verlassen zu können.“

Mit fortschreitendem Alter wird aus Liebe Zuneigung

Zuneigung und Zärtlichkeit sind für Peter Jäger die Schlüsselbegriffe. „Je älter man wird, desto mehr wird aus Liebe Zuneigung“, ist seine Erfahrung. Das Verlangen nach erotischen Erlebnissen in jungen Jahren weiche dem gegenseitigen Verstehen der Dankbarkeit in einer inneren Bindung, sich auf den Partner verlassen zu können. Da obsiege die Vernunft über jede Versuchung, erklärt der Autor. „Denn das Risiko, das wieder zu verlieren, was man sich lange an Freundschaft und Vertrauen aufgebaut hat, ist im Alter wesentlich größer, als wenn man jung ist.“

Im Roman, der autobiografische Züge trägt, erzählt der Quickborner die junge Liebe von Henriette und Ole, beide im Ü-70-Alter, die sich bei einer gemeinsamen Reha-Kur kennen- und lieben lernen. Auch sie haben bereits gescheiterte Liebesbeziehungen hinter sich. Darum fällt es ihnen anfangs nicht leicht, sich nach jahrelangem Alleinsein auf die wieder neue Situation der Zweisamkeit einzustellen. Zumal Henriettes Bruder Willi an Demenz erkrankt ist und oft aus dem Heim zu ihr flüchten will.

Henriette und Ole ziehen zusammen und müssen auch in ihrem Alter neu lernen, dem anderen zu vertrauen und ihm seine eigenen Freiräume zu gewähren. „Nichts ist schlimmer, als von morgens bis abends aufeinander zu hocken“, sagt Beate Jäger dazu. Beide Partner müssten ihre eigenen Interessen behalten und wahren.

Wie bei ihr und Peter. Er liebe die klassische Musik und gehe gerne zu den Konzerten der Quickborner Kammerorchester-Freunde. Damit könne sie nichts anfangen. „Ich mag lieber Rockmusik und höre Tina Turner oder ZZ Top gern“, sagt sie und erklärt: „Man muss nicht alles zusammen machen.“ Es sei das Erfolgsrezept ihrer Liebe, dass jeder dem anderen seinen Freiraum lasse.

Im Roman kommt es zum ersten Streit zwischen den beiden Senioren, als Ole mit seinen Fußballkumpels nach Mallorca fliegen will. Henriette fühlt sich hintergangen, ist gekränkt, weil er ihr von der Männertour vorher nichts erzählt hat. Sie klammert und zeigt sich enttäuscht. Ole zieht wieder aus, und es kommt fast zum Bruch ihrer noch kurzen Beziehung.

Doch Henriette bemerkt schnell ihren Fehler, und bald schon kommt es zur Versöhnung. Autor Jäger hält sich mit expliziten Beschreibungen zurück. Er deutet lieber an. Aber es kommt zwischen den Senioren zu einer schönen erotischen Erfahrung unter der Dusche. Die Mittagshitze bei schweißtreibender Gartenarbeit und ein lockeres Gespräch mit Prosecco wecken plötzlich in Ole „ein kribbelndes Verlangen, dass er Lust verspürt, mit Henny zu duschen“. Sie zögert zunächst, weil sie „keine Hektik mag, wenn es um Zärtlichkeiten geht“. Aber schließlich genießen sie beide unter der heißen Dusche „die prickelnden Berührungen ihrer Körper“, und „es bereitet ihr wollüstiges Entzücken, wenn er ihre kleinen, lungernden Brüste behutsam streichelt und massiert“.

Im Seniorenalter seien es weniger das Spontane und die Gier, die einem beim Sex gefielen, erklärt Autor Jäger. „Es ist mehr das Gefühl und Empfinden für den anderen und die Freude, sich erobern zu lassen.“