Norderstedt
Kreis Segeberg

Anstieg der Mieten in Norderstedt vorerst gebremst

Hier werden Wohnungen gebaut – das Garstedter Dreieck ist das größte Neubaugebiet in Norderstedt.

Hier werden Wohnungen gebaut – das Garstedter Dreieck ist das größte Neubaugebiet in Norderstedt.

Foto: Annabell Behrmann

Im Vergleich zu 2017 zahlen Mieter laut dem neuen Mietenspiegel nur noch ein Prozent mehr. Garstedter Dreieck größtes Neubaugebiet.

Norderstedt.  Der Anstieg der Mieten in Norderstedt ist vorerst gebremst. Im Vergleich zu 2017 müssen Mieter nur knapp ein Prozent mehr fürs Wohnen zahlen. Das ergibt sich aus dem neuen Mietenspiegel der Stadt. Danach beträgt der durchschnittliche Mietpreis 8,20 Euro netto kalt pro Quadratmeter.

Wer sich aktuell auf den Internet-Portalen informiert, wird allerdings deutlich höhere Preise finden. So nennt das Institut für Wohnen und Stadtentwicklung (ALP) in seinem gerade vorgestellten Wohnungsmarktkonzept für die Stadt 10,20 Euro als Durchschnittsmiete. Die Differenz ergibt sich, weil in den Mietenspiegel auch die in der Regel niedrigen Mieten älterer Wohnungen einfließen. In der Datensammlung, die als eine der bundesweit bestfundierten gilt und bei Mietstreit auch vor Gericht als Orientierung dient, werden Wohnungen ab 1954 erfasst.

Neue Wohnungen in Norderstedt gebaut

Die Mieten sind in den vergangenen Jahren deutlich weniger stark gestiegen als zwischen 2015 und 2017, wo der Anstieg noch bei 5,7 Prozent lag. Zwar wurden in Norderstedt in den vergangenen Jahren neue Wohnungen gebaut, vor allem am Garstedter Dreieck. Doch Haus & Grund auf der einen und der Mieterverein Norderstedt führen einvernehmlich ein anderes Argument an: „Vor allem die großen Vermieter wie Adlershorst, Plambeck oder Thor haben die Mieten in vernünftigem Rahmen angehoben. Deswegen ist der Anstieg der Mietpreise nicht so schlimm ausgefallen, wie wir das befürchtet haben“, sagt Kurt Plagemann vom Mieterverein.

„Die privaten Vermieter, die wir vertreten, sind sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst“, sagt Sven Wojtkowiak von Haus & Grund in Norderstedt. Viele, die ihre Eigentums- oder Einliegerwohnung vermieten, seien zufrieden, wenn die Miete pünktlich auf dem Konto ist und es keinen Streit mit den Mietern gibt. Diese Gruppe schiele nicht auf eine maximale Rendite. „Irgendwann ist auch das Ende der Preisspirale erreicht, man findet keine Mieter mehr und die Fluktuation steigt“, sagt Wojtkowiak.

Dennoch ist Norderstedt ein teures Pflaster – und das seit Jahrzehnten. Mit den Mietpreisen rangierte Norderstedt sogar schon mal unter den Top Ten der teuersten Wohnorte in Deutschland. Erst im Sommer 2017 hatte die Investitionsbank Schleswig-Holstein festgestellt: Nirgendwo sind die Mieten so hoch wie in Norderstedt. Teurer ist nur noch Sylt, traditionell Preisausreißer nach oben und kaum mit der Situation im übrigen Land vergleichbar.

Höchste Preissteigerungen bei kleineren Wohnungen

Die höchsten Steigerungen im Vergleich zu 2017 gibt es bei der Baualtersklasse 2004 bis 2018 und da am kräftigsten bei kleineren Wohnungen. Für eineinhalb Zimmer auf 40 bis 50 Quadratmetern müssen Mieter durchschnittlich 13,09 Euro netto kalt zahlen, 97 Cent oder acht Prozent mehr als 2017. Auch in den anderen Baualtersklassen sind die Mieten am kräftigsten für kleine Wohnungen gestiegen – Wohnraum für die steigende Zahl von Singles fehlt.

Am günstigsten ist das Leben in einer Wohnung mit mindestens 92 Quadratmetern, die zwischen 1966 und 1970 gebaut wurde. 6,17 Euro zahlen die Mieter für den Quadratmeter, sogar zwei Cent weniger als 2017. Mehr als doppelt so stark wird das Haushaltsbudget belastet, wenn eine Wohnung bezogen wird, die zwischen 2004 und 2016 entstanden ist: Ein Zimmer mit Küche und Bad kostet bis zu 14,92 Euro netto kalt – Spitzenwert im Norderstedter Mietenspiegel.

Der Mietenspiegel 2019 ist auf der Internetseite der Stadt (www.norderstedt.de), unter der Rubrik Soziales und Familie/Stichwort Mietenspiegel zu finden. Die Druckausgabe gibt es bei der Stadtverwaltung, in den Filialen der Stadtbücherei, beim Mieterverein Norderstedt, bei Haus & Grund Norderstedt sowie beim Bundesverband.