Norderstedt
Nahverkehr

Mit S 21 und AKN-Express schneller pendeln

Der U-Bahnhof Norderstedt-Mitte: Hier treffen die U-Bahnlinie 1 und die AKN zusammen

Der U-Bahnhof Norderstedt-Mitte: Hier treffen die U-Bahnlinie 1 und die AKN zusammen

Foto: Andreas Burgmayer

Verkehrsminister und AKN-Vorstand stellten in Kaltenkirchen ihre Nahverkehrspläne vor. Eine Verlängerung der U 1 lehnen sie ab.

Norderstedt/Kaltenkirchen.  Muss sich Norderstedt von der Idee einer U-1-Verlängerung verabschieden? Land und AKN favorisieren jedenfalls ein Expresszug-Konzept, das Norderstedt schneller mit den Städten entlang der A 7 bis Neumünster verbinden würde. Verkehrsminister Bernd Buchholz sagte jetzt bei einer Diskussionsveranstaltung des CDU-Wirtschaftsrates in Kaltenkirchen: „Eine Verlängerung der U 1 klingt ja hübsch, aber bringt keine Fahrtzeitverkürzung.“

Das wäre bei der Expresszug-Variante anders: Wenn die AKN-Linie A 2 künftig montags bis freitags von 6 bis 20 Uhr einmal pro Stunde zusätzlich nur noch an fünf (Quickborner Straße, Ulzburg Süd, Henstedt-Ulzburg, Kaltenkirchen, Bad Bramstedt) statt an 17 Stationen entlang der Strecke von Norderstedt bis Neumünster halten würde, gebe es eine Zeitersparnis von zwölf Minuten für die Fahrgäste, sagte AKN-Vorstand Wolfgang Seyb. Dann wäre der Fahrgast aus Norderstedt in 54 statt 66 Minuten in Neumünster beziehungsweise in 13 statt 16 Minuten in Henstedt-Ulzburg.

Und das wäre relativ kurzfristig umsetzbar, so der AKN-Vorstand: innerhalb von ein bis drei Jahren. Die Umsetzung wäre mit Kosten von drei bis fünf Millionen Euro „überschaubar und realisierbar“, sagte Minister Buchholz. Über die Umsetzung entscheide das Land über seine Nah.SH-Verkehrsgesellschaft. „Der Expresszug würde die ganze Region stärken“, sagt Jochen Kiphard von Nah.SH. Das Land würde den Expresszug auch finanzieren. Das sei bei einer Verlängerung der U 1 nicht der Fall.

Das Land würde den Expresszug finanzieren

Der CDU-Wirtschaftsrat hatte den Minister und AKN-Chef sowie den HVV-Geschäftsführer Dietrich Hartmann und den Hamburger Verkehrs-Staatsrat Andreas Rieckhof eingeladen, um darüber zu sprechen, wie sie die vielen Tausend Pendler entlang der A-7-Trasse von der Straße auf die Schiene bekommen wollen. Die meisten der mehr als 300.000 Ein- und Auspendler blieben wohl aufs Auto angewiesen, weil die Bahnverbindungen nur suboptimal seien, sagte Gastgeber Michael Hannemann.

Eine These, der Rieckhof und Buchholz entschieden widersprachen. „Mit der S-Bahn 21 von Kaltenkirchen bis Eidelstedt und dem Expresszug-Konzept kommen wir schon ein ganzes Stück weiter“, so der Minister. Die Elektrifizierung der AKN-Linie A 1 (Eidelstedt–Quickborn–Ellerau–Ulzburg–Kaltenkirchen) habe auf Hamburger Gebiet bereits Bauplanungsreife erlangt, sagte Rieckhof. Für Schleswig-Holstein erwartet Buchholz das im nächsten Jahr. Spätestens 2025 soll dann die S-Bahn auf der AKN-Trasse Kaltenkirchen mit dem Hamburger Hauptbahnhof verbinden. Der Vorteil für die Fahrgäste liege hierbei vor allem darin, dass sie nicht mehr in Eidelstedt umsteigen müssten, erläuterte Buchholz.

Die Zeitersparnis sei mit nur wenigen Minuten kaum der Rede wert. Aber das Nichtaussteigen-Müssen sei eine enorme Qualitätsverbesserung für die Fahrgäste. „Die S 21 schafft für Kaltenkirchen und Henstedt-Ulzburg und für die Region im Norden eine enorme Attraktivitätssteigerung, wenn die Menschen von Kaltenkirchen direkt zum Hauptbahnhof fahren können.“ Und es bedeute einen erheblichen Image-Gewinn für alle Kommunen entlang der Strecke, so Staatsrat Rieckhof. „Die S-Bahn ist gefühlt eine Großstadtbahn.“ Die Schätzungen der steigenden Fahrgastzahlen, als die S 3 von Hamburg nach Stade verlängert wurde, „wurden ständig über den Haufen geworfen“, so der ehemalige Bürgermeister von Stade. Um ein Drittel seien sie seitdem gestiegen, sagte HVV-Chef Hartmann.

S-21-Gegner wollen notfalls gegen den Ausbau klagen

Allerdings regte sich auch Widerstand im Zuschauerraum. Stefan Grawitter aus Henstedt-Ulzburg von der Interessengemeinschaft Nahverkehr, die bereits den zweispurigen Ausbau der AKN-Strecke zwischen Ellerau und Quickborn erfolgreich verhindert hat, äußerte sich kritisch zum S 21-Projekt. Vor allem die Strommasten an der Strecke, der mögliche Elektrosmog und ein angeblicher Wertverlust ihrer Grundstücke machten den Anwohnern zu schaffen. Aber das Land und die AKN als Vorhabenträger gingen in keiner Weise auf die IG und ihre Forderungen ein. „Das verhindert den Dialog. Uns bleibt nur das Klagerecht“, sagte Grawitter.

Dafür hätte er als Betroffener ja sogar Verständnis, erwiderte Minister Buchholz. Er würde auch keine Bahntrasse in seinem Vorgarten haben wollen. Aber letztlich müsse immer zwischen dem Interesse des Einzelnen und der Allgemeinheit abgewogen werden. Das gilt auch für den Wunsch von Cornelia Weiß, Personalreferentin des Unternehmens Gleich Aluminium. Weiß würde es begrüßen, wenn bereits vor 5 Uhr Züge nach Kaltenkirchen fahren würden, damit die Mitarbeiter der Frühschicht nicht mehr mit dem Auto kommen müssten.

Da sollte sich das Unternehmen mit anderen Firmen zusammentun, die das auch wollten, damit das „Nutzen-Kosten-Verhältnis“ im akzeptablen Rahmen bliebe, riet der Minister. Das Land bezuschusse schon heute den Zugverkehr in Schleswig-Holstein mit 400 Millionen Euro Kosten im Jahr (bei Fahrerlösen von 300 Millionen Euro). „Wenn wir nur heiße Luft befördern, ist das nicht wirtschaftlich.“

Grundsätzlich müsse sich seiner Ansicht nach ohnehin das Planungsrecht in Deutschland ändern. „Sonst beißen wir uns an Großprojekten die Zähne aus“, sagte Buchholz und nannte ein Beispiel aus der aktuellen Fehmarnbelt-Querungs-Planung: „Aus Dänemark liegen uns 44, aus Deutschland 12.660 Einwendungen dazu vor.“