Norderstedt
Kreis Segeberg

Moschee-Bau in Norderstedt verzögert sich

Transparent und technisch innovativ: Der Entwurf der Norderstedter Eyup Sultan Moschee.

Transparent und technisch innovativ: Der Entwurf der Norderstedter Eyup Sultan Moschee.

Foto: ÜnYilmaz / HA

Die türkisch-islamische Gemeinde wollte im Juni mit den Bauarbeiten beginnen. Jetzt rechnet man mit einem Baubeginn im Frühjahr 2020.

Norderstedt.  Mustafa Yoldaş, Vorsitzender des Rates der islamischen Gemeinschaften in Hamburg (Schura), bezeichnete die Pläne der türkisch-islamischen Gemeinde Norderstedt als „in Deutschland und vielleicht sogar weltweit einmalig“. Das war im Februar, als die Muslime gemeinsam mit Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder und Architekt Selçuk Ünyılmaz den offiziellen Startschuss für das 4-Millionen-Euro-Projekt einer technisch und baulich einzigartigen Moschee auf ihrem Grundstück in der Straße In de Tarpen gaben.

Am 14. Juni, so kündigte man an, werde mit den Arbeiten begonnen. Doch bislang wurde auf dem Grundstück an der Grenze zu Hamburg lediglich eine zugelassene Anzahl an Bäumen gerodet. Von einem stetig wachsenden Moschee-Neubau kann nicht die Rede sein.

Dem CDU-Fraktionschef Peter Holle ist das auch aufgefallen. In einer Anfrage an die Stadt erkundigte er sich nach dem Stand der Dinge. Von der Stadtverwaltung bekam er nur die karge Antwort, dass die Baugenehmigung für den Moschee-Neubau auf dem Grundstück In de Tarpen 122 erteilt sei, man aber nicht wisse, wann mit einer Realisierung gerechnet werden könne. Es sei lediglich bekannt, so die Stadt, dass die Gemeinde für die Bauphase das Gemeindeleben in Wohncontainer auslagern möchte.

Selçuk Ünyılmaz, Hamburger Architekt und Ideengeber für die Moschee, bestätigt das. „Wir wollen jetzt die Container aufstellen. Das wird aber noch etwas dauern.“ Momentan wird immer noch in dem mehr als 100 Jahre alten, ehemaligen Gasthof gebetet, in dem die „Eyup Sultan Camii“ seit 1984 besteht. „Wir wollen das alte Gebäude Ende Januar 2020 abreißen. Dazu müssen wir jetzt noch das Abklemmen der Gas- und Wasseranschlüsse klären. Ich weiß nicht, wie lange wir damit beschäftigt sein werden“, sagt Selçuk Ünyılmaz. Ist die alte Moschee verschwunden, dann soll endlich die neue entstehen. „Wenn der Winter mild ist, dann können wir nach dem Abriss mit den Erdarbeiten beginnen und dann im März oder April mit den Bauarbeiten beginnen.

Aus dem anvisierten Baustart am 14. Juni ist also nichts geworden. Ünyılmaz seufzt. „So ist das eben bei dem Bau einer Moschee.“ Die vier Millionen Euro für das Gebäude wollen die etwa 300 Gemeindemitglieder, darunter viele alteingesessene Norderstedter Familien und Unternehmer, aus Spenden finanzieren. Doch das einsammeln des Geldes gestaltet sich offenbar sehr zäh. „Gespendet wird meistens erst, wenn auch etwas vom Bauwerk zu sehen ist, etwa das Fundament“, sagt Selçuk Ünyılmaz. So lange nichts zu sehen ist, bliebe der Spendenfluss eher dünn.

Hinzu kommt die für türkische Moschee-Bauten in Deutschland schlechte politische Großwetterlage. Die Norderstedter Gemeinde zählt zur Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib Nord). Den Imam für die Gemeinde schickt Ankara. So sehr die Norderstedter Gläubigen betonen, weder glühende Anhänger des in Europa umstrittenen türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan zu sein, noch von der Ditib auch nur einen Cent für den Moschee-Neubau zu bekommen, und dass sie lieber gestern als heute einen in Deutschland ausgebildeten Imam hätten – es herrsche „Generalverdacht“, sagt Selçuk Ünyılmaz. „Wir haben auf der Suche nach Spenden viele türkische Unternehmer angesprochen. Aber die halten sich mit Spenden zurück, weil sie fürchten, von ihren deutschen Kunden als Unterstützer Erdogans angesehen zu werden.“

Dass das Spendenaufkommen irgendwann zum Problem wird und die Moschee am Ende vielleicht gar nicht gebaut werden kann, diese Gefahr sieht Selçuk Ünyılmaz allerdings nicht. „Die Moschee wird gebaut. Nur können wir eben noch keinen verlässlichen Zeitplan aufstellen.“

An den ambitionierten Plänen für die Moschee will die Gemeinde festhalten. Entstehen soll ein islamisches Gotteshaus mit 1850 Quadratmetern Nutzfläche. Die Architektur ist ebenso transparent wie modern: viel ornamentiertes Glas, versehen mit den Worten Friede, Reue und Glaube in deutscher, englischer und arabischer Sprache, dazu fließende Formen und eine Kuppel zum Himmel und zwei 21 Meter hohe Minarette mit integrierten Windkraftanlagen. In den Nebengebäuden die Imam-Wohnung, die Schulungs- und Projekträume für Jugend und Frauenrat, ein Supermarkt und – als Begegnungsort für alle Norderstedter – die Cafeteria einer Kaffeehaus-Kette.