Norderstedt
Norderstedt

Norderstedter Verwaltung soll Böller-Verbot prüfen

Für viele Menschen gehört es dazu, das neue Jahr mit einem Feuerwerk zu begrüßen.

Für viele Menschen gehört es dazu, das neue Jahr mit einem Feuerwerk zu begrüßen.

Foto: imago stock / imago/VIADATA

Lärm, Dreck und Feinstaub – Feuerwerk schädigt die Umwelt, sagen die Befürworter. Die Gegner wollen die Bürger nicht bevormunden.

Norderstedt.  Das neue Jahr mit Feuerwerk begrüßen – das ist auch in Norderstedt guter Brauch. Fraglich ist allerdings, wie lange es noch über den Dächern der Stadt zum Jahreswechsel kracht und blitzt. Stadtvertreter Volker Schenppe (CDU) hat einen Prüfauftrag an die Verwaltung formuliert: Die Fachleute im Rathaus sollen ermitteln, ob Silvesterfeuerwerk im Stadtgebiet verboten werden kann.

Schenppe führt den Umweltschutz an. „Die Knallerei produziert Unmengen von Feinstaub.“ Zahlen für Norderstedt gibt es nicht, das Umweltbundesamt nennt 4500 Tonnen als bundesweiten Wert für die Böllerei. Diese Menge entspreche etwa 15,5 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge und rund 2,25 Prozent aller Feinstaub-Emissionen.

Das Einatmen von Feinstaub gefährdet die menschliche Gesundheit, heißt es weiter im Flyer des Umweltbundesamtes zum vorigen Jahreswechsel. Die Atemwege könnten beeinträchtigt werden, Herz-Kreislauf-Probleme und ein erhöhter Medikamentenbedarf bei Asthmatikern die Folge sein. Das hat die Deutsche Umwelthilfe dazu gebracht, ein Böller-Vebot für 98 ohnehin stark belastete Städte in Deutschland zu fordern.

Vor allem die Haustiere leiden unter dem Lärm

„Hinzu kommt der extreme Lärm, unter dem vor allem die vielen Haustiere leiden“, sagt Schenppe. So feierten er und seine Frau regelmäßig bei Bekannten, weil die wegen ihres Hundes das Haus nicht verlassen würden. Und schließlich der Dreck. Er müsse Böllerreste vom Dach holen, auf den Wegen und Straßen bleibe viel liegen, weil nicht alle Bürger die ausgebrannten Hüllen entfernten, obwohl sie laut der Straßenreinigungssatzung dazu verpflichtet sind. Denn was für Eis, Schnee und Laub gilt, trifft auch auf Knallkörper zu: Der Abschnitt des Weges und die Fahrbahn müssen bis zur Straßenmitte gesäubert werden. Die Hauptstraßen, Plätze und Grünanlagen befreien die Mitarbeiter des Betriebsamtes von Feuerwerksresten.

Die Initiative des CDU-Stadtvertreters trifft bei den anderen Parteien auf ein unterschiedliches Echo: „Wir denken mit Blick auf den Klima- und Umweltschutz schon länger darüber nach“, sagt Grünen-Fraktionschef Marc Muckelberg. Schließlich seien Umweltschäden durch die Pyrotechnik noch deutlich größer als die der Osterfeuer – die wollten Norderstedts Grüne schon verbieten lassen, scheiterten aber. Fraglich ist, so Muckelberg, ob sich ein generelles Verbot von Silvesterfeuerwerk rechtlich durchsetzen lässt. Schon jetzt muss allerdings zu Reetdachhäusern ein Schutzabstand von mindestens 200 Metern eingehalten werden. Verboten ist Feuerwerk in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder-, Alten- und Pflegeheimen. „Die Verwaltung muss klären, ob sich dieses Verbot auch auf den privaten Bereich übertragen lässt“, sagt Muckelberg.

Es wird sicher eine sehr emotionale Diskussion

„Es ist eine rein politische Entscheidung, ob Norderstedt Silvesterfeuerwerk verbieten will oder nicht. Daher geht ein Prüfauftrag an die Verwaltung in die falsche Richtung“, sagt die stellvertretende SPD-Fraktionschefin und Ortsvorsitzende Katrin Fedrowitz. Da die Stadtvertretung gerade beschlossen habe, den Umwelt- und Klimaschutz zu stärken, müsse die Politik Farbe bekennen. Tradition und die Folgen des Feuerwerks für Umwelt und Klima müssten gegeneinander abgewogen werden. Die SPD-Fraktion habe sich hierzu noch keine Meinung gebildet. „Es wird aber sicherlich eine sehr emotionale Auseinandersetzung zu diesem Thema geben“, sagt Fedrowitz.

„Es gibt gute Gründe für ein Feuerwerksverbot. So ist unumstritten, dass der Lärm der Böller neben Menschen besonders die Tiere belastet“, sagt Reimer Rathje, Fraktionschef von Wir in Norderstedt (WiN). Einige Tonnen Müll ließen sich einsparen, die Feinstaubbelastung sei vorhanden. Aber: „Osterfeuer wie auch das Feuerwerk zu Silvester gehören zur Tradition in Deutschland. Eine Änderung oder Abschaffung muss in der Gesellschaft ausführlich diskutiert werden“, sagt Rathje. Ein von Politikern verordnetes Verbot ohne Einbeziehung der Bevölkerung sei bevormundend. Besser seien starke Argumente, durch die sich das Bewusstsein in der Bevölkerung wandle und dazu führe, das weniger geböllert werde.

„Mit diesem Prüfauftrag rennt die CDU bei uns offene Türen ein“, sagt Miro Berbig, Fraktionschef von Die Linke in Norderstedt. Es sei doch Unfug, viele Millionen an Euro in die Luft zu pulvern und eine ex­trem hohe Belastung mit Feinstaub zu produzieren. Berbig verweist auf Dänemark, wo die Knallerei verboten ist. Allerdings will der Linken-Fraktionschef nicht als Spaßverderber dastehen: „Statt mit einem Feuerwerk könnten wir das neue Jahr mit einer großen Lasershow im Stadtpark begrüßen.“

„Angesichts der Belastungen für die Umwelt könnte ein Feuerwerk von Profis an zentraler Stelle ein Ersatz sein, ergänzt durch technische Alternativen wie eine Lasershow“, sagt Thomas Thedens (Freie Wähler). Er sei zuversichtlich, dass viele Norderstedter ihr Silvesterfeuerwerk reduzieren oder ganz darauf verzichten, wenn ihnen die Problematik bewusst gemacht wird. „Wir wollen das Feiern an Silvester nicht verbieten und setzen auf Freiwilligkeit“, sagt Thedens.

Von Verboten halten auch FDP und AfD nichts: „Bei einer solchen Traditionsveranstaltung, wie sie das Silvesterfeuerwerk nun mal ist, sollen die Bürger selbst entscheiden, wie sie sich verhalten“, sagt FDP-Fraktionschef Sven Wojtkowiak. Sein Eindruck sei, dass zunehmend weniger Raketen und Böller in die Luft geschossen würden. „Die AfD-Fraktion betrachtet das Silvesterfeuerwerk als einen Teil unserer kulturellen Vielfalt. Ein Verbot wird es mit uns nicht geben“, sagt AfD-Fraktionschef Christian Waldheim.