Norderstedt
Kreis Segeberg

Ein Chanson-Abend für „La Barbara“ in Norderstedt

Die in Paris geborene, französische Chansonsängerin und Komponistin Barbara lebte von 1930 bis 1997.

Die in Paris geborene, französische Chansonsängerin und Komponistin Barbara lebte von 1930 bis 1997.

Foto: dpa Picture-Alliance / Max Schweigmann / picture alliance / United Archiv

Die Chansons der französischen Jüdin stehen im Mittelpunkt eines deutsch-französischen Abends am Sonnabend in Stadtbücherei Norderstedt.

Norderstedt. Zu einer Art Ikone der deutsch-französischen Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg wird Monique Andrée Serf, besser bekannt als die Sängerin Barbara, im Juli 1964. Eineinhalb Jahre nach Unterzeichnung des Élysée-Vertrags kam die Chansonnette und Komponistin auf ein Gastspiel nach Göttingen. Der Chef des dortigen Theaters hatte lange bitten müssen, denn Barbara, 1930 in Paris in eine jüdische Familie geboren, erinnerte sich gut an die Leiden im Zweiten Weltkrieg.

Barbara verlangte einen schwarzen Salonflügel, doch auf der Göttinger Bühne thronte ein unverrückbares Klaviermonster. Barbara drohte mit Boykott. Schließlich wurde der Konzertflügel einer alten Dame zum Theater getragen und auf die Bühne gehievt. Das Publikum harrte zwei Stunden lang aus – und Barbara zeigte sich begeistert, blieb eine Woche länger in der niedersächsischen Stadt und schrieb am letzten Tag dankbar „Göttingen“. Das Lied brachte ihr den Durchbruch.

Über sich selbst sagte „La Barbara“ später einmal: „Ich bin keine große Dame des Chansons, ich bin eine Frau, die singt.“ Ein Understatement. Barbara wird in Frankreich in einem Atemzug mit Jacques Brel, Yves Montand und Edith Piaf genannt. Sie lebte von 1930 bis 1997, verschaffte sich mit ihren vielen Produktionen einen internationalen Ruf und gab Konzerte auf der ganzen Welt.

Die Hamburger Sängerin und Schauspielerin Christa Krings bringt die Chansons von Barbara am Sonnabend auf die Bühne der Stadtbücherei Norderstedt-Mitte. Begleitet am Klavier wird sie von Matthias Stötzel, Professor an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg und musikalischer Leiter in vielen Musicalproduktionen (St. Pauli Theater Hamburg, Kammerspiele Hamburg, Altonaer Theater). Eingeladen wurden die beiden vom Verein Chaverim – Freundschaft mit Israel, der Volkshochschule und der Stadtbücherei.

Es soll ein französisch-deutscher Abend mit den Liedern von Barbara werden, die vom Verloren-Sein und von den Tücken der Liebe handeln und in denen man das Leben der Französin wiedererkennt. Über Christa Krings als Barbara sagen jene, die sie gehört haben: „Anmutig und sensibel, mit ebenso starken wie zarten Texten und Gesten spielt Christa Krings diese Rolle als französische Chansonette auf einmalige und ungewöhnlich authentische Art und Weise. Eine großartige gesangliche wie darstellerische Leistung der Christa Krings.“

Barbaras Dank an Göttingen wird sicher Teil des Abends sein. Der Text des Chansons passt gut in einer Zeit, in der die Nationalisten überall die Europäische Idee sabotieren und Menschen verachtende Ideologien Zulauf verzeichnen: „Mir ists egal um die, die mit Erstaunen sich erheben / Und die anderen mögen mir vergeben / Aber die Kinder sind die gleichen / In Paris wie in Göttingen / Lasst diese Zeit nicht wiederkehren/ In der Blut und Hass die Welt zerstören / Denn es gibt Menschen, die ich liebe / in Göttingen / in Göttingen. / Und sollte der Alarm ertönen / Und müsste man wieder zu den Waffen greifen / Würde mein Herz eine Träne vergießen / Für Göttingen, für Göttingen.“

Hommage à Barbara, Sa, 9.11, 19.00, Stadtbücherei Norderstedt-Mitte, Rathausallee 50, Eintritt 10 Euro