Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

Bürgermeister Stefan Bauer stellt die „Vertrauensfrage“

Stefan Bauer (50) gewann die Wahl 2014 als unabhängiger Kandidat

Stefan Bauer (50) gewann die Wahl 2014 als unabhängiger Kandidat

Foto: Christopher Herbst

Henstedt-Ulzburgs Verwaltungschef fordert Politik vier Monate vor der Wahl auf, sich zu seiner Person zu positionieren.

Henstedt-Ulzburg. Vier Monate vor der Bürgermeisterwahl (1. März 2020) geht Henstedt-Ulzburgs Verwaltungschef Stefan Bauer (50) mit einem ungewöhnlichen Vorstoß in die Offensive. In einem offenen Brief an alle 33 Gemeindevertreter fordert er diese auf, sich zu seiner Person zu positionieren. Bisher hat keine Partei oder Wählergemeinschaft dem Amtsinhaber Unterstützung zugesagt – entweder werden eigene Anwärter gesucht, sind bereits wie im Falle der SPD (Ulrike Schmidt) gefunden, oder es wird bevorzugt, jemanden zu unterstützen, der nicht Stefan Bauer ist.

Dieser sagt, gemeinsam habe man „bemerkenswerte Erfolge erarbeitet und zahlreiche Maßnahmen umgesetzt“. Die erreichten Ziele, so Bauer: der Kita-Eigenbetrieb, die Schaffung neuer Kita-Plätze und Lösung des Hort-Notstandes, ein Medienentwicklungskonzept für die Schulen, die Ansiedlung des Rewe-Zentralstandortes, eine Verwaltungsreform sowie ausgeglichene, pünktliche Haushalte. Auch, dass die Stromtrasse durch den Ort bisher verhindert werde, gehöre dazu. Für die Zukunft plane er mehr geförderten Wohnungsbau, eine Verkehrsentlastung, ein Klimaschutzkonzept und eine Neuausrichtung der Sport- und Bildungslandschaft.

Auch ein Votum in der Gemeindevertretung möglich

„Rund fünfeinhalb Jahre nach meinem Amtsantritt steht die Gemeinde gut da. Dahinter steht auch mein persönlicher Einsatz, Seite an Seite mit dem starken Team unserer Verwaltung“, so der Bürgermeister. „Während der vergangenen Jahre habe ich meine Führungskompetenz nachhaltig unter Beweis stellen können.“ Inhaltlich „stecke er in den komplexen Themen tief drin“.

Nun soll die Politik Farbe bekennen. „Zum Ziel meiner ersten Amtszeit hatte ich mir auch die Heilung des seit vielen Jahren schwelenden Konflikts zwischen Politik und Verwaltung gesetzt.“ Das habe er nur teilweise erreicht, sein „dialogischer Ansatz“ habe nicht zu der Verbesserung geführt, die er sich vorstellte. Jetzt wünscht er sich persönliche Bekenntnisse, ein „Feedback in einem Vier-Augen-Gespräch“, ein Fraktionsvotum. „Gegebenenfalls werde ich noch in diesem Jahr die Gemeindevertretung um ein Stimmungsbild zur Unterstützung meiner Kandidatur bitten.“ Ultimativ entscheidend sei all das nicht, heißt es auf Nachfrage. Sollte das Feedback aber vernichtend sein, könnte Bauer seine Bewerbung durchaus zurückziehen.

Der offene Brief im Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich wende mich heute in eigener Sache an Sie. In den kommenden Wochen möchte ich die politische Unterstützung meiner beabsichtigten Kandidatur zur Wiederwahl als Bürgermeister Henstedt-Ulzburgs ausloten. Dabei geht es mir auch um Sie und Ihre Haltung zu meiner Zukunft als Bürgermeister Henstedt-Ulzburgs. Meine Bitte um ein aufrichtiges Bekenntnis richte ich an alle Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertreter.

Zu diesem offensiven Schritt habe ich mich in dem Bewusstsein entschlossen, damit auch ein gewisses Risiko einzugehen; möglicherweise wird das Ergebnis meiner Befragung hinter meiner Erwartung zurückbleiben, einen Teil der Gemeindevertretung als Unterstützerinnen und Unterstützer zu gewinnen. Ein Mindestmaß an grundsätzlicher Zustimmung halte ich für eine solide und erfolgreiche Amtsführung für essentiell – denn bei der Bürgermeisterwahl am 1. März 2020 geht es um das Wohl unserer Gemeinde in den kommenden acht Jahren. Meine bisherige Amtszeit war die wertvollste und großartigste Zeit meines bisherigen beruflichen Lebens. Gemeinsam haben wir bemerkenswerte Erfolge erarbeitet und zahlreiche Maßnahmen umgesetzt. Dies geschah nicht immer im überfraktionellen Einvernehmen. Themenbezogene Mehrheiten gab es in unterschiedlicher, aber stets pragmatischer Konstellation.

Hier eine kleine Auswahl der erreichten Ziele:

Umsetzung des Eigenbetriebs zur Neuordnung der Kinderbetreuung in Henstedt-Ulzburg

Schaffung einer großen Anzahl weiterer Kita-Plätze und Lösung der Hort-Problematik

Einführung eines Medienentwicklungskonzepts für die Schulen

Bis heute: Verhinderung der 380kV-Ostküstenleitung durch unseren Ort

Ansiedlung des REWE-Zentralstandorts sowie weiterer namhafter Unternehmen

Voranbringen der Verwaltungsreform

Ausgeglichene und (nun auch) pünktliche Haushalte während meiner bisherigen Amtszeit

Zahlreiche, auch von mir angestoßene Prozesse sind in Bearbeitung. Sehr gern würde ich diese in einer zweiten Amtszeit finalisieren:

Mehr geförderten Wohnungsbau – bestmöglich mit festen Projekt-Quoten von 30%

Klimaschutzkonzept mit der Zielsetzung klimafreundliche Gemeinde zu werden

Verbesserung/Entlastung der verkehrlichen Belastung im Ort

HU2030+, unser Integriertes Gemeindeentwicklungskonzept

Neuausrichtung der Sport- und Bildungslandschaft (Alstergymnasium, Mehrzweckhalle)

Strukturanpassung in Konsequenz der Organisationsuntersuchung

Rund fünfeinhalb Jahre nach meinem Amtsantritt im Juni 2014 steht unsere wunderbare Gemeinde richtig gut da. Dahinter steht auch mein persönlicher Einsatz, Seite an Seite mit dem starken Team unserer Verwaltung. Während der vergangenen Jahre habe ich meine Führungskompetenz nachhaltig unter Beweis stellen können. Henstedt-Ulzburg habe ich zu jeder Zeit nach innen und außen mit Stolz repräsentiert. Ich fühle mich hier längst zuhause und stecke inhaltlich auch in den komplexen Themen tief drin.

2014 war ich zur Wahl als parteiloser, unabhängiger Kandidat angetreten – ohne Unterstützung aus der Gemeindepolitik. Aus dem Stand war ich bereits im ersten Wahlgang erfolgreich. Aufgrund des kontinuierlichen positiven Feedbacks und der mir entgegengebrachten Sympathie aus der Bevölkerung, insbesondere aus den Vereinen, Verbänden und der Wirtschaft, aber auch aus der Politik, traue ich mir eine Wiederholung des Wahlerfolgs und eine zweite Amtszeit zu.

Zum Ziel meiner ersten Amtszeit hatte ich mir auch die Heilung des seit vielen Jahren schwelenden Konflikts zwischen Politik und Verwaltung gesetzt. Dieses Ziel habe ich leider nur teilweise erreicht. Mein dialogischer Ansatz, zu dem Gesprächsangebote an die Fraktionen und der regelmäßige Austausch mit den Fraktionsvorsitzenden ebenso gehören wie ein jederzeit offenes Ohr gegenüber den Mitgliedern der Gemeindevertretung, hat nicht zu der Verbesserung geführt, die ich mir vorstelle.

Unsere Gemeinde und die kommunale Selbstverwaltung in Henstedt-Ulzburg stehen vor enormen Herausforderungen. Das politische Ringen um die bestmögliche Entwicklung sollte von deutlich mehr Miteinander und weniger Gegeneinander getragen sein.

Meine Vision war, ist und bleibt mit möglichst allen Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertretern Henstedt-Ulzburg konstruktiv und positiv weiter nach vorn zu bringen. Ob dies möglich ist, möchte ich nun für mich in Erfahrung bringen. Was wünsche ich mir dafür konkret von Ihnen? Gern ein persönliches Bekenntnis, ein Feedback in einem Vier-Augen-Gespräch oder auch ein Votum ihrer Fraktion. Gegebenenfalls werde ich noch in diesem Jahr die Gemeindevertretung um ein Stimmungsbild zur Unterstützung meiner Kandidatur bitten.

Über Ihre Rückmeldung bis Anfang Dezember würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Stefan Bauer (Bürgermeister)