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AKN – Wer will die roten Schienenbusse haben?

Der „Doornkaat-Express“, der seinen Namen dem Schnapswerbebanner aus den 60er-Jahren verdankt, startet zur letzten Fahrt im Dienst der AKN.

Der „Doornkaat-Express“, der seinen Namen dem Schnapswerbebanner aus den 60er-Jahren verdankt, startet zur letzten Fahrt im Dienst der AKN.

Foto: KLIETZ

AKN verabschiedet sich von ihren Oldtimern. Fans der Züge können am 1. Dezember bei der letzten Sonderfahrt mitfahren und Abschied nehmen.

Kaltenkirchen.  Die AKN verabschiedet sich von ihren beiden Oldtimern. Die Kaltenkirchener Eisenbahngesellschaft will ihre bei Eisenbahnfans beliebten roten Schienenbusse abgeben und hofft, dass die als„Uerdinger“ bekannten Fahrzeuge von einem Eisenbahn-Verein in Schleswig-Holstein übernommen werden, der sich auf Sonderfahrten spezialisiert hat.

„Der Schritt ist uns sehr schwergefallen“, sagt Wolfgang Seyb, Geschäftsführer der Kaltenkirchener Eisenbahngesellschaft. Wer die AKN kenne, könne sich vorstellen, dass das Unternehmen so eine Entscheidung nicht leichtfertig fälle. „Wir haben den personellen Aufwand, die Werkstatt- und Abstellkapazitäten für alle unsere Züge und auch die Wirtschaftlichkeit und die Nostalgie gegeneinander abwägen müssen, was immer schwierig ist“, sagt Seyb.

Dem Unternehmen liege es jedoch am Herzen, dass die Fahrzeuge nicht verschwinden. Seyb: „Wir möchten unsere sehr gut gepflegten Oldtimer an eine Museumsbahn oder einen Verein übertragen, die derartige Sonderfahrten als Kerngeschäft betreiben.“

Damit soll gewährleistet werden, dass die „Uerdinger“ eine sichere Zukunft finden und auch in Zukunft weiter fahren können. Nach ersten Gesprächen mit Vereinen ist Seyb zuversichtlich.

Damit die Freunde des „Uerdingers“, der wegen seiner Werbeaufschrift auch „Doornkaat-Express“ genannt wird, noch einmal mitfahren können, bietet die AKN zum Abschied kostenlose Sonderfahrten an. Am 1. Dezember werden die beiden Triebwagen aneinander gekuppelt und fahren zwischen 11 und 19 Uhr auf der Linie A3 zwischen Ulzburg-Süd und Elmshorn. Fahrscheine sind nicht erforderlich. Der genaue Fahrplan wird von Mitte November an auf www.akn.de im Internet und über Facebook veröffentlicht. Die AKN rechnet mit einem großen Interesse und bittet um Verständnis, sollte es zu Wartezeiten kommen.

Die Fahrzeuge, die die AKN jetzt ausrangiert, stammen aus der Waggonfabrik Uerdingen AG und tragen deshalb ihren Spitznamen. Sie wurden in den Jahren 1961 und 1967 gebaut. Die „Uerdinger“ bieten 41 und 56 Sitzplätze. Der 1967 gebaute Triebwagen VT 3.09 mit der Fabriknummer 72837 war der letzte Uerdinger Schienenbus, der für den deutschen Markt hergestellt wurde. Sein großes Spitzenlicht macht ihn unverwechselbar.

Mit der Integration der regionalen Strecke Elmshorn/Bad Oldesloe/Elmshorn (EBOE) in die AKN im Jahre 1981 wurde die AKN offiziell Eigentümer des Fahrzeugs. Der VT 3.09 verkehrte jedoch weiter auf der nun als AKN-Linie A3 bezeichneten Strecke zwischen Elmshorn und Barmstedt. Nachdem die letzten Uerdinger Schienenbusse auf der Linie A3 durch die Nachfolger VT2E abgelöst worden waren, erhielt der VT 3.09 zusammen mit dem 1961 In der Uerdinger Waggonfabrik gebauten VT 3.08 seine rote Lackierung zurück. Der VT 3.08 trug zu Beginn Reklame von Corvit 32 (Korn), später warb der Schienenbus für die Kreissparkasse Pinneberg.

Die AKN hatte in den vergangenen Jahren bei den Sonderfahrten trotz vieler Aktionen jährlich ein Minus feststellen müssen und ihr Angebot daher stark eingeschränkt. Die Sonderfahrten waren zunächst von Eisenbahnenthusiasten und später vom Kaltenkirchener Unternehmen selbst organisiert worden. Auf dem Programm standen in jedem Jahr mehrere Fahrten zu Ausflugszielen im gesamten Norden.

Bis in die 80er-Jahre gehörten die knallroten Triebwagen mit den kräftig brummenden Dieselmotoren zum Fuhrpark im Linienbetrieb der AKN. Die Nachfolgegeneration der Uerdinger, die VTE älterer Bauart, sind bereits ausgemustert und fast komplett verschrottet worden. Einige sind noch bei der BayernBahn im Einsatz.