Norderstedt
Bad Segeberg

Alkohol-Fahrt auf der B 432 endet an einem Baum

Eine Statue der Justitia (Symbolbild).

Eine Statue der Justitia (Symbolbild).

Foto: Michael Rauhe

20-Jähriger muss sich vor dem Jugendgericht Bad Segeberg verantworten. Er soll mit mehr als 1,3 Promille und unter Drogeneinfluss gefahren ein.

BAD SEGEBERG.  Es war eine nasskalte Februarnacht und die Bundesstraße 432 stellenweise gefroren. Kurz hinter dem Ortsausgang von Itzstedt schoss ein Golf kurz vor Mitternacht nach rechts von der Fahrbahn und krachte gegen einen Baum. Ein Wunder, dass die beiden Männer im Wagen den Aufprall überlebten. Der Fahrer wurde nur leicht verletzt, der Beifahrer kam schwer verletzt ins Krankenhaus.

Vor dem Jugendgericht Bad Segeberg hatte sich jetzt der 20 Jahre alte Unfallfahrer zu verantworten. Die Anklage: Gefährdung des Straßenverkehrs. Der schmale Angeklagte mit den blonden Haaren und dem auffallend kindlichen Gesicht schwieg vor Jugendrichter Tobias Kleimann zum Tatvorwurf.

Laut Anklage kreisten zur Tatzeit beim Angeklagten 1,37 Promille Alkohol im Blut, außerdem war er positiv auf Betäubungsmittel getestet worden. Im Gegensatz zum Beschuldigten redete dessen einstiger Beifahrer über die Katastrophe kurz vor Mitternacht. Bemerkenswertes konnte der bullige 21-Jährige im Zeugenstand allerdings nicht mitteilen. „Wir hatten heftig getrunken und uns mit Tabletten zugedröhnt“, erinnerte sich der Mann. „Irgendwann ist bei mir der Film gerissen. Jede Erinnerung ist weg.“ Erst im Krankenhaus sei er wieder klar im Kopf gewesen. Nach den staatsanwaltlichen Ermittlungen war er durch die Wucht des Aufpralls vom Beifahrersitz auf die Rückbank geschleudert worden.

Saß der Angeklagte vielleicht gar nicht am Steuer?

Sein damaliger Promillewert: 1,7. Bei ihm attestierten die Ärzte im Krankenhaus zwei gebrochene Rippen, eine Lungenprellung und zwei angebrochene Rückenwirbel. Dazu kamen Platzwunden, drei gebrochene Zähne sowie ein Bandscheibendefekt. Sechs Wochen war der Azubi krankgeschrieben. Seinem Kumpel, der am Steuer gesessen haben soll, machte er vor Gericht keine Schuldvorwürfe. „Ich möchte nicht, dass er bestraft wird“, erklärte er.

Überraschend dürfte es für den Beifahrer sein, dass die Wahlverteidigerin des angeklagten Freundes seine Geschichte grundsätzlich infrage stellt. Sie bezweifelt, dass ihr Mandant gefahren ist und glaubt, dass der Beifahrer in Wahrheit der Fahrer war. Der Prozess wurde deswegen vertagt. Ein DEKRA-Sachverständiger soll vor Gericht Klarheit schaffen, ob diese Theorie stimmen kann.