Norderstedt
Norderstedt/Hamburg

Langenhorn: Bürger fordern mehr Licht im Dunkeln

Dunkle Fußwege werden zu Stolperfallen – von Laub bedeckte Kantsteine und abstehende Pflastersteine stellen Gefahren für Fußgänger dar.

Dunkle Fußwege werden zu Stolperfallen – von Laub bedeckte Kantsteine und abstehende Pflastersteine stellen Gefahren für Fußgänger dar.

Foto: Annabell Behrmann

Senioren demonstrieren am heutigen Montag mit Taschenlampen für eine bessere Ausleuchtung der Fußwege. Auch die Stadt Norderstedt ist gefordert.

Norderstedt/Langenhorn.  Laternen beugen sich am Wördenmoorweg in Langenhorn über die Straße. Die Fußwege hingegen liegen nahezu in der Dunkelheit. Sie sind bedeckt von jeder Menge Laub. Die Kantsteine sind ebenso wenig wie Unebenheiten im Pflaster zu erkennen. Besonders für ältere Menschen, die schlecht sehen und nicht mehr so gut zu Fuß sind, stellen Straßen wie der Wördenmoorweg eine Gefahr dar. Der Spaziergang zur nächstgelegenen Einkaufsmöglichkeit am Langenhorner Markt wird zur Tortur.

„Es gibt so viele Organisationen, die sich um ältere Menschen kümmern. Sie möchten, dass Senioren am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Aber die kommen gar nicht mehr aus ihren Wohnungen heraus, weil sie Angst haben, nicht heil nach Hause zu kommen“, sagt Werner Hansen (68), Vorsitzender des Seniorenbeirats im Bezirk Hamburg-Nord. Um auf schlecht beleuchtete und sanierungsbedürftige Fußwege aufmerksam zu machen, ruft der Seniorenbeirat zu einem demonstrativen Rundgang auf. Am heutigen Montag treffen sich Senioren, ausgerüstet mit Taschenlampen, um 16.30 Uhr an der Ansgar Kirche an der Langenhorner Chaussee.

Die Route führt über den Wördenmoorweg in Richtung Röweland und zurück. Rund drei Kilometer legen die Teilnehmer bei der Demonstration zurück. Ausgerechnet in diesen düsteren Straßen befinden sich gleich zwei Seniorenzentren. „Die Strecke, die wir ausgewählt haben, ist nur exemplarisch. Es gibt in der Umgebung jede Menge Wege, die nicht ausreichend beleuchtet sind“, sagt Hans-Lüder Hilken. Seine Frau lässt er nicht mehr allein durch den Wördenmoorweg gehen. „Neulich hat sie fast einen Herzschlag bekommen, als ihr eine glimmende Zigarette entgegenkam, sie aber keinen Menschen erkennen konnte“, sagt Hilken. Der 75-Jährige ist im Arbeitskreis Licht des Seniorenbeirats tätig. Die Mitglieder rechnen – je nach Wetterlage – mit bis zu 100 Demonstranten.

Stadt hat 2014 Maßnahmen zur Besserung beschlossen

Mit Beginn der dunklen Jahreszeit nehmen auch die Beschwerden beim Seniorenbeirat in Norderstedt zu. „Dunkle Wege bleiben ein Thema“, sagt Sprecher Jürgen Peters. Viele Senioren würden in den Sprechstunden von ihren Stürzen berichten. „Ältere Menschen können nicht mehr so gut sehen. Sie haben nicht unbedingt Angst vor Fremden. Sondern vielmehr vorm Stolpern und Fallen.“

Als problematisch empfindet er vor allem den dunklen Weg vom Strandhaus im Stadtpark in Richtung Falkenbergstraße. Hier seien schon einige Senioren nach einer Veranstaltung gestürzt. Ebenso wie auf dem Rathausmarkt, der nur so vor Stolperfallen strotzt. „Ältere Menschen müssen ehrlich zu sich selbst sein“, sagt Peters. „Muss ich in der Dunkelheit wirklich noch raus?“

Allerdings: In der Winterzeit dämmert es bereits am Nachmittag. Es gibt verregnete, graue Tage, an denen es gar nicht richtig hell wird. „Unebene und schlecht beleuchtete Gehwege schränken Senioren in ihrer Mobilität ein und nehmen ihnen ein Stück Lebensqualität. Abends verlassen sie deshalb nicht mehr das Haus“, sagt Hans-Lüder Hilken vom Bezirks-Seniorenbeirat Hamburg-Nord.

Die Stadt Norderstedt kennt die Herausforderungen, mit denen längst nicht nur Senioren zu kämpfen haben. Bereits im Jahr 2014 hat die Stadt ein Fußverkehrskonzept beschlossen, das die Situation auf den Gehwegen verbessern soll. Gemeinsam mit Bürgern aus allen vier Stadtteilen hatte die Verwaltung in Begehungen die Mängel der Fußwege begutachtet und dokumentiert. Entstanden ist ein Konzept, in dem Qualitätsstandards festgeschrieben wurden, die möglichst für alle Gehwege gelten sollen.

Zum Beispiel sollen sie mindestens 2,50 Meter breit sein, am besten vier Meter. Die Oberflächen sollen allesamt glatt und von Blättern befreit sein. Mittelinseln und Zebrastreifen sollen das Queren von Straßen erleichtern. Und: Fußverkehrsräume sollen attraktiv und gleichmäßig ausgeleuchtet werden – nicht zuletzt, um das Sicherheitsempfinden der Bürger zu unterstützen. 2016 hat die Stadt mit der Umsetzung der erarbeiteten Maßnahmen begonnen.

Zu den Projekten, die bereits umgesetzt wurden oder kurz vor der Umsetzung stehen, zählt beispielsweise eine verbesserte Beleuchtung des Zugangsbereichs zur AKN-Haltestelle Moorbekhalle sowie im Moorbekpark. Hinzu kommen unter anderem Querungshilfen auf der Ochsenzoller Straße und der Tangstedter Landstraße. „Unsere Stadt Norderstedt ist sehr aktiv“, lobt Jürgen Peters. Doch genauso wie im benachbarten Langenhorn muss noch eine Menge passieren, damit dunkle, unebene Gehwege keine Gefahr mehr darstellen.