Bad Bramstedt

Bepöbelt und beleidigt: Politessen tauschen Erfahrungen aus

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Marion Garling aus Bad Bramstedt ist seit 19 Jahren Politesse in Bad Bramstedt.

Marion Garling aus Bad Bramstedt ist seit 19 Jahren Politesse in Bad Bramstedt.

Foto: Wolfgang Klietz

In Bad Bramstedt trafen sich 80 Knöllchen-Schreiber aus ganz Schleswig-Holstein. Fazit: Autofahrer verhalten sich immer aggressiver.

Bad Bramstedt.  Es gibt wohl keine Ausrede, die Marion Garling nicht kennt. Seit 19 Jahren arbeitet sie als Politesse in Bad Bramstedt und kann nur noch müde lächeln, wenn sie die Wörter „nur mal kurz“ oder „ich musste dringend zum Klo“ hört.

Neu ist hingegen eine Entwicklung, die Marion Garling und ihre Kollegen aus anderen Orten in den vergangenen Jahren ertragen müssen: Die Autofahrer verhalten sich aggressiver, immer öfter werden die Politessen bepöbelt und beleidigt.

Dass es dabei nicht nur um Einzelfälle geht, wurde bei einem Workshop aller Politessen aus Schleswig-Holstein im Bramstedter Schloss deutlich. Marion Garling drückt aus, was auch ihre Kollegen denken: „Es ist schlimmer geworden. Draußen wird es rauer“, sagt sie und fügt hinzu: „Bei manchen Leuten sitzt einem die Angst im Nacken. Das gab es früher nicht. Alle Kollegen kennen das Problem.“

80 Politessen und damit fast die komplette Zunft trafen sich, um Informationen und Erfahrungen auszutauschen. Offiziell gibt es die Bezeichnung Politesse gar nicht. „Überwachungskräfte für den ruhenden Verkehr“ lautet der Name. Sind die Politessen nicht nur fürs Entdecken von Falschparkern, sondern auch für andere Kontrollaufgaben zuständig, gehören sie zum KOD – zum kommunalen Ordnungsdienst, der beispielsweise Parks und die Anleinpflicht für Hunde überwacht.

Zwar komme es selten zu Handgreiflichkeiten, sagt Marion Garling, doch für alle Fälle beherrschen sie und ihre Kollegen die wichtigsten Regeln der Selbstverteidigung. Außerdem sind die Parkraumüberwacher geschult, sich im Gespräch deeskalierend zu verhalten. Das führe jedoch nicht dazu, dass der Parkverstoß folgenlos bleibe, betont die Bramstedter Politesse. Die Unterhaltung wird beendet, ein Ticket gibt es trotzdem. Dass manche Autofahrer zunehmend Mühe haben, regelgerecht ihr Auto abzustellen, kann Marion Garling begrenzt sogar verstehen. „Es gibt immer mehr Autos und immer weniger Parkplätze. Außerdem werden die Straße enger und die Autos größer.“ Damit wachse beispielsweise die Gefahr, dass ein einziger Falschparker der Feuerwehr ein Durchkommen unmöglich mache. Dabei seien die Unterschiede zwischen großen und kleinen Orten groß. Je größer die Stadt, umso größer die Parkprobleme und die Aggression. „In dieser Hinsicht ist Bad Bramstedt ein kleiner, ruhiger Ort.“ Mit einer Reichsbürgerin musste sie sich trotzdem schon auseinandersetzen. Auch Ingo Wolf hat an dem Treffen teilgenommen. „Politeur“ nennt er sich. Inzwischen ist jeder fünfte Parkraumüberwacher in Schleswig-Holstein ein Mann. Vor Verbalattacken schützt das jedoch nicht. „Wir kriegen das genauso ab“, sagt Wolf. Einen Unterschied hat er jedoch festgestellt: Manche Muslime würden Frauen nicht ernst nehmen, die Strafzettel verteilen. Männer könnten sich da besser durchsetzen. Tatsächlich haben Kommunen nach dem Flüchtlingszuzug vor wenigen Jahren verstärkt männliche Kontrollkräfte eingestellt, um dieses Problem zu lösen, hieß es in Bad Bramstedt. Offiziell bestätigen würde diese Entscheidung vermutlich kaum jemand.

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