Norderstedt
Kreis Segeberg

Bei einem Notruf meldet das Handy seinen Standort

Bei Notrufen vom Smartphone wird automatisch der Standort zur Leitstelle gesendet.

Bei Notrufen vom Smartphone wird automatisch der Standort zur Leitstelle gesendet.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Rettungsleitstelle „Holstein“ in Norderstedt prüft die Einführung eines neuen Ortungssystems für Notrufe aus dem Gebiet des Kreises.

Kreis Segeberg.  Wer künftig mit einem Android-Smartphone den Notruf 112 wählt, übermittelt vermutlich automatisch seinen Standort an die Leitstelle. Die Rettungsleitstelle „Holstein“ in Norderstedt prüft, das System AML (Advanced Mobile Location) einzurichten, das den Anrufer metergenau ausfindig machen kann.

Damit wäre ein Problem gelöst, vor dem die Disponenten in der Leitstelle immer wieder stehen: Der Anrufer meldet einen Notfall, weiß aber nicht genau, wo er sich befindet. „Wir sind an dem System interessiert“, sagt Joachim Seyferth, Leiter des Amtes für Rettungsdienst und Katastrophenschutz in Norderstedt. Ihm untersteht die Leitstelle im Feuerwehrtechnischen Zentrum an der Stormarnstraße, in der sämtliche 112-Notrufe aus dem Kreis Segeberg ankommen.

Bei vielen Notrufen geht es um jede Sekunde. Gerade auswärtigen Anrufern, die sich im ländlichen Raum oder in einem Wald aufhalten, fällt die Ortsangabe schwer. Auch bei geschockten Menschen in Ausnahmesituationen wird die Ermittlung des Einsatzortes problematisch. Wenn die Anrufer keine Adresse nennen können, müssen die Mitarbeiter der Leitstelle den Rettungskräften ungefähre Wegbeschreibungen mitteilen, manchmal kombiniert mit markanten Gebäuden. Bei der Suche danach verlieren Retter bei der Anfahrt wertvolle Zeit.

Advanced Mobile Location soll dabei helfen, Leben zu retten. Möglich wird die Übermittlung der Standortdaten durch eine Kooperation zwischen dem US-Unternehmen Google und den drei größten deutschen Netzbetreibern Telekom, Vodafone und Telefónica. Die Konzerne ermöglichen eine kostenlose Datenübertragung des Standortes in ganz Deutschland. Besonders wichtig: Jeder kann den Dienst auf seinem Smartphone im Notfall nutzen. Es muss keine App heruntergeladen werden, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Seit Donnerstag liegt Seyferth die Informationen vor, dass dieser Service verfügbar ist. „Das wäre für uns eine Arbeitserleichterung“, sagt er. Jetzt müsse geprüft werden, wie das System in die bestehende Technik integriert werden kann.

Datenschutzbehörden stufen das System als unbedenklich ein, weil die Daten nicht gespeichert werden. Zehn bis 15 Sekunden soll es nur dauern, bis der Standort auf etwa fünf Meter genau auf dem Bildschirm in der Leitstelle zu sehen sein wird. Bislang ist erst ein Drittel der 250 Leitstellen in Deutschland an das System angeschlossen, das über die Leitstelle Freiburg/Breisgau im Hochschwarzwald in Zusammenarbeit mit der Berliner Feuerwehr betrieben wird. In den kommenden Monaten sollen die übrigen Stellen folgen. Ein genauer Zeitpunkt steht allerdings noch nicht fest.

Google hat den Service so konzipiert, dass die Standortdaten nur übermittelt werden, wenn der Anrufer die 112 wählt. Das funktioniert auch, wenn der Nutzer alle funktionierenden Standortdienste ausgeschaltet hat. Die Daten sind für eine Stunde auf den Servern der Rettungsleitstelle Freiburg gespeichert und werden dann wieder gelöscht.

In anderen EU-Ländern wird der Dienst bereits seit mehr als drei Jahren genutzt. Datenschützer hatten einen früheren Start der Funktion in Deutschland bislang verhindert. Erst kürzlich wurde AML nach einer Prüfung durch zuständige Datenschutzbehörden als unbedenklich eingestuft. Zunächst wird der Service nur Nutzern von Android-Geräten zur Verfügung stehen. Wer mit einem iPhone oder einem anderen Handy ohne Android-Betriebssystem anruft, muss bei einem Notruf zunächst auch weiterhin möglichst genau seinen Standort beschreiben. Das Update für IOS soll noch in diesem Jahr erfolgen.

Bis vor wenigen Jahren durften die Mitarbeiter der Leitstellen per Computer selbst ermitteln, in welcher Funkzelle sich der Anrufer aufhält. Diese Peilung erfolgt zwar nicht metergenau, gibt aber den ungefähren Standort an. Aus datenschutzrechtlichen Gründen sei dieses Vorgehen untersagt worden, sagt Seyferth. Wenn die Disponenten jetzt einen Anrufer ausfindig machen wollen, sind sie auf die Hilfe der Polizei angewiesen. Bei Gefahr für Leib und Leben werde dieser Weg beschritten, sagt Seyferth. „Wegen des Datenschutzes ist dieses Verfahren aber nicht einfach“, sagt Seyferth. Auch die Polizei kann nur den Standort anhand der Funkzelle ausfindig machen.

„Auch für uns ist das System hochinteressant“, sagt Torge Stelck, Sprecher des Landespolizeiamtes. Konkrete Pläne für eine Umsetzung beim Notruf 110 lägen aber noch nicht vor.