Norderstedt
Kreis Segeberg

Großenaspe: Theda Hatlapa wird Ehrenbürgerin

Sie kennt jedes Tier: Theda Hatlapa (89) während ihrer täglichen Runde durch den Wildpark Eekholt.

Sie kennt jedes Tier: Theda Hatlapa (89) während ihrer täglichen Runde durch den Wildpark Eekholt.

Foto: Heike Hiltrop / Hiltrop

Die Gemeinde Großenaspe ehrt auf diese Art die 89 Jahre alte Mitbegründerin des weit über die Kreisgrenze bekannten Wildparks Eekholt.

Grossenaspe. Den gewachsten Hut frech an einer Seite hochgeknickt, feste Schuhe, Arbeitshose und rot kariertes Flanellhemd: So kennt man Theda Hatlapa, wenn sie im Wildpark Eekholt ihre Morgenrunde dreht. Zusammen mit ihrem Mann Hans-Heinrich Hatlapa hat sie ihn aufgebaut. „Von Null angefangen“, betont sie. Die Schuhe, die er nach seinem Tod 2009 hinterlassen hat, sind ihr offensichtlich nie zu groß gewesen.

„Sie stand immer an seiner Seite, es ist auch ihr Lebenswerk, das sie weiter entwickelt hat“, sagt Großenaspes Bürgermeister Torsten Klingner (CDU). „Das war die Motivation für uns, sie zur Ehrenbürgerin machen zu wollen.“ Eine einstimmig beschlossene Sache der Gemeinde, die bei einer Feierstunde am Mittwoch, 23. Oktober, in der Kiek-ut-Stube im Wildpark vollendet werden soll.

Theda Hatlapa ist, nach ihrem Mann und drei weiteren Großenaspern, die Fünfte, die die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde erhält, und die erste Frau in diesem Kreis. „Ohne die Mitarbeiter wäre der Wildpark nicht das, was er heute ist“, relativiert sie nachdrücklich und sieht die Ehrung als Auszeichnung einer großen Gemeinschaftsleistung. An deren Beginn jedoch sie, ihr Mann und eine Mitarbeiterin vor mehr als 50 Jahren gestanden haben.

Kontakt zu den Mitarbeitern ist der Seniorin sehr wichtig

Mittlerweile gehört neben Geschäftsführer Wolf-Gunthram Freiherr von Schenck – Hatlapa: „ein Glücksgriff“ – auch Enkelin Isabell Mahnert, die Parkbesitzerin, zur Leitung. Großmutter Theda ist die Seele von Eekholt. Und sie ist entweder zu Fuß, mit dem Rollator oder dem Elektromobil nach wie vor jeden Tag auf dem Gelände unterwegs. Je nachdem, wie es der 89-Jährigen, die am 5. November ihren 90. Geburtstag feiert, gerade so geht. Hier ein kurzer Stopp am Wolfs-, Otter- oder Hirschgehege, dort ein kleiner Plausch mit den Mitarbeitern. Das sei ihr sehr wichtig, sagt sie.

Ein Kolkrabe kräht von Weitem, und sie lächelt: „Mein Mann liebte sie sehr.“ Väterchen habe sie ihn immer genannt, und sie sei seine „geliebte Alte“ gewesen, als die Kinder da waren, erinnert sie sich und lacht verschmitzt: „Eine Hirschkuh ist, nachdem sie das erste Mal gekalbt hat, ein Alttier. Darum.“ Nicht alle hätten das verstanden. Aus Ostpreußen geflüchtet kam Theda Marie Edelgard Hatlapa Gräfin Finck von Finckenstein nach Eschweiler in Nordrhein-Westfalen. Sie arbeitete bei der Landwirtschaftskammer, als ihr späterer Mann bei Freunden auf sie aufmerksam wurde. Aus Liebe zog sie nach Schleswig-Holstein, arbeitete an der Landwirtschaftsschule in Kaltenkirchen. Ihr Mann wurde im elterlichen Betrieb in Uetersen gebraucht. Sie heirateten 1954, bekamen eine Tochter und einen Sohn. Aus erster Ehe hatte Hans-Heinrich Hatlapa zwei Söhne. Mittlerweile gibt es 14 Enkel und zehn Urenkel.

Die Liebe zur Natur, der Arten- und der Umweltschutz hätten sie und ihren Mann immer sehr verbunden. In der eigenen Blockhütte in Kanada verbrachten sie viele Ferien. Ein bisschen Wildnis holten sie in den Kreis Segeberg, als sie kurz nach der Hochzeit 20 Hektar Land an der Osterau kauften. „Kurzsichtige Menschen an der Macht, die nicht weiter sehen, als ihre Nasenspitze reicht, zucken nur mit den Achseln, wenn man sie fragt, was aus dem Birkwild, den Lurchen in den Moorkuhlen und den Kreuzottern auf den Torfböden werden soll, schrieb Hans-Heinrich Hatlapa in einem Buch. Dem wollten die beiden mit ihrem Reservat für heimische Wildtiere etwas entgegensetzen.

Heute beheimatet der Park auf 67 Hektar rund 700 Tiere in 100 Arten. Theda Hatlapa: „Wir haben dieses Paradies geschaffen. Aber ich habe erst nach dem Tod meines Mannes gemerkt, dass auch ich einen Teil dazu beigetragen habe.“