Norderstedt
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820.000 Blumen blühen zum Stadtjubiläum

Laura Weigel vom Betriebsamt der Stadt Norderstedt und Theo de Vries von der Niederländischen Firma Lubbe Lisse mit Blumenzwiebeln.

Laura Weigel vom Betriebsamt der Stadt Norderstedt und Theo de Vries von der Niederländischen Firma Lubbe Lisse mit Blumenzwiebeln.

Foto: Stadt Norderstedt / Stadt Norderstedt/ Heike Kiesel

Blütenpracht soll nicht nur den 50. Geburtstag Norderstedts verschönern. Sie soll auch Bienen und Schmetterlingen Lebensraum bieten.

Norderstedt. Wenn Norderstedt im kommenden Jahr seinen 50. Geburtstag feiert, dann soll es an allen Ecken und Enden der Stadt blühen. 820.000 Blumenzwiebeln werden in diesen Tagen entlang der Straßen und in Grünanlagen im Auftrag der Stadtverwaltung in die Erde gebracht. Doch dabei geht es nicht nur um den hübschen Schein und ein liebliches Stadtbild. In Zeiten der großen gesellschaftlichen Diskussion um den Klimawandel, das Bienensterben und die gefährdete Biodiversität müssen solche Pflanzungen auch eine Aufwertung der Stadtnatur sein.

„Die Blumen sollen nicht nur die Grünflächen verschönern, sie sollen Insekten einen Naturraum und Nahrung bieten“, sagt Fabian Schüttler, Sprecher der Stadt Norderstedt. Es wurden biologische Blumenzwiebelmischungen mit mehr als 100 Sorten gepflanzt. Bei der Zusammenstellung arbeitete die Stadt mit dem niederländischen Unternehmen Lubbe Lisse zusammen, das nur mit Bio-Zwiebeln arbeitet, die gut verwildern und die im aufgeblühten Zustand Bienen und Schmetterlingen wertvolle Nahrung liefern. Der Stadt war es wichtig, dass die gepflanzten Zwiebeln garantiert botanisch sind, also selbst vermehrend und langlebig. Sie sichern den Insektenbestand nicht nur, sie fördern ihn auch.

Eine Pflanzmaschine arbeitet besonders umweltfreundlich

Mit der Umsetzung betraut sind die Mitarbeiter der Grünflächenunterhaltung des Betriebsamtes. Mehr als 700.000 Blumenzwiebeln sind in den vergangenen Tagen in zahlreichen Park- und Grünanlagen im Stadtgebiet maschinell eingepflanzt worden. Weitere 120.000 werden in den kommenden Wochen zusätzlich von Hand eingepflanzt.

Ab Frühjahr 2020 werden die bunten Blumenmischungen aufgehen. Zum Vorschein kommen werden Prachtscharten, der Kugel-Lauch, Sternhyazinthen, das Balkan-Windröschen und der gelbe Sonnenhut, aber auch besonders bienenfreundliche Sorten wie der Winterling, Krokusse, die Wildtulpe, die Narzisse, der Neapel-Zierlauch und das spanische Hasenglöckchen.

Beim Feuerwehrmuseum werden die Blumen, anders als bei den anderen Grünflächen, in rot und weiß gehalten – also den Farben der Feuerwehr. Die Lebensdauer der gepflanzten Blumen beträgt im Schnitt etwa sechs Jahre.

Lubbe Lisse setzte für die Aktion eine spezielle Pflanzmaschine ein. Sie ermöglicht es, die Blumenzwiebeln nicht nur zügig in die Erde, sondern auch unter bestehende Rasenflächen zu pflanzen. Die Maschine schneidet hierfür die Grasmatte auf, hebt sie an und streut die Blumenzwiebeln darunter ein. Anschließend werden die Rasenstücke sauber zurückgelegt. Die Spuren der Pflanzaktion seien dadurch kaum zu erkennen.

Laut der Stadt Norderstedt würden bei dieser Methode nicht nur die Blumenzwiebeln unbeschädigt in der richtigen Tiefe eingepflanzt. Ebenso würden mögliche negative Auswirkungen auf den Boden und die in ihm lebenden Insekten verringert.

Auch für Anlieger und Anwohner gibt es Vorteile. Verkehrsbehinderungen und Lärm werden während der Pflanzaktionen auf ein Minimum reduziert. An folgenden Standorten wurde in den vergangenen Tagen gepflanzt: Friedrichsgaber Weg, Beim Umspannwerk, Ulzburger Straße, Rathausallee Ecke Oadby-and-Wigston Straße, Spielplatz Waldbühnenweg, Spielplatz B 202, Spielplatz Hinrich-Thieß-Straße, Rathauspark, Schinkelring, Am Exerzierplatz, Spielplatz Großer Born, Spielplatz Heinrich-Lönnies-Straße und Spielplatz Rembrandtweg.

Der Klimanotstand wird in Norderstedt nicht ausgerufen

Was die Stadt ganz lokal für den Klima- und Umweltschutz tun kann, das ist für die Kommunalpolitik eine ständig wiederkehrende Frage. Zum Beispiel in der nächsten Sitzung der Stadtvertretung am Dienstag, 22, Oktober. Dann steht nämlich der im Eingabenausschuss vorgebrachte Appell des Norderstedter Bürgers Michael Edwards zur Ausrufung des Klimanotstandes auf der Tagesordnung. Der Notstand würde die Stadt verpflichten, alle ihre Entscheidungen auf ökologische, gesellschaftliche und ökonomische Nachhaltigkeit zu prüfen und im Zweifel nur jene Projekte anzugehen, die den Klimawandel nachweislich abschwächen.

„Wir Grünen hätten den Notstand gerne ausgerufen“, sagt deren Fraktionschef Marc Muckelberg. Aber eine Mehrheit dafür sei in der Stadtvertretung nicht absehbar. Stattdessen haben sich die Grünen mit der CDU-Fraktion und den Linken auf einen gemeinsamen Antrag verständigt, mit dem der lokale Klimaschutz auf der Tagesordnung gehalten werden kann. In dem Antrag fordern die Parteien die Stadt auf, in den nächsten Monaten gezielte Maßnahmen zu erarbeiten, die vorrangig den Schutz des Klimas und der Umwelt beinhalten. „Künftige Beschlussfassungen sind zusätzlich unter der Maßgabe einer nachhaltigen Klima- und Umweltpolitik zu prüfen“, heißt es in dem Papier – ein abgeschwächtes, weniger verpflichtendes Klimanotstandsgesetz. Außerdem wird der Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder nahegelegt, aus der zur Stabsstelle degradierten Umweltabteilung des Rathauses wieder ein eigenes Amt Nachhaltiges Norderstedt zu machen.

„Es wird nach diesem Beschluss ganz entscheidend sein, dass wir in den Fachausschüssen viele Anträge stellen, die den Beschluss und den Klimaschutz in Norderstedt mit Leben füllen. Wir Grünen haben schon eine ganze Menge Ideen dazu“, sagt Muckelberg.