Norderstedt
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Bei Hempels können Sie alte Bücher abgeben

Carsten Loock (links) und André Klinger vom Gebrauchtwarenhaus Hempels zeigen die Fülle an Büchern, die sich inzwischen in den Regalen und auf den Tischen findet.

Carsten Loock (links) und André Klinger vom Gebrauchtwarenhaus Hempels zeigen die Fülle an Büchern, die sich inzwischen in den Regalen und auf den Tischen findet.

Foto: Michael Schick

Gebrauchtwarenhaus nimmt ausrangierte Werke an, auch kistenweise. Die Stadtbüchereien können den Service nicht mehr bieten.

Norderstedt.  Es ist alles da: Harry Potter, Dora Heldt, Joy Fielding, Krimis, historische Romane – das Gebrauchtwarenhaus Hempels ist gut sortiert. 15 Meter Bücherregale, das Second-Hand-Warenhaus besitzt eine eigene kleine Bibliothek. Das liegt daran, dass das Hempels einen Service vorhalten, den die Stadtbüchereien nicht mehr anbieten. Die Mitarbeiter des städtischen Hauses an der Stormarnstraße, in dem die Norderstedter günstig ausrangierte Möbel, Kleidung, Schallplatten und mehr finden, nehmen ausrangierte Literatur an, auch karton- und kistenweise und auch dann, wenn sich die Bücher mit CDs und DVDs mischen.

„Wir haben die Logistik, um die Bücher auszupacken, sie darauf zu prüfen, ob sie noch ausreichend gut erhalten sind, und sie dann ins Regal zu stellen oder auf einen unserer Büchertische zu legen“, sagt Carsten Loock, neuer Marktleiter bei Hempels. Belletristik, die lange in feuchten Kellern gelegen hat und entsprechend muffig riecht, wird genauso aussortiert wie alle literarischen Werke, die angestoßen, „abgegrabbelt“ oder zerfleddert sind. Der Ausschuss landet im Papiercontainer.

Genau den haben die Stadtbüchereien nicht, auch keinen Platz, um Bücher zu lagern, die ausgelesen sind, aber nicht weggeschmissen werden sollen. „Warum gerade Bücher nicht einfach entsorgt werden, ist schwer zu erklären“, sagt Klinger. Vielleicht, weil die Besitzer kein Wissen wegwerfen wollten, weil die deutsche Vergangenheit noch unterbewusst präsent ist, als die Nazis unliebsame Bücher verbrannt haben, weil ein Buch einen „haptischen Wert“ hat, angefasst werden kann.

Die meisten Bücher sind nicht mehr zu gebrauchen

Auf der anderen Seite, so der neue Marktleiter Carsten Loock, sind die Regalmeter endlich. Und: Der Trend gehe weg von den klassischen Wohnzimmerschränken hin zu Sideboards und TV-Tischen. Der allerdings ist oft noch vorhanden, wenn Ältere sterben und Angehörige den Haushalt auflösen müssen. An sich schon schwierig, die Bücher werden wegen der Wegwerf-Hemmung in Kartons und Kisten gepackt und zu einer der vier Norderstedter Stadtbüchereien getragen.

Diesen Weg beschritt auch eine Norderstedterin. Doch als sie am Tresen der Bibliothek stand, musste sie erfahren, dass die öffentlichen Büchereien Buchspenden nicht mehr annehmen, obwohl die Spenderin „sogar Bücher abgeben wollte, die in den Regalen nicht vorhanden waren“.

Mit ihrem Vorschlag für den Bürgerhaushalt wollte die Bücherfreundin erreichen, dass die Mitarbeiter der Bibliotheken geschenkte Literatur wieder annehmen. Doch im Kulturausschuss wurde ihr mitgeteilt, warum dieser Weg versperrt bleibt und das Gebrauchtwarenkaufhaus Hempels die richtige Adresse ist. „Als das Haus eröffnet wurde, haben wir vereinbart, dass Bücherspenden ausschließlich dort angenommen werden“, sagt Büchereichef Ingo Tschepe, der sich immer wieder mit Bücherkisten konfrontiert sieht und daher auf die Regelung in Norderstedt hinweist. Die Büchereien seien personell nicht in der Lage, Bücher kistenweise anzunehmen.

Für das Sortieren sind zusätzliche Mitarbeiter nötig

Davon seien meist nur ein bis zwei neuere brauchbar. Der Rest müsse entsorgt werden, genau so wie die Zeitschriften, CDs und DVDs, die gleich mit abgegeben würden. Für das Sortieren seien zusätzliche Mitarbeiter nötig, die stünden aber nicht zur Verfügung. Papiercontainer müssten aufgestellt werden, CDs und DVDs seien Sondermüll. Auch das sei logistisch nicht zu bewerkstelligen.

Ohnehin werde der Begriff „Bücherspende“ missverstanden, was sich an der alten englischen Telefonzelle im Rathaus zeige. Das rote Häuschen dient als Literatur-Tauschbörse. Allerdings missachteten die Nutzer die Vorgabe, die in der Zelle zu lesen ist, leider allzu oft. „Unser Team ist für die Pflege der Bücherspenden in der Telefonzelle zuständig. Und das ist leider mit einem gewissen Aufwand verbunden, denn rund 50 Prozent der dort abgelegten Bücher entsorgen wir, weil sie in einem schlechten Zustand bzw. unbrauchbar sind“, sagt Tschepe. Büchertausch ist auch im Norderstedter Stadtpark möglich.

Das Hempels-Team hingegen nimmt ausrangierte Bücher gern entgegen, passt die Annahme doch zum Konzept von Nachhaltigkeit und Wiederverwertung. „Wenn ein Buch bei uns ins Regal kommt, verlängert das den Lebenszyklus mindestens um einmal Lesen“, sagt Carsten Loock. Immerhin 44.000 Bücher seien im vorigen Jahr bei Hempels umgeschlagen worden. Denn nicht nur der Annahmeservice ist attraktiv für die Norderstedter, sondern auch der Kaufpreis. Einen Euro kosten Taschenbücher, fest eingebundene Literatur ist für zwei Euro zu haben. „Und viele bringen ihre Bücher nochmals wieder her, wenn sie sie durchgelesen haben“, sagt Loock.

Ausrangierte Bücher können beim Norderstedter Gebrauchtwarenhaus Hempels, Stormarnstraße 34-36, zu den üblichen Zeiten für die Warenannahme abgegeben werden: montags bis donnerstags von 9-15 Uhr und freitags von 9 bis 12.30 Uhr.