Norderstedt
Juniorenländerspiel

Deutsche U20 beschert Norderstedt besonderen Fußballabend

Manuel Wintzheimer (links, im Zweikampf mit Mateusz Bondarenko) erzielte die ersten beiden Tore für die deutsche Nationalmannschaft.

Manuel Wintzheimer (links, im Zweikampf mit Mateusz Bondarenko) erzielte die ersten beiden Tore für die deutsche Nationalmannschaft.

Foto: WITTERS

2112 Zuschauer im Edmund-Plambeck-Stadion unterstützen die DFB-Junioren. Doch Polen gewinnt das Testspiel mit 4:3.

Norderstedt.  Kurz vor Beginn des U-20-Länderspiels zwischen Deutschland und Polen wurde es hektisch in der Sprecherkabine. Die letzten Anweisungen an Ewald Koch wurden per Funkgerät durchgegeben. Dann tippte der Stadionsprecher auf seinen Laptop und ließ die Nationalhymne über die Lautsprecher laufen. „Heute herrscht definitiv mehr Action als sonst“, sagte Koch. Der 50-Jährige arbeitet seit mehr als 15 Jahren für Regionalligist Eintracht Norderstedt. So schnell kann ihn nichts aus der Ruhe bringen. Koch hat schon Hunderte Spiele in der Liga und einige im DFB-Pokal mit seinen Durchsagen begleitet. Drei Länderspiele waren auch dabei. Doch ein Besuch der Nationalmannschaft, selbst wenn es „nur“ die Junioren sind, bleibt etwas Besonderes für ihn.

„Wir haben im Vorfeld dreimal den Ablauf geprobt. Der DFB gibt genaue Richtlinien vor“, sagte Koch. Vier Stunden vor Anpfiff traf der Sprecher bereits im Edmund-Plambeck-Stadion ein. Wenn die Eintracht spielt, plant er zwei Stunden Luft ein. Ein 28-seitiges Heft mit Vorgaben hat er zuvor durchgearbeitet. Hinzu kam ein weiterer Ablaufplan. Darin stand zum Beispiel, dass Durchsagen auf Deutsch und Englisch zu machen sind, wann die Nationalhymne gespielt wird und wie die Tore angesagt werden. „Aber es macht einfach Spaß, deswegen mache ich den Job auch schon so lange.“

Polen gewinnt durch ein Tor in der letzten Minute

Jede Menge Spaß hatten auch die 2112 Zuschauer trotz der 3:4-Niederlage der deutschen Junioren durch ein Gegentreffer in der 90. Minute durch Polens Lukasz Poreba. Auf der Tribüne saßen unter anderem die geistig behinderten Sportler des Inklusiven Sportvereins Norderstedt (ISN). Noch am Dienstag durften sie mit der deutschen Nationalmannschaft, zu der Nachwuchstalente wie Manuel Wintzheimer (VfL Bochum), Jonas David (HSV) und Finn Ole Becker (FC St. Pauli) gehören, in der Moorbekhalle trainieren. Gespielt wurden Basketball und Floorball in gemischten Teams – ein Erlebnis, das sowohl die Profis als auch die ISN-Sportler so schnell nicht vergessen werden.

„Unsere Euphorie hält immer noch an. Wir haben uns riesig gefreut, die Jungs heute anfeuern zu dürfen“, sagte ISN-Trainerin Maike Rotermund. Der DFB hatte dem Verein sowohl eine 500-Euro-Spende überreicht als auch 20 Freikarten für das Länderspiel geschenkt. Während der Partie hielten die Norderstedter unermüdlich ihre schwarz-rot-gelben Fahnen in die Luft. „Das Nationalteam heute Fußball spielen zu sehen, wo man doch gerade erst zusammen trainiert hat, ist ein besonderes Gefühl“, sagte Rotermund. In der Halbzeitpause hieß sogar Stadionsprecher Ewald Koch die behinderten Sportler mit einer Mikrofondurchsage herzlich willkommen.

Ähnlich viel Stress vor dem Spiel wie Koch hatte übrigens Eddy Münch. Der 74-Jährige ist normalerweise für Eintracht Norderstedt als Sponsorenbeauftragter tätig. Für das Länderspiel engagierte ihn jedoch der DFB als Sicherheitschef. Münch brachte reichlich Erfahrung mit: Über viele Jahre war er Sicherheitsbeauftragter des Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verbandes und darüber hinaus bei zahlreichen Bundesligaspielen als Beobachter im Einsatz. „Wenn ich jetzt den Job jede Woche in der Bundesliga machen müsste, hätte ich ihn aufgegeben“, scherzte Münch, der über einen Knopf im Ohr im ständigen Kontakt mit den Ordnern stand. „Wenn die Eintracht spielt, rauche ich auf der Tribüne lieber Zigarre.“

Nationaltrainer Manuel Baum war zwar mit der Leistung seiner Mannschaft nur bedingt zufrieden, dafür aber umso mehr mit der Atmosphäre und den Bedingungen in Garstedt. „Das ist ein super Platz, auf dem ist richtig gut zu spielen“, lobte der 40-Jährige. Bei anderen Länderspielen sei in der Regel weniger los. „Hier ist das Stadion sehr eng, das macht Spaß und es kommt Stimmung auf – und wir haben unseren Teil ja auch dazu beigetragen.“