Norderstedt
Norderstedt

18-Jährige wehrt sich vehement gegen Festnahme

Eine Statue der Justitia (Symbolbild).

Eine Statue der Justitia (Symbolbild).

Foto: Michael Rauhe

Im Prozess vor dem Amtsgericht klagt sie über unangemessene Polizeigewalt. Die Richterin am Amtsgericht sah das allerdings anders.

NORDERSTEDT. Als der Zeuge durch die Tür kam, ging durch den Gerichtssaal ein hörbares Raunen. Der breitschultrige Hüne mit der Statur eines Schwergewichtsboxers ist Polizist der Wache Norderstedt. Er sagte in einem Prozess vor dem Jugendgericht Norderstedt aus. Angeklagt ist eine 18-Jährige, der Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen wurde.

Nach den staatsanwaltlichen Ermittlungen hatte sich die damals angetrunkene Frau bei ihrer polizeilichen Festnahme mit Händen und Füßen gewehrt.

Vorausgegangen war im vorigen Juni in Garstedt ein lautstarker Streit mit ihrem Begleiter. Genervte Anwohner alarmierten daraufhin die Polizei. Weil die Angeklagte jedoch weiterhin schrie, erteilten ihr die Beamten ein Platzverbot. Den ignorierte sie. Deshalb entschieden die Polizisten, die erregte Frau zur Ausnüchterung zur Wache zu bringen. Es kam zu einem Gerangel, in dessen Verlauf die Frau zu Boden ging, bis ihr schließlich Handfesseln angelegt wurden. „Ich lag seitlich mit dem Kopf auf dem Boden. Der Polizist drückte sein Knie auf meinen Kopf“, erinnert sich die junge Frau an den Moment der Festnahme. Sie habe panische Angst bekommen, weil sie vor zwei Jahren wegen eines Hirntumors operiert worden war. Deshalb hätte sie laut geschrien. Von dem angeblichen Platzverweis habe sie nichts mitbekommen.

Der Polizist beteuert, den Kopf nur fixiert zu haben

Im Zeugenstand erklärt der Polizist, sich an den Vorfall mit dem Kopf nicht erinnern zu können. „Ich werde den Teufel tun, den Körper in der Kopfregion einzusetzen“, beteuert der 37-Jährige. Deshalb habe er den Kopf zwar fixiert, aber nicht belastet, weil ihm das „viel zu gefährlich ist.“ Dazu hätte ihn die sich windende Angeklagte mit diversen Kraftausdrücken eingedeckt. Diese Beleidigungen, erklärt er, würden längst an ihm abperlen. Bei dieser Zeugenaussage heult die junge Frau im dunklen Hosenanzug und mit dem schwarzhaarigen Pferdeschwanz auf. „Das kann ich so nicht hinnehmen“, faucht die Angeklagte. Zur Tatzeit hatte die schmächtige Person 1,3 Promille Alkohol intus. „Eine Seite lügt“, stellt die Jugendrichterin Claudia Neumann fest. „Sind sie sich Ihrer Darstellung 100-prozentig sicher?“, fragte sie den Polizisten. „Ja“, war dessen Antwort.

Erst im vorigen Februar war die 18-Jährige Angeklagte von der gleichen Richterin wegen zweifachen Diebstahls verwarnt und aufgefordert worden, wegen ihrer Depressionen eine mehrmonatige Therapie zu beginnen. Seit dem Urteil habe sie nichts Konkretes zustande gebracht, rügte nun die Richterin die e Gelegenheitsjobberin, der sie eine Reifeverzögerung attestierte.

Das Urteil: Von übermäßiger Polizeigewalt könne nicht die Rede sein. Die Angeklagte erhielt eine Verwarnung und die unmissverständliche Aufforderung, die Therapie zu beginnen. Außerdem muss sie 300 Euro an das Polizeierholungswerk überweisen. „Ich bin jetzt auf einem guten Weg“, meinte die 18-Jährige zur skeptischen Richterin.