Norderstedt
Kreis Segeberg

Den Norderstedter Sportlern fehlen die Sporthallen

Kai Hädicke-Schories, Vorsitzender des TC Garstedt, muss regelmäßig Eimer leeren, weil es in der Tennishalle von der Decke tropft.

Kai Hädicke-Schories, Vorsitzender des TC Garstedt, muss regelmäßig Eimer leeren, weil es in der Tennishalle von der Decke tropft.

Foto: Annabell Behrmann

Ausschuss für Schule und Sport hat weiteres Geld für neue Sportstätten freigegeben. Besonders Tennisspieler leiden unter Mangel an Hallenplätzen.

Norderstedt.  Der Start in die Hallensaison ist für die mehr als 15.000 Sportler in Norderstedt mit erheblichen Problemen behaftet: Hallenzeiten fehlen, die Hüllen sind marode wie beim TC Garstedt, wo es von der Decke der Tennishalle tropft. „Die Halle muss dringend saniert werden“, sagt der Vorsitzende Kai Hädicke-Schories. Dass Sporthallen fehlen und Norderstedt seinen Sportlern deutlich weniger Räume und Zeiten bieten kann als Neumünster, Bad Segeberg, Kaltenkirchen oder Henstedt-Ulzburg, ist unbestritten.

Wie die Lücken geschlossen werden können, soll im Sportstättenentwicklungsplan festgelegt werden, der gerade erarbeitet wird. Einig sind sich die Vereine, dass neue Dreifeldhallen gebaut werden müssen, ein Projekt ist schon konkret: die Dreifeldhalle samt Dojo für die Kampfsportler von Kodokan auf dem Gelände am Falkenberg, wo bis vor Kurzem die Tennisspieler ihre Halle hatten.

Doch die Kosten für die neue Sportstätte sind explodiert, von knapp 6,6 auf 8,3 Millionen Euro. Ursache für den ersten Nachschlag, den die Stadtvertreter Ende Juni genehmigt hatten, waren zusätzliche Anforderungen: ein Aufzug für Behinderte (115.000 Euro), eine aufwendigere Dachkonstruktion, um die Hallenhöhe zu verringern (100.000 Euro), Fassadenbegrünung (70.000 Euro), Asbestentsorgung (45.000 Euro) und zusätzliche Stellplätze für Autos und Fahrräder. Außerdem waren die Baukosten rund fünf Prozent gestiegen, was Mehrkosten von rund 400.000 Euro bedeutete.

Nun bat Marc Mario Bertermann, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Norderstedt, die den Neubau realisiert, im Ausschuss für Schule und Sport um weitere 950.000 Euro. Die Mehrkosten ergäben sich durch die aktuelle Ausschreibung. „Die Summe kommt ja nicht zustande, weil irgendjemand geträumt oder falsch kalkuliert hat. Sie finden momentan einfach keine Handwerker, die Preise explodieren. Zudem ist die öffentliche Hand wegen der umfangreichen Formalitäten nicht gerade der beliebteste Kunde.“ Dies sei dann voraussichtlich auch der letzte Aufschlag. Der Ausschuss genehmigte die Mehrausgaben, damit das Projekt sich nicht weiter verzögert und die Kosten nochmals steigen. Baubeginn wird wahrscheinlich noch in diesem Jahr sein.

Mit den galoppierenden Baukosten hat auch der Tennisclub am Falkenberg (TaF) zu kämpfen. Der Verein will am Standort der alten Halle am Exerzierplatz nur wenige Meter entfernt eine neue Tennishalle mit zwei Feldern bauen. Noch im September 2017 waren dafür 750.000 Euro kalkuliert, aktuell nennt der Vorstand 1,3 Millionen Euro. 80 Prozent finanziert die Stadt, die Summe reduziert sich um 160.000 Euro, die Zuschüsse von Landes- und Kreissportverband. Der Verein muss 20 Prozent aufbringen. Der städtische Zuschuss beläuft sich nach der neuen Kostenaufstellung auf 880.000 Euro. Zudem hatte der TaF für den Eigenanteil eine Ausfallbürgschaft der Stadt in Höhe von 260.000 beantragt – genau darum stritten Vereinsvertreter um den Vorsitzenden Albert Klotz und Bernd Kemper von der Projektgruppe, die von zahlreichen Mitgliedern unterstützt wurden, mit dem Ausschuss für Schule und Sport.

„Wir haben mit einer Ausfallbürgschaft schon einmal Schiffbruch erlitten und 200.000 Euro in den Sand gesetzt. Dieses Risiko wollen wir nicht noch einmal eingehen“, sagte Uwe Matthes (CDU). Die Stadt hat als Bürger 230.000 Euro Schulden des TC Friedrichsgabe bei den Banken abgelöst. Die Politiker beantragten eine Sitzungspause und berieten sich. Der Kompromiss: Die Stadt übernimmt die Mehrkosten von 280.000 Euro, knüpft das aber an die Bedingung, dass die Finanzierung des Neubaus ohne städtische Ausfallbürgschaft erfolgt. Der Verein muss die 260.000 also über einen Kredit finanzieren. „Da werden wir wohl die Hallenmiete erhöhen müssen, das ist bedauerlich“, sagte Klotz.

Deutlich wurde in der Diskussion auch, dass viele Hallenplätze für die Tennisspieler während der letzten Jahre in Norderstedt verschwunden sind. Um die Jahrtausendwende gab es noch 26, nur zwölf sind übrig geblieben. Allein acht Plätze gingen mit der Umgestaltung und dem späteren Abriss des Sportparks Aspelohe verloren. Dem TSC Glashütte stehen als mitgliedstärkstem Verein (rund 400) ebenso wie dem HSV (rund 360 Mitglieder) jeweils drei überdachte Felder zur Verfügung. Zum TC Garstedt (350 Mitglieder) gehören zwei Plätze. Bleiben noch drei Plätze in Friedrichsgabe an der Lawaetzstraße. Der Tennisclub, der dort jahrelang ansässig war, hat sich vor einiger Zeit aufgelöst. Seitdem betreibt der TC am Falkenberg (250 Mitglieder) die Halle und überlässt dem Norderstedter Sportverein (200 Mitglieder) Zeiten zum Trainieren. Einen Platz gibt es noch am Scharpenmoor – ein Überbleibsel der abgeschafften Tennissparte des 1. SC Norderstedt.

40 Jahre alte Tennishalle in Garstedt muss saniert werden

Hinzu kommt: Ein weiterer Verlust an Hallenplätzen steht bereits fest. Drei Spielfelder werden mit dem geplanten Abriss der Halle in Friedrichsgabe dem Erdboden gleichgemacht. Bleiben neun Tennisplätze für mehr als 1500 Norderstedter, die in Vereinen organisiert sind. Hinzu kommen etliche Freizeitspieler. „Jeder weitere Platz der wegfällt, ist ein Sargnagel für den Tennissport in Norderstedt“, sagt Kai Hädicke-Schories. „Die Situation ist angespannt.“

Der Vorsitzende des TC Garstedt weiß, wovon er spricht. Die knapp 40 Jahre alte Tennishalle an der Ochsenzoller Straße zerfällt zunehmend. Von der Decke tropft es, auf dem Teppichboden haben sich bereits Flecken gebildet. Mehrere Eimer stehen an den Grundlinien, um das Regenwasser aufzufangen. Sie müssen regelmäßig geleert werden, so schnell füllen sie sich. Eine Plastikplane, die Vereinsmitglieder provisorisch an der Decke angebracht haben, hält das Wasser kaum auf. „Wir brauchen dringend Hilfe“, sagt Hädicke-Schories.

Eine Sanierung hatten die Garstedter ursprünglich für diesen Sommer geplant. Ein Investor, der das Asbestdach demontiert, neu gebaut und eine Photovoltaikanlage installiert hätte, war bereits gefunden. Doch der Deal platzte. „Der geforderte Eigenkapitalanteil wäre zu hoch gewesen“, sagt Hädicke-Schories. Stattdessen muss der Verein nun weitere Fördermittel beantragen. Der Kreis- und Landessportverband sowie die Stadt haben bereits Gelder für einen neuen Hallenboden bewilligt. Doch der TC Garstedt hat sie noch nicht abgerufen. Denn: Was bringt ein neuer Belag, wenn er nach kurzer Zeit wieder durchgeweicht ist?

Die Gesamtkosten für eine Sanierung schätzt Hädicke-Schories auf 300.000 Euro. Der schleswig-holsteinische Tennisverband hat den Club aufgefordert, bei schlechtem Wetter während der Winterpunktspiele vorsorglich Ausweichhallen anzumieten. Das Problem: Es gibt kaum noch welche in Norderstedt.