Norderstedt
Kreis Segeberg

Erntedank – Norderstedt feiert knatternde Trecker

Beim Erntedankumzug präsentieren Norderstedts Landwirte in der Rathausallee ihre geschmückten Trecker.

Beim Erntedankumzug präsentieren Norderstedts Landwirte in der Rathausallee ihre geschmückten Trecker.

Foto: Annabell Behrmann

Hunderte Menschen kamen am Sonntag zum Erntedankfest am Norderstedter Rathaus. Landwirte aus der Region freuen sich über ein gelungenes Jahr.

Norderstedt. Ein lautes Knattern kündigte die Traktoren bereits aus der Ferne an, ehe die ersten Fahrzeuge am Sonntag um 11.15 Uhr in die Rathausallee einbogen. Mehrere Hundert Norderstedter hatten sich zum Erntedankumzug rund um das Rathaus versammelt. Sie standen am Straßenrand, knipsten Fotos und feierten ihre Landwirte. Diese winkten fleißig in die Menge und präsentierten ihre zum Teil historischen Trecker-Oldtimer. Frauen und Männer trugen Trachten, Herbstblumen schmückten die Wagen. Vorneweg spielte das Feuerwehrorchester und verpasste dem Umzug eine festliche Atmosphäre.

Nachdem die Trecker auf dem Rathausmarkt geparkt hatten, berichtete Kathrin Rehders vom Ortsbauernverband von der diesjährigen Ernte. „Wir hatten dieses Jahr immer zur richtigen Zeit Regen, sodass das Getreide und Gras gut wachsen konnte. Nach langer Durststrecke konnten wir endlich wieder richtig ernten“, sagte sie. Rehders spielte auf die extremen Wetterverhältnisse der vergangenen zwei Jahre an: 2017 regnete es zu viel, 2018 war es zu trocken. Eine Katastrophe für die Landwirtschaft. Von einem spürbaren Klimawandel zu sprechen, fällt Rehders dennoch schwer. „Die Natur verändert sich kontinuierlich. Jedes Jahr bringt eine neue Herausforderung mit sich. Wir hatten bereits vor 50 Jahren schon nasse und trockene Sommer“, sagte sie.

Der Norderstedterin, die den Hof Rehders in Glashütte in der siebten Generation leitet, ist es wichtig, dass die Menschen nicht vergessen, woher ihre Lebensmittel kommen. „Früher ging man beim Landwirt auf dem Bauernhof einkaufen, holte Kartoffeln und Milch. Heutzutage geht man in den Supermarkt“, sagte die 28-Jährige. Dort sei alles abgepackt und fertig. „Die Leute verlieren das Verständnis, wie das Produkt entsteht.“ Als Bauernhofpädagogin versucht sie deshalb, die Landwirtschaft für Kinder wieder erlebbar zu machen. „Sie sollen wissen, dass Karotten und Erbsen nicht im Glas wachsen“, sagte Rehders.

Auch Stadtpräsidentin Kathrin Oehme mahnte, die gefüllten Supermarktregale und Lebensmittel im Überfluss nicht als selbstverständlich anzusehen. „Wir als Verbraucherinnen und Verbraucher genießen tagtäglich die Vielfalt der bäuerlichen Leistungen – oft ohne uns dessen bewusst zu sein. Wissen die Kinder eigentlich, dass Pommes nicht auf den Feldern wachsen, sondern aus Kartoffeln hergestellt werden?“, sagte sie.

Oehme mahnt zum nachhaltigen Umgang

Die Stadtpräsidentin rief die Norderstedter dazu auf, nachhaltig mit Lebensmitteln umzugehen. „Lebensmittelskandale machen uns wieder bewusst, dass eine gute Ernte eng verbunden ist mit verantwortlichem, ökologischem Handeln“, sagte sie. Leider seien gesunde, unbedenkliche Lebensmittel zu Luxusgütern geworden. „Der Erntedank gibt uns Gelegenheit, uns darauf zu besinnen.“ Auch die Stadt müsse sich auf den Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung machen, betonte Oehme. „Wir müssen unseren Kindern eine Welt hinterlassen, in der es sich lohnt zu leben.“

Nach aufrüttelnden Worten, die die Menschen an ihre Dankbarkeit erinnerten, wurde die Erntekrone in der Rathauspassage aufgezogen. Die Norderstedter tummelten sich anschließend auf dem Rathausplatz, aßen gemeinsam Erbsensuppe und kamen mit den Bauern ins Gespräch. Landwirtschaft zum Anfassen.