Norderstedt
Kreis Segeberg

Rauchverbot auf Norderstedter Spielplätzen

Backe, backe, Kuchen – mit Kippen: Im Spielsand des Spielplatzes im Moorbekpark muss man nicht lange graben, um auf Zigarettenstummel zu stoßen.

Backe, backe, Kuchen – mit Kippen: Im Spielsand des Spielplatzes im Moorbekpark muss man nicht lange graben, um auf Zigarettenstummel zu stoßen.

Foto: Andreas Burgmayer

Wer künftig vor den Kindern im Sandkasten raucht und seine giftigen Zigarettenfilter dort auch noch entsorgt, der muss mit einem Bußgeld rechnen.

Norderstedt.  Lange graben muss man nicht im Spielsand des Spielplatzes im Moorbekpark, ehe man auf Zigarettenstummel stößt. Die giftigen Überreste der Nikotinsucht liegen gleich obenauf. In kaum zehn Minuten sind zwanzig der stinkenden Dinger gefunden. Sie sind nicht irgendein Müll. Sie sind toxischer Sondermüll. Die Filter bestehen zum größten Teil aus Celluloseacetat-Fasern, die sich in der Natur nur sehr langsam abbauen. In den Fasern stecken Arsen, Blei, Cadmium, aromatische Kohlenwasserstoffe, Pestizidrückstände, Nikotin und Teer. Wenn ein Kleinkind an so einem Stummel nuckelt, sind Übelkeit, Erbrechen und Durchfall die Vergiftungserscheinungen.

Die Norderstedter Politik will nun versuchen, die Zigaretten mit einem generellen Rauchverbot auf allen Spielplätzen zu verbannen. Mit einer klaren Mehrheit beschloss der Hauptausschuss, dass die Stadt eine Satzung mit Bußgeldkatalog ausarbeitet, dass sie Verbotsschilder auf Spielplätzen aufstellt und obendrein prüft, wie viel Personal sie zusätzlich im kommunalen Ordnungsdienst benötigt, um das Verbot regelmäßig zu kontrollieren und zu ahnden.

In Schweden gibt es ein landesweites Verbot

Die Initiative zum Verbot kam von Marc Muckelberg, dem Fraktionschef von Bündnis90/Die Grünen. „Der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass man in der Anwesenheit von Kindern nicht rauchen sollte“, sagt Muckelberg. Es gehe um den Schutz vor dem Passivrauchen und darum, kein schlechtes Beispiel abzugeben. „Jedoch – wie man es hier auf dem Spielplatz rund um die Sitzbänke und im Sand sieht – sehen das viele Raucher anders. Mit Geboten und Appellen kommt man nicht weiter. Deswegen müssen ein Verbot und ein Bußgeld her.“ Muckelberg orientiert sich an Schweden. Dort ist das Rauchen seit diesem Sommer gesetzlich und landesweit auf allen Spielplätzen verboten. „Was Schweden kann, muss auch in Norderstedt möglich sein“, sagt Muckelberg.

In Deutschland gibt es keine einheitlichen Rauchverbote auf Spielplätzen. Laut dem Krebsforschungszentrum Heidelberg bestehen landesweite Verbote nur in Brandenburg, Bremen, NRW und dem Saarland, dazu kommt ein Flickenteppich von Kommunen, die das Verbot selbstständig eingeführt haben.

Muckelberg geht es bei seiner Initiative auch um die Vermeidung von Kippenmüll. Laut WHO werfen Milliarden Raucher rund um den Globus jährlich etwa 5,6 Billionen Zigaretten in die Natur und sorgen so für eine 750.000 Tonnen schwere Sondermülldeponie. Die Gifte aus den Filtern gelangen so in die Ökosysteme. Forscher der Universität San Diego beobachteten: Schon eine Kippe, aufgelöst in einem Liter Wasser, tötet nach vier Tagen kleine Lebewesen wie Fische. Je mehr Kippen in der Natur landen, desto mehr Nikotin wird ausgewaschen und in Stadtgewässer, Seen oder Flüsse weitergeleitet und gelangen so am Ende in die Nahrungskette.

Die Stadt kontrolliert und reinigt regelmäßig

In Norderstedt halte sich die Kippen-Kontamination auf Spielplätzen in Grenzen, sagt Ute Borgmann, die sich beim Betriebsamt der Stadt Norderstedt mit dem Unterhalt der 180 Spielplätze in der Stadt beschäftigt. „Der Spielsand wird einmal im Jahr komplett gesäubert, mit Rüttelsieben, jährlich bei etwa zwölf oder 15 Spielplätzen. Was da am Ende insgesamt an ausgesiebtem Müll übrig bleibt, passt in vier, fünf Schubkarren. Kippen sind dabei aber nicht der Hauptbestandteil – das sind eher Scherben und anderes.“ Was nicht bedeute, dass punktuell nicht auffällig viele Kippen herumliegen. „Das hängt vom Stadtteil ab“, sagt Borgmann. Und offenbar auch der Sozialstruktur. „Im Bereich von Gemeinschaftsunterkünften ist es besonders schlimm.“ Da würden auf den Spielplätze eher junge Männer als kleine Kinder sitzen. Auch der Vandalismus ist dort ein großes Problem, sagt Borgmann. Generell sei Norderstedt beim Spielplatzunterhalt gut aufgestellt. „Wir haben drei Kontrolleure, die wöchentlich auf allen Spielplätzen Müll entsorgen und Vandalismusschäden beseitigen. Da leisten wir als Kommune mehr als nach DIN-Norm gefordert.“ Das generelle Verbot begrüßt Borgmann. „Es gibt immer wieder die Probleme mit feiernden und grillenden Gruppen auf den Spielplätzen, die ihre Kippen und den Müll liegen lassen. Und es gibt auch tatsächlich viele rauchende Mütter und Väter. Ignoriert wird übrigens, dass wir Mülleimer mit Aschenbechern neben den Sitzbänken aufgestellt haben – die Kippen landen trotzdem auf dem Boden.“

Der absolute Nichtraucher Marc Muckelberg hofft, dass das Verbot zum Umdenken bei den Rauchern führt. „Ich selbst spreche auch Raucher, die ihre Kippe an der Bushaltestelle oder sonst wo wegschmeißen an, und fordere sie auf, Mülleimer zu nutzen. Die Beschimpfungen, die dann kommen, halte ich aus.“ Als Grüner musste er sich im Ausschuss auch den Vorwurf der „grünen Verbotspartei“ gefallen lassen. Gabriele Heyer von der FDP etwa stimmte gegen das Verbot. „Wir haben genug Verbote. Wo bleibt unsere Freiheit? Die Menschen müssen selber sehen, wie sie das mit dem Rauchen auf dem Spielplatz halten.“ Kippen im Spielsand seien sicher ein Problem und gehörten fachgerecht entsorgt. „Da muss man eben ordentliche Aschenbecher aufstellen“, sagt Heyer. Ansonsten würde sie es lieber beim Appell an die Raucher belassen.