Norderstedt
Norderstedt

Dichterer Takt! Stadtticket! Bus zum Flughafen!

Der Busbahnhof Glashütte an der Tangstedter Landstraße: Die Norderstedter wünschen sich auf allen Buslinien eine dichtere Taktung – doch das kostet viel Geld.

Der Busbahnhof Glashütte an der Tangstedter Landstraße: Die Norderstedter wünschen sich auf allen Buslinien eine dichtere Taktung – doch das kostet viel Geld.

Foto: Andreas burgmayer / HA

Was sich die Norderstedter vom ÖPNV in der Stadt wünschen – und was das den Steuerzahler kosten würde

Norderstedt.  Busse und Bahnen sollen viel häufiger fahren. Sie sollten ganz neue Strecken erschließen. Außerdem müssen die Tickets im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) günstiger werden. Das alles wünschen sich die Norderstedter in ihren Vorschlägen für den Bürgerhaushalt 2020/2021. Viele würden ihr Auto nur stehen lassen, wenn der ÖPNV attraktiver wird. Für den Klimaschutz ist der Ausbau des Bus- und Bahnverkehrs also ein wichtiger Baustein. Doch so nachvollziehbar die Forderungen der Bürger klingen, so schwer lassen sie sich realisieren. Die Verkehrsexperten im Rathaus haben das in ihren Antworten an die Bürger durchgerechnet: Schon kleinste Verbesserungen im Bus- oder Bahnverkehr kosten schnell sechsstellige Beträge.

Gleichwohl: Der Bürger will mehr. Wir haben die Forderungen und die Antworten der Verwaltung zusammengestellt.

Das fordert der Bürger: „U-Bahn immer durchgehend bis Norderstedt-Mitte fahren lassen!“

Die U1 sollte nicht schon in Ochsenzoll enden, und schon gar nicht, wenn die Menschen Feierabend haben und nach Hause wollen, fordert ein Norderstedter. Diese Einschränkung sei ein „Ding der Unmöglichkeit“. Er schlägt vor, die Mehrkosten aus den künftigen Parkplatzgebühren zu finanzieren. Damit würden die Einnahmen sinnvoll, der Umstieg vom Auto auf den ÖPNV würde gefördert.

Das sagt die Verwaltung: Nur um den 5/10-Minuten-Takt auf der U-Bahnlinie U1 auch bei wenig Fahrgästen aufrecht zu erhalten, bezahle die Stadt 160.000 Euro pro Jahr – wobei die Einnahmen schon berücksichtigt seien. „Die U1 fährt fast immer bis Norderstedt-Mitte, in den Hauptverkehrszeiten sogar im 5-Minuten-Takt. Wochentags besteht der 5-Minuten-Takt bis 20 Uhr.

Allerdings ist es richtig, dass zwischen 19 und 20 Uhr nur noch jeder zweite Zug von Ochsenzoll bis Norderstedt-Mitte durchfährt.“ Würde der 5-Minuten-Takt auch von 19 bis 20 Uhr gelten, entstünden zusätzliche Kosten von etwa 125.000 Euro im Jahr, und das für sechs Fahrten am Tag. „Diese Ausgaben stünden in keinem Verhältnis zum Nutzen.“

Schon als der abendliche 20-Minuten-Takt der Strecke auf einen für die Fahrgäste komfortablen 10-Minuten-Takt erhöht wurde, sei die Zahl der Fahrgäste leider kaum gestiegen.

Insofern zahle die Stadt Norderstedt heute schon 160.000 Euro im Jahr für Leistungen, die überwiegend eine Steigerung des Komforts für einen bestehenden Kundenstamm darstelle, so die Verwaltung.
Das fordert der Bürger: „Busanbindung zum Stadtpark verbessern! Generell dichtere Takte einführen!“
Der Stadtpark sei aus dem Bereich Kielort schlecht zu erreichen, beklagt eine Bürgerin. An den Wochenenden sei die Taktung der Busse mit 40 Minuten zu selten, insbesondere weil man auch noch umsteigen müsse.

Das sagt die Verwaltung: Grundsätzlich entscheidet die Kreisverwaltung in Bad Segeberg über die Bustakte. Doch sowohl die Stadt als auch der Kreis finden nicht, dass die Busse in Norderstedt dringend häufiger fahren müssen. „In Neumünster zum Beispiel fahren die Busse in der Regel nur alle 40 bis 60 Minuten, auch zu den Hauptverkehrszeiten.“ Der Bus- und Bahn-ÖPNV in der Stadt Norderstedt weise einen Erschließungsgrad von etwa 90 Prozent auf. Der Kreis bezahle für das Busangebot in Norderstedt 4,5 Millionen Euro im Jahr, allein 750.000 Euro entfielen auf Zusatzleistungen. Die Einnahmen durch Fahrpreise deckten die Kosten für den ÖPNV im Kreis nur zur Hälfte.

Die Politik hat auf Antrag der Grünen der Verwaltung nun aber aufgetragen, die Taktverdichtung zum Stadtpark zu prüfen. Berechnet wird nun, was es kostet, die Linien 293 und 493 Sonnabend und Sonntag im 20- statt im 40-Minuten-Takt fahren zu lassen, außerdem die Linie 278 im 30-Minuten-Takt (statt 40) und die Linie 494 am Sonntag im 40-, 30-, oder 20-Minuten-Takt (statt 60).

Das fordert der Bürger: „Bessere ÖPNV-Anbindung zwischen Norderstedt-Mitte und dem Flughafen!“

Bislang sei die Strecke immer mit Umsteigen verbunden, bemängelt eine Bürgerin. Mit dem Auto fahre man in 15 Minuten zum Flughafen, mit Bahn und Bus dauere es etwa 30 bis 40 Minuten. Einen Direktbus würde sich die Norderstedterin auch zum Nordport und zum Möbelhaus Ikea wünschen.

Das sagt die Verwaltung: Jede neue Bus-Direktverbindung muss mit erheblichen weiteren Zusatzkosten refinanziert werden. Ungeachtet dessen wurde eine Bus-Direktverbindung zwischen Norderstedt (U1/AKN) und dem Flughafen Hamburg (S1) bereits geprüft und vom HVV als nicht realisierbar und unwirtschaftlich abgelehnt. 35 Fahrgäste aus Norderstedt haben täglich ihr Ziel am Flughafen Hamburg, der sich mit relativ direkten Bus- und Bahnverbindungen erreichen lasse. Für vereinzelte Fahrten, beispielsweise in den Urlaub, lohnt es sich nicht, eine neue Busverbindung einzuführen. Norderstedt wie auch Hamburg müssten das finanzielle Defizit mit jeweils etwa 200.000 Euro im Jahr ausgleichen. Kosten und Nutzen stünden in keinem angemessenen Verhältnis. Daher sei das bereits von den Politikern beider Städte abgelehnt worden.

Das fordert der Bürger: „ÖPNV-Ticket für Norderstedt einführen!“

Ein Ticket nur für den Stadtbereich Norderstedt, am besten mit Vergünstigungen für diverse Norderstedter Fahrgäste – eine Idee, die von Bürgern und auch der Politik immer wieder mal diskutiert wird.

Das sagt die Verwaltung: Die Stadt Norderstedt kann rechtlich kein eigenes Stadtticket einführen. Zuständig für den ÖPNV ist der Kreis, der zusammen mit dem Hamburger Verkehrsverbund schon mehrfach diesem Wunsch Stellung bezogen und die Einführung von ÖPNV-Stadttickets abgelehnt hat. Ein individueller Stadttarif würde dem Tarifsystem in Hamburg und dem Kreisgebiet zuwiderlaufen und ein Preissystem zerstören, das sich für kurze und mittlere Strecken seit Jahrzehnten bewährt hat.

Am Ende steht das Fazit der Verwaltung: Schon jetzt gibt es ein überdurchschnittlich und komfortables ÖPNV-Angebot in Norderstedt. Der Kreis Segeberg, zuständig für die Planung, geht in Norderstedt sogar weit über den Standard hinaus und lässt sich das 750.000 Euro im Jahr kosten.

Das Fazit der Bürger könnte lauten: Was die öffentliche Hand als komfortablen ÖPNV bezeichnet hat nichts damit zu tun, was Fahrgäste in den Bussen und Bahnen täglich erleben.