Norderstedt
Schleswig-Holstein

Norderstedter Retter bekommen eine neue Wache

Sie freuen sich auf den Umzug in die neue Wache (von links): Svenja Dieckmann, Christian Mandel, Dennis David von der RKiSH.

Sie freuen sich auf den Umzug in die neue Wache (von links): Svenja Dieckmann, Christian Mandel, Dennis David von der RKiSH.

Foto: Wolfgang Klietz

Altes Domizil an der Ohechaussee ist in die Jahre gekommen. Nun zieht die Rettungsdienstkooperation an den Schützenwall.

Norderstedt.  Die Höhe der Investition behält Philipp Persiehl für sich, doch es dürfte sich um ein Millionenprojekt handeln. Gemeinsam mit seinem Bruder Moritz wird der Chef der Druckerei H.O. Persiehl am Schützenwall eine neue Rettungswache bauen, von der aus ganz Norderstedt versorgt wird. Die Rettungsdienstkooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH) wird ihre alte Wache an der Ohechaussee und die Zweigstelle an der Heidbergstraße verlassen und in den Neubau am Schützenwall zur Miete einziehen.

Der Umzug der 40 Mitarbeiter mit ihren Rettungsfahrzeugen ist für Dezember 2020 geplant. Das Gebäude bietet Platz für sieben Autos und eine Garage für die Fahrzeugdesinfektion. Pro Jahr wird die RKiSH in Norderstedt rund 13.000-mal gerufen. Rund 75 Prozent aller Fahrten sind Notfalleinsätze.

Die geplante Wache ist das dritte große Neubauprojekt einer Blaulichtorganisation in Norderstedt. In Garstedt soll die freiwillige Feuerwehr ein neues Gebäude erhalten. Am Herold-Center wird ein Polizeizentrum das alte Gebäude für die Schutz- und Kriminalpolizei ersetzen.

Seitdem die RKiSH Anfang des Jahres Gebäude und Fahrzeughalle an der Ohechaussee von der Hilfsorganisation KBA übernommen hat, suchen Wachenleiter Dennis David und seine Vertreterin Svenja Dieckmann nach einer Alternative. Das Haus ist in die Jahre gekommen und hat viele Schwächen. Die Lage im Süden der Stadt hat dazu geführt, dass die Fahrzeuge bei ständig wachsendem Verkehr nicht mehr die Hilfsfrist von zwölf Minuten für jeden Winkel der Stadt einhalten konnten. Deswegen wurde die Filiale an der Heidbergstraße gegründet. David und Dieckmann sind davon überzeugt, dass sie vom neuen Standort aus selbst das Gewerbegebiet Nordport und den Flughafenzubringer fristgerecht anfahren können.

Gegen das alte KBA-Gebäude sprächen außerdem die weiten Wege innerhalb des Hauses bis zu den Fahrzeugen, die Unfallgefahren durch Treppen und die zu kleine Fahrzeughalle, in die ein moderner Rettungswagen ohne Umbauten auf dem Dach nicht mehr hineinpasst. „Wir leben in einem Provisorium, das ist für die Motivation der Kollegen nicht förderlich“, sagt David.

Er hält es für sinnvoll, dass alle Kollegen an einem Standort untergebracht sind. Außerdem schätzt David die Nähe der neuen, komplett ebenerdigen Wache zur Rettungsleitstelle und zur Feuerwehr im Feuerwehrtechnischen Zentrum an der Stormarnstraße.

„Das fördert die Zusammenarbeit“, sagt David, der durch seine frühere Tätigkeit bei der Feuerwehr den Brandschutzbeauftragten von H.O. Persiehl kennt und über ihn auf der Suche nach einem Grundstück Kontakt zu Philipp Persiehl aufnehmen konnte. „Ich bin dort auf offene Ohren gestoßen“, sagt Wachenleiter David.

Die Druckerei H.O. Persiehl hat vor einem Jahr gegenüber vom Firmensitz die Gebäude eines ehemaligen Pistazienhandels gekauft und nutzt die Lager für Kartons, benötigt aber nicht das gesamte Gelände. Für den Neubau wollen die Brüder Persiehl einen Teil des Lagers und ein leerstehendes Bürogebäude abreißen.

In dem Pistazienhandel befand sich bis vor einigen Jahren die Firma Dralle und stellte Shampoo her. H.O. Persiehl besteht bereits seit 170 Jahren und wird in sechster Generation als Familienbetrieb geführt. Die Firma bedruckt Kartons für Süßigkeitenverpackungen, Zigarettenschachteln und andere Produkte. Seit 60 Jahren befindet sich das Unternehmen am Schützenwall und beschäftigt dort 220 Mitarbeiter. Insgesamt sind es 550.

RKiSH-Sprecher Christian Mandel sagt, der Neubau werde der dritte des Unternehmens sein, der den neuen DIN-Vorschriften entspricht. Außerdem plane das Unternehmen ein umweltfreundliches Konzept mit Solaranlage auf dem Dach. Die Wache Uetersen erfülle bereits die DIN-Standards, auch die im Bau befindliche Zweigstelle in Bad Bramstedt wird entsprechend errichtet. Eine weitere neue Wache will die RKiSH in Kaltenkirchen bauen.