Norderstedt
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Wohnungsbau – Streit über Sozialquote geht weiter

FDP-Politiker Sven Wojtkowiak steht in der Kritik.

FDP-Politiker Sven Wojtkowiak steht in der Kritik.

Foto: HA

Lobbyarbeit? CDU fordert Rücktritt von FDP-Mann Sven Wojtkowiak. WiN und Freie Wähler sprechen von „unnötigem Schnellschuss“.

Norderstedt.  „Lobbyarbeit für Haus & Grund“, „unüberlegter Schnellschuss“ und „Ghetto-Bildung“ – die Sozialquote von 50 Prozent beim Wohnungsbau, die CDU, SPD, Grüne und Die Linke in der Stadtvertretung durchsetzen wollen, provoziert weiterhin erheblichen politischen Streit. Die CDU wirft dem stellvertretenden Fraktionschef der FDP, Sven Wojtkowiak, vor, Lobbyarbeit für den Haus- und Grundeigentümerverband zu betreiben, dessen Vorsitzender er in Norderstedt ist. Er hatte die Absicht der Befürworter der 50-Prozent-Quote an die Immobilienverbände weitergegeben und den Antrag als „Farce“ gegeißelt. CDU, SPD, Grüne und Die Linke hatten das als „Vertrauensbruch“ kritisiert. „Wir sind erschüttert über die Äußerungen und das Auftreten von Wojtkowiak und empfehlen ihm, sein Mandat als Stadtvertreter niederzulegen“, sagt CDU-Fraktionschef Peter Holle.

„Was für ein unüberlegter Schnellschuss ohne Not.“ So kritisiert der Fraktionschef von Wir in Norderstedt (WiN), Reimer Rathje, den Antrag für die Sozialbauquote von 50 Prozent. Damit torpedierten die Antragsteller das „Bündnis für Wohnen“, das nach holprigem Start nun endlich in Schwung komme, mit diesem Antrag jetzt aber überflüssig werde. Die WiN stehe weiter hinter ihrem Vorschlag, wonach sich die Wohnungswirtschaft verpflichtet, langfristig eine Miete bis maximal 30 Prozent über dem zweiten Förderweg zu realisieren und gleichzeitig die aktuell vorhandenen Sozialwohnungen nach Ablauf der Bindungsfrist nicht anders zu nutzen. „Langfristig müssen wir unsere Ziele im Wohnungsbereich mit marktwirtschaftlichen Mitteln und im Konsens mit allen Beteiligten erreichen“, sagt Rathje.

„Bei einer Förderquote von 50 Prozent werden natürlich sofort die Mieten für die verbleibenden, frei finanzierten Wohnungen steigen“, sagt Thomas Thedens von den Freien Wählern. Der Stadtvertreter befürchtet einen „Sylt-Effekt“, wenn der Antrag durchkommt. Dann könnten sich viele das Wohnen in Norderstedt gar nicht mehr leisten.

Die bereits geplanten gut 4500 Wohneinheiten könnten zudem noch nicht nach dieser höheren Förderquote gebaut werden. Frei finanzierte und Sozialwohnungen würden strikt getrennt, „Ghetto-Bildung“ und einer Spaltung der Gesellschaft würde Vorschub geleistet. Da in Norderstedt Flächen fehlten, „können wir den Mangel an bezahlbaren Wohnungen nur zusammen mit dem Umland lösen“, sagt Thedens.