Norderstedt
Bad Bramstedt

Vier Jahre bleibt es gefährlich eng in der Feuerwache

Gemeindewehrführer Kai Harms freut sich, dass die freiwillige Feuerwehr eine neue Wache bekommt.

Gemeindewehrführer Kai Harms freut sich, dass die freiwillige Feuerwehr eine neue Wache bekommt.

Foto: Wolfgang Klietz

Die Wache der Bramstedter Feuerwehr entspricht nicht mehr den Vorschriften. Der Neubau an der Hamburger Straße soll 2023 eingeweiht werden.

Bad Bramstedt.  Die Freude war groß, als Bramstedts Bürgermeisterin Verena Jeske die gute Nachricht verkündete: Die Freiwillige Feuerwehr darf sich auf einen Neubau freuen, die Stadt hat dafür ein Grundstück an der Hamburger Straße gekauft. Doch bis die ehrenamtlichen Helfer mit ihren Fahrzeugen und Geräten dorthin umziehen können, werden noch Jahre vergehen. Und so lange müssen sich die Feuerwehrleute mit Zuständen in ihrer alten Wache an der Glückstädter Straße abfinden, die längst nicht mehr den gesetzlichen Vorschriften entsprechen und von vielen Kameraden seit Jahren als Zumutung empfunden werden.

„Der Unmut ist groß und hat auch Einfluss auf die Einsätze“, sagt Gemeindewehrführer Kai Harms. Viele aktive Mitglieder seien von der Stadt enttäuscht, die die Zustände jahrelang geduldet habe. Bei kleineren Einsätzen könne er feststellen, dass manche seiner Kameraden aus Frust nicht zur Wache fahren. „Es steigt auch der Druck in meine Richtung“, sagt Harms. Er muss nicht nur die Feuerwehr zusammenhalten und ihre Einsatzfähigkeit sicherstellen, sondern auch immer wieder Gespräche mit der Feuerwehrunfallkasse führen, die als Versicherer viele Missstände aufgelistet hat.

Größtes Problem ist der Mangel an Platz. Damit es bei einem Alarm nicht zu Drängeleien und Unfällen kommt, musste Harms langsames Gehen anordnen. Außerdem hat die Wehr festgelegt, welche Wege im Gebäude ein Feuerwehrmann gehen darf.

Doch die Probleme beginnen bereist, wenn die Feuerwehrleute bei einem Alarm mit ihrem Auto zur Wache fahren: Sie müssen einen Parkplatz suchen. 30 Stellplätze stehen auf dem Gelände zur Verfügung, bei einem Vollalarm werden jedoch bis zu 60 gebraucht. „Manche kommen deshalb mit dem Fahrrad“, sagt Kai Harms.

Drinnen tauchen die nächsten Probleme auf: Die Fahrzeuge stehen so eng beieinander, dass in der Hektik die Türen beim Öffnen gegeneinander stoßen oder schlimmstenfalls einen Feuerwehrmann am Kopf treffen. Manchmal muss die Wehr rangieren, weil manche Autos hintereinander geparkt werden. Für elf Fahrzeuge stehen nur neun Stellplätze zur Verfügung.

In den engen Gängen hat sich schon mancher Feuerwehrmann blaue Flecken am Schienbein geholt, wenn die schweren Rollcontainer mit Einsatzmaterial zu den Autos geschoben werden.

Dass die Feuerwehrleute sich in der Fahrzeughalle umziehen müssen, sei schlicht unzulässig, sagt der Gemeindewehrführer. Rechtlich vorgeschrieben ist die strikte, sogenannte Schwarz-Weiß-Trennung. Private Kleidung und möglicherweise mit Giften kontaminierte Fahrzeuge und Einsatzkleidung gehören nicht in einen Raum. Duschen fehlen in der Wache ebenso wie Toiletten. „Das ist ein Problem“, sagt Harms.

Auch wenn es weniger hektisch als bei einem Alarm zugeht, mangelt es überall an Platz: Die Küche ist vielleicht für ein Einfamilienhaus geeignet, aber nicht für eine Feuerwehr mit 150 aktiven und passiven Mitgliedern. Bei einer Jahreshauptversammlung kommt deshalb ein Caterer. Weil in den Versammlungsraum nur 70 Stühle passen, müssen viele Feuerwehrleute stehen oder sich auf den Boden setzen.

Dass endlich nach vielen Jahren ein Neubau in Sicht ist, bezeichnet Harms als großen Schritt nach vorn. Bereits nach den Herbstferien sollen die Planungen beginnen.

Als er 2013 zum Gemeindeführer gewählt wurde, sahen die Pläne der Stadt noch vor, den alten Standort zu erweitern. Doch schnell stand fest, dass dafür die Grundstücke fehlten. „Das wäre Flickwerk und Geldverschwendung gewesen“, sagt Harms.

Dann begann die Suche nach dem Grundstück für einen Neubau, das groß genug ist und zentral liegt. Nur so kann die Feuerwehr alle Straßen der Stadt in den gesetzlich vorgeschriebenen Zeiten erreichen. Außerdem gewährleistet die Lage in der Innenstadt hohe Zuschüsse durch das Land. Für eine Wache auf der grünen Wiese stünden hingegen keine Mittel aus der Städtebauförderung zur Verfügung, sodass Bad Bramstedt allein auf den Kosten sitzen bleiben würde, die zwischen neun und zwölf Millionen Euro liegen werden.

Harms hofft, die neue Wache im Jahr 2023 einweihen zu können. Bis dahin müssen die Feuerwehrleute mit den Zumutungen leben.