Norderstedt
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Wohnungswirtschaft kritisiert Sozialwohnungsbau-Quote

Andreas Breitner, Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen spricht von blankem Populismus.

Andreas Breitner, Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen spricht von blankem Populismus.

Foto: Pressebild.de/Bertold Fabricius / Bertold Fabricius

CDU, SPD, Grüne und Linke wollen 50 Prozent geförderten Wohnraum bei Bauvorhaben in Norderstedt – Unternehmensverbände finden das populistisch.

Norderstedt.  Die Reaktion der Bauwirtschaft auf die von der Norderstedter Politik geplante 50-Prozent-Quote für den Sozialwohnungsbau fällt einhellig negativ aus. Für Andreas Breitner, den Direktor des Verbands Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), ist der Vorstoß von CDU, SPD, Grünen und der Linken in der Norderstedter Stadtvertretung blanker Populismus und kontraproduktiv, da er für einen Anstieg der Mieten insgesamt sorgen werde. Volker Heins, Plambeck-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied des Landesverbandes Nord des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW), prophezeit, dass Bauunternehmen künftig den Standort Norderstedt meiden werden.

Im Arbeitskreis Wohnen der Norderstedter Politik hatten sich CDU, SPD, Grüne und Linke darauf verständigt, dass sie am 22. Oktober mit ihrer Mehrheit einen Antrag beschließen wollen, der Bauherren bei künftigen Projekten verpflichtet, nicht mehr wie bisher 30 Prozent, sondern mindestens 50 Prozent sozialen Wohnungsbau anzubieten, je zur Hälfte auf dem ersten und zweiten Förderweg, also mit Quadratmeterpreisen von 6,10 Euro und 7,30 Euro. Projekte unter 30 Wohneinheiten sollen ausgenommen sein, ebenso können Bauherren die Quote über mehrere Projekte verteilt erbringen (wir berichteten).

„Gut gemeint, aber nicht deshalb schon gut“, sagt Andreas Breitner. Je höher der Anteil öffentlich geförderter Wohnungen bei einem Bauprojekt sei, desto teurer würden die frei finanzierten Wohnungen. „Eine Erhöhung von einem Drittel auf 50 Prozent öffentlich geförderter Wohnungen ist daher ein Turboprogramm für die Mieten im frei finanzierten Bereich. Am Ende führt das zu Nettokaltmieten von mehr als 14 Euro pro Quadratmeter im frei finanzierten Bereich.“ Diese Wohnungen könnten sich Haushalte mit normalem Einkommen und ohne Wohnberechtigungsschein überhaupt nicht mehr leisten. „Sie werden verdrängt“, sagt Breitner.

Er kritisiert, dass an anderer Stelle in Norderstedt die Chance auf mehr Sozialwohnungsbau verpasst wurde. „Vor Kurzem hat die Stadt ein sehr gut gelegenes Grundstück an einen Investor verkauft, der 30 Prozent öffentlich geförderte Wohnungen darauf errichten will. Die Adlershorst Baugenossenschaft und die Neue Lübecker Norddeutsche Baugenossenschaft, die 38 Prozent schaffen wollten, gingen hingegen leer aus.“ Investoren benötigten genug Beinfreiheit, um ihre Bauvorhaben zu realisieren, sagt Breitner.

Volker Heins glaubt, dass die 50-Prozent-Quote Bauherren abschrecken wird. „Selbst auf Landesebene werden nicht mehr als 30 Prozent öffentlich geförderter Wohnungsbau vorgeschlagen, um eine gute Durchmischung der Wohnquartiere herzustellen. Dieser Mix hat sich bewährt.“

Heins und Breitner kritisieren, dass die Politik mit ihrem Alleingang das von Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder angestrebte Bündnis für Wohnen konterkariere. „Wir haben alle dasselbe Ziel: mehr bezahlbaren Wohnraum für Norderstedt. Bisher hatten wir den Eindruck, dass wir mit Politik und Verwaltung ein gute Gesprächsebene haben“, sagt Volker Heins. „Dass jetzt ein potenzieller Bündnispartner aus den Gesprächen aussteigt und Fakten schafft, torpediert die bisherigen Anstrengungen. Das Vertrauen in die Politik wird erschüttert und viele unserer Mitgliedsunternehmen werden auf Standorte ausweichen, an denen sie verlässlichere Bedingungen vorfinden. Das kann politisch nicht gewollt sein.“