Norderstedt
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25-Jähriger schlägt Kumpel und fordert dessen Kornflasche

Richter des Schöffengerichts in Norderstedt musste über eine Tat unter Alkoholeinfluss urteilen.

Richter des Schöffengerichts in Norderstedt musste über eine Tat unter Alkoholeinfluss urteilen.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Der Mann konnte sich an seine Attacke nicht mehr erinnern. Er habe sich am nächsten Tag beim Opfer entschuldigt. Das Gerichtsurteil.

Norderstedt.  Mit 2,1 Promille Alkohol im Blut sind sicherlich die meisten Normalbürger jenseits von Gut und Böse. Ein langjähriger Trinker mit hochprozentiger Vergangenheit kann bei diesem Promillewert jedoch noch voll schuldfähig sein. Zu dieser überraschenden Wertung kam eine Sachverständige vor dem Schöffengericht Norderstedt. Wer jahrelang exzessiv Alkohol und Drogen konsumiere, verliere seine allgemeine Steuerungsfähigkeit deutlich später, erklärte die Gutachterin dem Gericht.

Die Expertin aus Lübeck hatte zu beurteilen, ob ein 25-Jähriger für eine Tat zur Verantwortung gezogen werden konnte oder nicht. Der Mann hatte im vorigen Oktober im Bürgerpark von Henstedt-Ulzburg von einem Kumpel barsch eine Flasche Korn eingefordert. Als der sich jedoch weigerte, soll er seinem Gegenüber einen Faustschlag ins Gesicht versetzt haben.

Angeklagter habe sich später bei Opfer entschuldigt

An seine Attacke konnte sich der Angeklagte nicht mehr erinnern. Er habe damals hin und wieder einen Filmriss gehabt, gestand der Glatzenträger mit dem Ziegenbärtchen kleinlaut. Er wisse nur noch, dass er sich an dem besagten Tag „ganz bewusst abgeschossen“ habe – mit Kokain, Cannabis und Alkohol. Nachdem sein Kopf später wieder halbwegs klar gewesen sei, habe er sich bei seinem Opfer entschuldigt.

Überhaupt sei er mittlerweile zur Erkenntnis gelangt, sein ganzes Leben ändern zu müssen, erklärte der Mann, der seinen dauerhaften Drogenkonsum mit Gelegenheitsjobs und „Dealereien“ finanzierte. Vor Kurzem habe er den ersten Arbeitsvertrag seines Lebens unterschrieben, sagte der 25-Jährige stolz. Er kiffe auch nicht mehr. Zudem habe er sich „aus freien Stücken“ bei einem Anti-Aggressions-Kursus angemeldet.

Trotz des sichtbar guten Willens hatte das Schöffengericht die räuberische Erpressung strafrechtlich zu ahnden. Es verurteilte den Mann zu einer siebenmonatigen Bewährungsstrafe. Außerdem ist eine Zahlung von 300 Euro an die lokale Sucht- und Drogenberatungsstelle fällig. Und die Prozesskosten inklusive des Honorars für die Gutachterin muss er auch bezahlen.