Norderstedt
Veranstaltung

Büchner hemmungslos in Norderstedt gerappt und gespielt

Das Jobact-Ensemble bot eine respektable Leistung.

Das Jobact-Ensemble bot eine respektable Leistung.

Foto: Frank Knittermeier

Junge Arbeitslose spielten „#LenzOhneFilter“ und begeisterten das Publikum in der Willy-Brandt-Schule. Das Abendblatt war vor Ort.

Norderstedt.  Heimat – was ist das? Für Mahmoud ist es Aleppo in Syrien. Für Amie ist es die innige Beziehung zu ihrem Freund, das Pferd einer früheren Reitbeteiligung und eine Tante. So unterschiedlich sind die Sichtweisen: Ort oder Gefühl, all das kann Heimat sein. Oder auch das: der verregnete Rathausplatz in Norderstedt-Mitte.

Die kleine Schauspieltruppe, das Jobact-Ensemble, das aus jungen Arbeitslosen besteht, hatte gemeinsam mit dem Profi-Schauspieler Christian Concilio ein Stück deutscher Literatur erarbeitet und in der Aula der Willy-Brandt-Schule am Lütjenmoor an zwei Abenden mit großem Erfolg auf die Bühne gebracht. Georg Büchners Erzählung „Lenz“ ist die Grundlage für das Stück „#LenzOhneFilter“, in dem die Akteure das Geschehen auf höchst unterschiedliche Weise vermitteln: Sie singen, tanzen, rappen, erzählen, schauspielern, bearbeiten das Schlagzeug, veranstalten Schattenspiele. Und das alles sehr professionell, schnodderig, selbstbewusst, respekt- und hemmungslos in schnell wechselnder Szenenfolge und selbstgebauten Kulissen. Dabei wurden zweifellos Potenziale gehoben und Begabungen entdeckt, von denen die Beteiligten selbst kaum etwas ahnten.

Vorgabe für dieses Jahr: Etwas von Büchner spielen

Die Projektfabrik Witten ist Ideengeber des Theaters für junge Arbeitslose, die auf diese ungewöhnliche Weise wieder Mut zum Leben und eine Struktur in ihren Alltag bekommen sollen. Unterstützt wird das Projekt vom Jobcenter Norderstedt.

Die Ensembles sind über ganz Deutschland verteilt und hatten eine Vorgabe: In diesem Jahr musste etwas von Georg Büchner gespielt werden. Die Erzählung „Lenz“ als Theaterstück umzuarbeiten, hatte Christian Concilio, der den teilnehmenden jungen Leuten damit eine sehr schwere Nuss zu knacken gab. Nach anfänglichem Widerstand gewann das Projekt an Dynamik, die schließlich in den beiden gut besuchten Vorstellungen mündete. Theater als Performance: Viel besser hätte die gestellte Aufgabe nicht gelöst werden können. Für die Akteure gab es viel Beifall.