Norderstedt
Sportfest

Norderstedter feiern fröhliches Inklusionsfest

Die Kleinsten machten bei den Wettläufen des Inklusionsfests im Norderstedter Stadtpark den Anfang. 150 Läufer gingen an den Start.

Die Kleinsten machten bei den Wettläufen des Inklusionsfests im Norderstedter Stadtpark den Anfang. 150 Läufer gingen an den Start.

Foto: Wolfgang Klietz

Zum fünften Mal trafen sich im Norderstedter Stadtpark Vereine, Verbände und Selbsthilfegruppen und präsentierte ihre Angebote.

Norderstedt.  Susanne Dohnert und Marina Moser haben Schmerzen. Fibromyalgie heißt die Krankheit, die sie nie loslässt, die Muskelfasern und manchmal auch Organe angreift. Doch die beiden Frauen können lachen, und sie bewegen sich. Sie gehören einer Norderstedter Selbsthilfegruppe für Menschen mit dieser Krankheit an und haben den Besuchern des Inklusionsfests im Stadtpark gezeigt, dass sie trotz ihrer Schmerzen fröhlich sein können und führen ihre Gymnastik mit Smoveys vor, einem Fitness- und Therapiering.

Hunderte Menschen haben am Sonntag das Fest besucht, die beiden Frauen beobachtet und sich vielleicht gefragt: Wie schaffen die das? „Das Wichtigste ist die Akzeptanz“, sagt Karin Zeelemann, Sprecherin der Selbsthilfegruppe. „Das muss man einfach lernen.“

Immer wieder erlebe sie es, dass die Erkrankten sich nur mit größter Mühe aufraffen können, die Treffen der Gruppe zu besuchen, doch wenn sie geschafft, seien sie sehr zufrieden. „Im Herzen sind wir fröhlich“, sagt Karin Zeelemann.

Tan Caglar sitzt seit seinem 20. Lebensjahr im Rollstuhl und sagt ebenfalls: „Man muss die Situation annehmen, auch wenn es einem schlecht geht.“ Der Hildesheimer arbeitet als Comedian, Model und spielt seit 2013 professionell Basketball. Er hat die Schirmherrschaft für das Fest im Stadtpark übernommen – zum zweiten Mal. Im vergangenen Jahr war er ebenfalls eingeladen und hatte sich danach x-fach dafür entschuldigt, dass er den Termin schlicht vergessen hatte. Caglar: „Das ist mir noch nie passiert.“ Trotzdem haben ihn die Veranstalter des Fests, das Netzwerk Inklusion und Innovation, wieder eingeladen. „Das finde ich echt klasse.“ Besonders großen Respekt habe er vor den vielen ehrenamtlichen Helfern, die das Fest vorbereitet haben.

Caglar leidet an einer Rückenmarkerkrankung. „Im Alter von 20 Jahren ging es abwärts“, sagt er. Seitdem kann er nicht mehr gehen und muss im Rollstuhl sitzen. Und wie schafft er es, nicht an der Krankheit zu verzweifeln? „Jeder Menschen in so einer Situation braucht einen Anker“, sagt er. „Ich habe den Humor gefunden.

Sportverein inkludiert die Nichtbehinderten

Netzwerk-Sprecherin Vivien Herzberg freute sich über die vielen Besucher und die 150 Läufer, die an den Start gingen. „So eine Veranstaltung ist einmalig“, sagt sie. „Das ist ein tolles Fest für alle.“ Stadtpräsidentin Kathrin Oehme hatte am Sonntagmorgen mit der Behindertenbeauftragten Valentina Müller das fünfte Inklusionsfest im Stadtpark eröffnet.

„Das ist eine coole Veranstaltung hier“, sagt Maike Rothermund, die seit mehr als 35 Jahren Sportler mit Handicap der Norderstedter Werkstätten betreut und dafür in diesem Jahr mit der Bürgermedaille der Stadt ausgezeichnet wurde. Sie arbeitet außerdem im Inklusiven Sportverein Norderstedt (ISN), der 150 Mitglieder zählt. Sie freut sich besonders, dass beim Fest der ISN, der SCN und der NSV gemeinsam ihre Stände aufgebaut haben und sich gegenseitig unterstützen.

Der ISN wurde vor 13 Jahren gegründet und steht jedem offen, der nicht nur Sport treiben will, sondern gemeinsam Spaß haben will und Geselligkeit schätzt. Von einem Behindertensportverein ist hier keine Rede mehr. „Wir haben die Nichtbehinderten inkludiert“, sagt Maike Rotermund. „Das ist das Besondere.“