Norderstedt
Bad Segeberg

22-Jähriger wurde aus lauter Langeweile zum Dealer

Ein Mann wird in Handschellen gelegt (Symbolbild).

Ein Mann wird in Handschellen gelegt (Symbolbild).

Foto: Frank May / picture alliance / Frank May

Der junge Mann war in 18 Fällen angeklagt. Gericht verurteilt ihn zu Terminen bei Jugendberatungsagentur und 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

Bad Segeberg.  Beim Urteilsspruch gab es für den jungen Verurteilten im Jugendgericht Bad Segeberg noch einen fast väterlichen Rat. „Sie müssen etwas tun – aber sofort“, forderte Richter Tobias Kleimann den 22-Jährigen vor ihm auf der Anklagebank auf. Der nickte zustimmend.

Zu Prozessbeginn hatte der junge Mann eingeräumt, bis Februar 2017 in einem Dorf im Kreis Segeberg mit Cannabis gehandelt zu haben. „Die in der Anklage erhobenen Vorwürfe sind so passiert“, gab er anstandslos zu. Immerhin 18 Fälle brachte die Staatsanwaltschaft zur Anklage und errechnete dabei einen Verkaufserlös von 1380 Euro.

„Ich bin da irgendwie rein gerutscht“, erklärte der junge Mann. Mit den Deals im Freundeskreis habe er damals seinen Eigenkonsum finanziert, „Ich bin aber jetzt aus dem Milieu raus“, so sein Geständnis. Er rauche sowieso schon längst nicht mehr.

Es war wohl Langeweile, die den antriebslosen Angeklagten zum dörflichen Drogenhandel trieb. Dies machte die Beweisaufnahme schnell deutlich. Der 22-Jährige, der zum Prozess mit einem Wahlverteidiger und in einem dunklen Anzug erschien, wohnt bis heute bei der wohlhabenden Mutter. Sein Tagesablauf spielte sich jahrelang zwischen Clique, Bolzplatz und Badesee ab. Mittlerweile habe er einen Bürojob auf 450-Euro-Basis. „Welche Ziele haben Sie eigentlich für die Zukunft?“, wollte der Jugendrichter wissen. Die Antwort des Angeklagten: „Einen Führerschein, einen festen Job und eine eigene Wohnung“.

Das Urteil des Jugendgerichts gleicht einem Auflagenpaket. So hat der verurteilte 22-Jährige jetzt zehn Termine bei der Jugendberatungsagentur wahrzunehmen. Zusätzlich muss er dem Gericht sechs Bewerbungen nachweisen. Dazu kommt die Verpflichtung, 150 Stunden gemeinnützige Arbeit zu absolvieren. Noch dazu muss er auf das Geld aus seinem alten Leben verzichten: Den Reinerlös seiner Drogengeschäfte von über 1380 Euro muss er zurückzahlen.