Norderstedt
Schröters Wochenschau

Das solidarische Modell beim Haareschneiden

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Foto: Wolfgang Klietz

Ein Bauernhof in Kattendorf praktiziert die solidarische Landwirtschaft. Ein Konzept, das auch in anderen Branchen funktionieren könnte, oder?

Kreis Segeberg.  In Kattendorf bieten die Betreiber eines ökologisch geführten Bauernhofes ein besonderes Geschäftsmodell. Ihre Kunden erwerben Ernteanteile zum monatlichen Festpreis von 218 Euro. Dafür erhalten sie das, was auf ca. 2500 Quadratmetern wächst. Die Menge soll ungefähr den Nahrungsbedarf eines Erwachsenen decken, schwankt aber naturgemäß je nach Saison – was auch für den Mix an Gemüse, Getreide und Fleischwaren gilt.

Das Prinzip „solidarische Landwirtschaft“ stammt aus den USA und funktioniert in Deutschland bereits auf einigen Höfen, nun also auch bei uns im Landkreis. Es ist schlicht, in allen Einzelheiten transparent und nachvollziehbar. Der Bauer kann mit festen Einnahmen kalkulieren, der Kunde mit Qualitätsware rechnen, die neben dem gebotenen Gesundheitsaspekt auch noch monatlich mit Überraschungseffekten kitzelt: Liegt endlich mal eine Leberwurst im Körbchen oder ist wochenlang Möhrenrohkost angesagt? Das ist spannender als die Ziehung der Lottozahlen.

Zweifellos wäre dieses Prinzip auch eine Bereicherung für andere Branchen. Zum Beispiel für Friseure: Man erwirbt im Salon seines Vertrauens eine Jahreskarte zum ermäßigten Preis und bekommt einmal im Monat die Frisur aufgebrezelt. Da einem nicht geringen Prozentsatz der Kunden angesichts ihrer Steuernachzahlungsaufforderung bereits im Frühling vor Schreck die Haare für den Rest des Jahres ausfallen, machen die Friseure dabei sogar einen sauberen Schnitt (was ihnen bei der Frisur nicht immer gelingt). Bei Klempnern, Malern und Handwerkern aller Professionen ließe sich das „solidarische Modell“ ebenfalls anwenden. Man zahlt einen monatlichen Festbetrag. Sollte nie der Wasserhahn tropfen – Pech gehabt. Tropft er doch, muss der Klempner reparieren, ohne weitere Rechnungen zu stellen. Bei den Summen, die von handelsüblichen Handwerkern bereits allein für die Anfahrt berechnet werden, kann man als Abonnent nur gewinnen.

Außerdem plädiere ich dafür, ab sofort meine „Wochenschau“ solidarisch anzubieten. Das funktioniert so: Sie entrichten eine klitzekleine Jahresgebühr, dafür liefere ich Ihnen jede Woche so viele Buchstaben, wie in diese Kolumne passen – je nach Saison andere. Daraus setzen Sie dann genau so viel „Wochenschau“ zusammen, wie ein Erwachsener zum Überleben des Wochenendes benötigt. Bestellen Sie jetzt.