Fußball

Cruyffs Vermächtnis gibt es jetzt auf Deutsch

Ex-Sportreporter und Schulleiter Egon Boesten ist ein großer Fan des „Fußball-total“-Erfinders Johan Cruyff. Er hat jetzt das schriftliche Vermächtnis des früheren Fußballstars ins Deutsche übersetzt.

Ex-Sportreporter und Schulleiter Egon Boesten ist ein großer Fan des „Fußball-total“-Erfinders Johan Cruyff. Er hat jetzt das schriftliche Vermächtnis des früheren Fußballstars ins Deutsche übersetzt.

Foto: Burkhard Fuchs

Kaltenkirchens Schulleiter Egon Boesten hat das Buch „mijn voetbal“ von „König Johan“ übersetzt.

Kaltenkirchen.  Bis heute gilt er als einer der besten Fußballer aller Zeiten: Johan Cruyff. Im Jahr 2016 ist der zu Europas Fußballer des 20. Jahrhunderts gekürte Ausnahmespieler und -Trainer im Alter von nur 68 Jahren gestorben. Mit seinem Buch „mijn voetbal“ hinterließ Cruyff, der als Miterfinder des „totalen Fußballs“ gilt, den seine Mannschaften Ajax Amsterdam, FC Barcelona und die niederländische Nationalmannschaft heute noch zelebrieren, sein Vermächtnis für die Fußballwelt.

Der langjährige Sportreporter Egon Boesten, selbst Holländer, der heute die Leibniz-Schule in Kaltenkirchen leitet, hat dieses Werk jetzt erstmals ins Deutsche übersetzt. Am Mittwoch, 28. August, stellt er das Handbuch „Johan Cruyff – der Prophet des Tores“ in seiner Schule vor.

Auf knapp 220 Seiten erklärt Cruyff seine Philosophie

Von Cruyffs Fußballvisionen könnten vor allem junge Spieler und Trainer heute noch viel lernen, ist Übersetzer Boesten überzeugt. Der Vize-Weltmeister von 1974, der als Spieler und Trainer 13 Meistertitel, zehn Pokalsiege und neun internationale Erfolge erreichte, sei fest davon überzeugt gewesen, dass man diesen furiosen Angriffsfußball lernen und trainieren könnte, mit dem Ajax und Barcelona so großen Erfolg hatten. Als in der abgelaufenen Saison das junge Ajax-Team nach fast 25 Jahren wieder die Champions League aufmischte, Real Madrid und Juventus Turin ausschaltete und erst im Halbfinale gegen Tottenham ausschied, hatte Boesten die Idee zu seinem Projekt.

Auf knapp 220 Seiten in 30 klar strukturierten Kapiteln erklärt hier der Meister des Fußballs in einfacher Sprache, wie sich junge Fußballer ständig verbessern und Trainer ihnen auch über die Pubertät hinaus den „Spaß am Fußball“ vermitteln könnten und sollten. „Fußball ist nicht nur ein einfaches Spiel, es ist auch eine Art Lebensführung“, schrieb Cruyff in seinem Vorwort, das er zu seinem 65. Geburtstag veröffentlicht hatte. Auf der Straße lernten die Kinder bereits im Doppelpass mit der Bordsteinkante zu passen und so zu fallen, dass sie sich nicht wehtun. Und sie trainierten schon früh Balltechniken, die dann im Verein immer wieder geübt und verfeinert werden müssten. „Um einen Ball einmal richtig zu treffen, muss man ihn 100-mal richtig getroffen haben“, rät Cruyff.

Auch Pep Guardiola wendet Spielstil erfolgreich an

Die erste Aufgabe eines jeden Trainers müsse sein, die Spielfreude vor allem bei den Jugendmannschaften zu propagieren, was den Angriffsfußball mit drei Stürmern und der 4-3-3-Taktik voraussetze, wie sie alle Teams von „König Johan“ gespielt haben.

Weitere Lektionen seien, dass gute Torwärter technisch mitspielen müssten, eine Lehre Cruyffs, die heute alle großen Teams praktizierten und bei der Deutschlands Keeper Manuel Neuer als einer der Musterschüler dieser Philosophie gilt.

Letztlich gehe es darum, erklärt Cruyff-Totalfan Boesten: „Offensiver und schöner Fußball kann erfolgreich sein.“ Der frühere Spieler unter Trainer Cruyff, Pep Guardiola, der diesen Spielstil erfolgreich in Barcelona, Bayern München und Manchester City als Trainer angewendet hat, sagte über sein großes Vorbild: „Cruyff hat die Kathedrale erbaut. Wir schmücken sie von innen aus.“