Norderstedt
Öko? Logisch!

Tausche Zweitwagen gegen Fahrrad

Olena, Lina Katharina und Peter Holle setzen aufs Rad, das zweite Auto haben sie abgeschafft.

Olena, Lina Katharina und Peter Holle setzen aufs Rad, das zweite Auto haben sie abgeschafft.

Foto: Michael Schick

Die Erderwärmung stoppen – für das Ehepaar Holle ist das ein Projekt der kleinen Schritte: Die Norderstedter haben ihren Zweitwagen abgeschafft.

Norderstedt.  Ich möchte noch eine Fahrradtour machen“, wünscht sich Lina Katharina, die vierjährige Tochter von Peter und Olena Holle. Die beiden holen ihre Räder und starten zum kurzen Nachmittagsausflug. Radfahren ist für die Eltern inzwischen Alltagsroutine. Vor vier Jahren haben sie ein Auto abgeschafft, eines steht noch in der Garage. „Angesichts der anhaltenden Diskussion um den Klimaschutz haben wir uns gesagt: Wir müssen bei uns selber anfangen“, sagt Holle, der sich auch als Fraktionschef und Stadtvertreter der Norderstedter CDU für umweltfreundliche Mobilität einsetzt. Die Erderwärmung stoppen – für das Ehepaar Holle ist das ein Projekt der kleinen Schritte. Und die könne jeder in seinem Umfeld gehen.

Auch wirtschaftliche Überlegungen spielen eine Rolle

Als die Holles darüber gesprochen haben, ob sie ein Fahrzeug entbehren und den Alltag trotzdem bewältigen können, kamen auch wirtschaftliche Überlegungen ins Spiel. „Wir haben festgestellt, dass das zweite Auto kein Fahr-, sondern ein Stehzeug ist und nur Kosten verursacht“, sagt Holle. Seine Frau nennt ein Argument, das gerade mit Blick auf die Zukunft nicht zu unterschätzen ist: „Ich möchte meiner Tochter nicht immer nur sagen, was richtig ist, ich möchte ihr das vorleben“, sagt Olena Holle, die unfreiwillig vorweggenommen hat, was der Schutz des Klimas und der Erhalt einer lebenswerten Welt jetzt fordern: den Verzicht auf individuelle Fahrten mit Motorkraft oder doch zumindest das Reduzieren solcher Fahrten.

„Ich bin in der Ukraine aufgewachsen, in einer großen Stadt, und da haben wir fast alle Wege zu Fuß zurückgelegt“, sagt die Norderstedterin, die als Physiotherapeutin und Osteopathin arbeitet – und jetzt entweder aufs Rad steigt oder mit Bus und Bahn unterwegs ist. Da kann sie „wunderbar lesen“, und es entfällt die Suche nach einem Parkplatz, die oft Zeit und Nerven kostet.

Die AKN-Haltestelle lieget direkt vor der Tür

Außerdem haben sich die Holles daran erinnert, warum sie in den Frederiks­park gezogen sind. Das Neubaugebiet an der Kuno-Liesenberg-Kehre in Fried­richsgabe hat die Infrastruktur vor der Tür: Zur AKN-Haltestelle an der Quickborner Straße sind es nur wenige Meter, dort gibt es auch alles zu kaufen, was für das tägliche Leben gebraucht wird. Tochter Lina Katharina hat nicht nur Spielgeräte im Garten, sondern sie kann auch auf dem großen Spielplatz an der Lawaetzstraße schaukeln und klettern. „Da müssen wir nicht in den Hansa-Park fahren“, sagt ihre Mutter, die natürlich nicht ganz auf ein Auto verzichten kann.

Wenn sie beispielsweise eine Freundin in Alveslohe besuchen will oder Hausbesuche bei ihren Patienten macht, braucht sie den Wagen. „Auf den Zweitwagen zu verzichten, bedeutet zugleich, dass mein Mann und ich uns absprechen müssen, wer wann das Auto nutzt“, sagt Olena Holle. Ihr Mann verdient sein Geld damit, Firmen zu sanieren und die Buchhaltung für mehrere Betriebe zu machen. „Ich habe das Glück, dass ich mir in unserem Wohnhaus ein Büro einrichten und viel von zu Hause arbeiten kann“, sagt Peter Holle.

Wenn ein Notfall eintritt, gibt es ja noch die Nachbarn

Natürlich ist auch er unterwegs zu den Kunden. Die aber mussten und müssen sich daran gewöhnen, dass ihr Geschäftspartner nicht mehr jederzeit und auf Abruf verfügbar ist. Die Umstellung von zwei Autos auf ein Fahrzeug klappt gut, lautet das Fazit der beiden. Und wenn doch mal ein Notfall eintreten sollte, gibt es ja, so Olena Holle, noch Taxis und nette Nachbarn, die dann die Fahrt übernehmen.

Holle wünscht sich, dass das Carsharing in Norderstedt ausgebaut wird, aber nach dem Hamburger Modell: „Dort müssen die Nutzer das Fahrzeug nicht an festen Standorten abstellen, sondern dort, wo ihr Ziel gerade ist.“ Dieses flexible Auto-Teilen-System ist zwar mit dem Anbieter Car2go inzwischen bis Norderstedt-Mitte vorgedrungen, gilt hier aber bisher nur für einen eng umrissenen Bereich. Stationäre Carsharing-Standorte gibt es in Norderstedt-Mitte am ZOB, in Garstedt am Birkenweg, am Harksheider Markt, in Glashütte am Heidehofweg sowie in Friedrichsgabe an der Bahnhofstraße und an der Ecke Waldstraße/Birkhahnkamp.