Norderstedt
Die Jahre 2000 bis 2004

Wie Golfstar Tiger Woods im Kreis für Wirbel sorgte

Tiger Woods kommt auf Gut Kaden an. Sofort ist der Golfstar aus den USA von vielen Besuchern und Reportern umdrängt.

Tiger Woods kommt auf Gut Kaden an. Sofort ist der Golfstar aus den USA von vielen Besuchern und Reportern umdrängt.

Foto: Maibom

2001 spielt der Golfstar auf Gut Kaden. Ein anderer Weltstar wäre auch gekommen, doch Fledermäuse verhindern den Auftritt von Jennifer Lopez.

Norderstedt.  Ein Weltstar schlägt ab: Tiger Woods beehrt den Kreis Segeberg, kommt nach Alveslohe und zieht alle Blicke auf sich. Er ist der Star der Deutsche Bank Open TPC of Europe, der Europameisterschaft der Golfer, auf der Golfanlage Gut Kaden. Aufregung herrscht nicht nur, wenn Tiger Woods abschlägt, sondern auch, wenn er sich hinter das Steuer des für ihn bereitgestellten Lamborghinis setzt: Er entpuppt sich als zügelloser Fahrer und bringt die Bodyguards von Pütz Security aus Kaltenkirchen gehörig zum Schwitzen. 2001 und 2002 gewinnt er das Turnier, 2003 und 2004 dann nicht mehr.

Im übrigen Kreis Segeberg geht es gemäßigter, aber zum Teil nicht weniger aufregend zu. In Norderstedt stehen die Stadtwerke im Blickpunkt – und das nicht nur wegen des immer beliebter werdenden Telekommunikationsdienstleisters wilhelm.tel, der sich zum Exportschlager mausert. Im November 2002 nehmen 40 Kriminalbeamte, sechs Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft und zehn Staatsanwälte an einer Großrazzia im Hause der Stadtwerke teil. Die Vorwürfe erscheinen ungeheuerlich: Anfangsverdacht wegen Bestechung, Bestechlichkeit, Betrug, Untreue sowie Beihilfe zu anderen Straftaten. Die Vorwürfe erweisen sich als haltlos: Zwei Jahre später wird das Verfahren eingestellt.

Als Aufreger entpuppt sich die Landratswahl im März 2002. Mit Amtsinhaber Georg Gorrissen sind eigentlich alle zufrieden, einen zweiten Bewerber gibt es nicht, trotzdem muss er erstmals öffentlich gewählt werden. Gorrissen findet das nicht gut, die Wahlberechtigten offenbar auch nicht: Nur 14 Prozent gehen zur Wahlurne. Davon wählen 68,3 Prozent den alten und nun neuen Landrat.

Aus der Norderstedter Kulturruine wird 2001 endlich die „TriBühne“, aber das Eröffnungsfest fällt wegen der Terror-Anschläge in den USA aus. Das war ein schlechter Start, dem ein halbes Jahr später eine weitere schlechte Nachricht folgt: Die Akustik in der „TriBühne“ ist so schlecht, dass 17,4 Prozent der regelmäßigen Besucher ihr Abo kündigen. Dazu werden ihnen noch miserable Theaterstücke vorgesetzt. In manchen Vorstellungen verlassen die Zuschauer schon während der Aufführung empört den Saal. Auch Schauspieler beschweren sich über die nicht akzeptablen Arbeitsbedingungen, weil ihre Texte vom Saal „verschluckt“ werden. Die Akustik wird später verbessert, der schlechte Ruf aber hält sich eine ganze Zeit. Dazu passt eine Meldung aus Bad Segeberg: Entertainerin Jennifer Lopez soll im September 2001 in der Kalkberg-Arena auftreten, aber sie darf nicht kommen, weil sie die Fledermäuse beim Anflug in die Kalkberghöhlen, wo sie ihr Winterquartier haben, stören könnte.

In Henstedt-Ulzburg beginnt im August 2000 eine neue Zeitrechnung: Die AKN verschwindet aus dem Ortsbild, wo die Züge 116 Jahre lang die Hamburger Straße und die Gutenbergstraße querten und regelmäßig für Verkehrsstaus sorgten. Der 630 Meter lange Eisenbahntunnel wird in Betrieb genommen. Drei Monate später zeichnet sich eine andere Verkehrslösung ab, von der Norderstedt und Henstedt-Ulzburg profitieren: Nach 30 Jahren Planung wird im November 2000 endlich mit dem Bau der Verbindung zwischen Schleswig-Holstein-Straße und Autobahn begonnen. Heute ist die Kothla-Järve-Straße – dieser Name war damals noch nicht im Gespräch – ein wichtiger Bestandteil im Verkehrskonzept beider Orte.

In Kisdorf haben viele Einwohner aktiv mitgeholfen, um aus einem alten Bauernhof im Ortszentrum das Dorfhaus zu machen. Mit Restaurant und Tagungsräumen wird der Margarethenhoff schnell zum gut funktionierenden Dorfmittelpunkt – und ist es bis heute geblieben. Ein gelungener Akt des gesellschaftlichen Miteinanders in der Gemeinde.