Norderstedt
Eekholt

Uhu wird nach sechsmonatiger Reha ausgewildert

Wildtierärztin Dr. Elvira von Schenck (r.) und Tierpflegerin Lara Reinholdt untersuchen den Uhu vor der Auswilderung.

Wildtierärztin Dr. Elvira von Schenck (r.) und Tierpflegerin Lara Reinholdt untersuchen den Uhu vor der Auswilderung.

Foto: Wolf von Schenck

Vogelpflegestation im Wildpark Eekholt rettet Tier, das in einen elektrisch geladenen Stacheldraht geflogen war. Nun wird der Vogel freigelassen.

Eekholt. Tiermedizinisch gesehen, ist es wie ein Wunder, dass dieser Vogel noch lebt: Es ist knapp sechs Monate her, als der Landesverband Eulenschutz am 27. Februar den Anruf eines Bauern von der Halbinsel Dänischer Wohld erhielt. Der rechte Flügel eines Uhus war von den scharfen Enden eines unter Strom stehenden Stacheldrahtzaunes nahezu zerfetzt worden. Das Tier wurde von den Helfern abgeholt. Um den Uhu stand es nicht gut, als die erste Versorgung in der Tierklinik Wasbek vorgenommen wurde.

Anschließend übernahmen die Experten des Wildparks Eekholt. In der dortigen Vogelpflegestation ist es dem Team unter Leitung von Dr. Elvira von Schenck nicht nur gelungen, dem Uhu das Leben zu retten – der Vogel kann auch wieder fliegen. Und zwar so gut, dass er jetzt ohne Bedenken wieder ausgewildert werden konnte. Das geschah nicht weit entfernt vom Fundort, an der B 503 zwischen Krusendorf und Noer (Kreis Rendsburg-Eckernförde).

Zuvor hatte der Uhu eine lange Reha-Phase hinter sich gebracht. Zunächst wurde der Vogel einer intensiven, einmonatigen Wundbehandlung und einer elektromagnetischen Befeldungstherapie unterzogen. Die Wunde schloss sich ohne tiefe Narben, sodass die Flughaut dem Flügel heute wieder ausreichend Auftrieb geben kann. Nach drei Monaten begann der Flugunterricht, denn der Uhu musste das Fliegen mit der Beeinträchtigung erst einmal lernen. „Es ist sehr selten, dass Wildvögel, die in den Stacheldraht geraten sind, ihre Flugfähigkeit wiederherstellen können“, so Elvira Schenck, „für die meisten kommt jede Rettung zu spät.“

Leider sei es in Schleswig-Holstein immer noch üblich, Weidetiere hinter Stacheldraht einzuzäunen. Auch bei Naturschutzflächen werde dieser genutzt –aus Gewohnheit und weil das Material günstig sei. Eulen, Weihen, aber auch Damhirsche und Rehe sind dadurch in Gefahr – und selbst der Mensch kann sich schwere Verletzungen zuziehen.

Elektrischer Stacheldraht ist mittlerweile nicht mehr zulässig. Besser sind glatte Drähte, die ebenso Rinderherden und Wildtiere schützen. „Wir wünschen uns, dass sich allen voran Landwirte und Grundstückseigentümer dafür einsetzen, dass der gefährliche Stacheldraht baldmöglichst der Vergangenheit angehört und aus der Landschaft verschwunden sein wird“, so von Schenck.