Norderstedt
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Radikal-Kur für das Jugendlandheim auf Fehmarn

Steht derzeit leer und wartet auf seine „Neuerfindung“: Das Jugendlandheim Harksheide in Lemkenhafen auf Fehmarn.

Steht derzeit leer und wartet auf seine „Neuerfindung“: Das Jugendlandheim Harksheide in Lemkenhafen auf Fehmarn.

Foto: Andreas Burgmayer

Lange war unklar, was aus dem Haus wird. Neues Konzept: drei Millionen Euro Investitionen und Neuerfindung des Standortes.

Norderstedt.  Lange sah es so aus, als hätte das Harksheider Jugendlandheim Lemkenhafen auf Fehmarn keine Zukunft mehr. Zu alt, zu verbraucht, zu unmodern, zu teuer – die Norderstedter Kommunalpolitik favorisierte sogar den Abriss des Klinkergebäudes aus dem Jahr 1890, das 1963 von der Gemeinde Harksheide gekauft und später von der Stadt Norderstedt als Ferienhaus für die Bürger der Stadt finanziert wurde.

Doch nun soll das Traditionshaus ein Comeback feiern: Das „Eckpunktepapier Lemkenhafen“ liegt auf dem Tisch, ein mindestens drei Millionen Euro schweres Sanierungsprogramm. Das Haus bekäme eine Radikal-Kur: Faktisch würde nur die Fassade des Gebäudes stehen bleiben, im Inneren würde alles neu und zeitgemäß ausgebaut. Ein modernes Urlaubs- und Freizeitdomizil für Familien, Senioren und Jugendliche würde entstehen, gemeinnützig betrieben und darauf ausgerichtet, Menschen mit kleinem Budget, aber auch Jugend- oder Seniorengruppen sowie Vereinen und Verbänden eine Möglichkeit zu bieten, Meer, Ruhe, Erholung und Sport am, im und auf dem Wasser zu bieten.

„Das ist im Kern genau das, was wir von Anfang an für Lemkenhafen wollten“, sagt Jürgen Lange. Der langjährige SPD-Kommunalpolitiker im Ruhestand ist der Vorsitzende des ehrenamtlichen Betreibervereins, der das Haus im Auftrag der Stadt Norderstedt seit Anfang an betreut – mit finanzieller Unterstützung von jährlich etwa 60.000 Euro. Weil sowohl das Rathaus als auch die Kommunalpolitik klargemacht hatten, dass die Zukunft des Hauses nicht mehr unter der Führung des Vereins möglich sei, hatte Lange im März schon das komplette Ende des Landheims prophezeit. „Dass es nun anders gekommen ist, ist ein Sieg der Vernunft. Ich bin sehr froh, dass das Haus eine neue Chance bekommt“, sagt Lange.

Entscheidend war, dass der Jugendhilfeausschuss ein Gremium initiierte, in dem alle Beteiligten und Vertreter der wichtigsten Nutzergruppen an einem Tisch saßen: Die Verwaltung, der Betreiberverein, das Jugendamt, die Jugendverbände, die Freiwillige Feuerwehr und die Sportvereine. Als externen Berater bat die Stadt Horst Bötcher dazu. Bötcher arbeitet seit 30 Jahren für gemeinnützige Häuser und einen großen Verband. Nun ist er selbstständig und berät öffentliche Einrichtungen, die in konzeptionelle oder finanzielle Schieflage geraten sind. Am Ende der Beratungen steht nun das Eckpunktepapier. Das Gremium ist sich einig, dass Lemkenhafen aufgrund seiner direkten Lage am Meer und seinen Sport- und Freizeitmöglichkeiten auf der Anlage großes Potenzial hat, auf dem Markt der günstigen Gruppenunterkünfte bestehen zu können. Dafür müsste es sich aber komplett „neu erfinden“. Anette Reinders, die zuständige Dezernentin im Rathaus: „Wenn schon, denn schon: Wir sind als Stadt bereit, geschätzte drei Millionen Euro für die Sanierung des Hauses auszugeben. Aber wir wollen dann auch erreichen, dass das Haus sich wirtschaftlich selbst trägt.“ Laut Berater Bötcher reicht es nicht aus, nur ein modernes, barrierefreies Haus mit etwa 90 Betten, Tagungsräumen und einem Speisesaal hinzustellen. Es brauche einen professionellen Betreiber mit einem guten Konzept, der dem Haus ein unverwechselbares Profil gibt und für entsprechendes Marketing und Kommunikation sorgt. Anders gesagt: Die Geschicke des Heimes dürfen nicht in der Hand von Ehrenamtlichen liegen.

„Es reicht heute nicht mehr, den Gästen ein Bett und Essen zu bieten. Toiletten auf dem Gang geht auch nicht“, sagt Reinders. „Und der Name des Hauses muss sich ändern. Jugendlandheim – das klingt so nach 50er-Jahre, irgendwie altbacken.“

Wenn all das geschafft ist, dann versichert Experte Horst Bötcher, dass die städtische Einrichtung auf Fehmarn für die nächsten 20 bis 30 Jahre gut aufgestellt sei. Mit 90 Betten reiche eine jährliche Auslastung zwischen März und Oktober von etwa 40 Prozent, um ein operatives Ergebnis von 100.000 Euro zu erzielen – ohne städtische Zuschüsse.

„Bezuschussen wollen wir als Stadt in Zukunft höchstens die Übernachtungen von Norderstedtern auf Lemkenhafen“, sagt Reinders. Ansonsten solle der Betreiber alle Kosten tragen, dabei allerdings gemeinnützig und ohne Gewinnstreben arbeiten. Die Herausforderung wird es nun sein, diesen Betreiber zu finden. „Es sind tatsächlich schon einige an uns herangetreten, die sich für Lemkenhafen interessieren“, sagt Reinders.

Klar ist, dass der Betreiberverein unter Jürgen Lange nun endgültig ausgedient hat. Zu Ende 2020 hat der Verein den Vertrag mit der Stadt gekündigt. „Bis dahin bekommen wir noch die 60.000 Euro im Jahr, um das Gebäude zu betreuen“, sagt Lange. Momentan steht die Immobilie leer. Buchungen sind nicht möglich. Wenn die Kommunalpolitik das Eckpunktepapier politisch beschließt, dann könnten die Bauarbeiten im Lemkenhafen im kommenden Jahr starten. „Wir hoffen, dass wir dann 2022 wieder mit dem Betrieb des Hauses beginnen können“, sagt Reinders.

Der Jugendhilfeausschuss berät das Eckpunktepapier in seiner Sitzung am Donnerstag, 22. August, 18.15, im Sitzungsraum 2 des Rathauses.