Norderstedt
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Mit neuer Niere zur Weltmeisterschaft im Tennis

Elke Bagus trainiert dreimal in der Woche beim TC Garstedt.

Elke Bagus trainiert dreimal in der Woche beim TC Garstedt.

Foto: Luka Simon

Elke Bagus hat schwere Jahre hinter sich, doch nie aufgegeben. Jetzt startet sie bei der Tennis-WM für Transplantierte und Dialysepatienten.

Norderstedt.  Elke Bagus steht in ihrem Nationaltrikot auf dem Spielfeld des Tennisclubs Garstedt und trainiert mit ihren Teamkolleginnen. Dynamisch schwingt sie den Tennisschläger und katapultiert den Ball mit Leichtigkeit auf die gegenüberliegende Seite des Feldes. Kaum zu glauben, dass die 48-Jährige schwere Jahre mit Dialyse, diversen Begleiterkrankungen und einer Nierentransplantation hinter sich hat. Am kommenden Wochenende fährt sie nach Newcastle in England, um an der Weltmeisterschaft für Transplantierte und Dialysepatienten teilzunehmen – Elke Bagus ist der Beweis dafür, dass das scheinbar Unmögliche nicht unerreichbar bleiben muss.

Die in Hessen geborene Friseurmeisterin, die in Norderstedt den Salon Schnitt und Schnack betreibt, spielt bereits seit 20 Jahren Tennis. Der Ursprung für ihre Nierenerkrankung liegt in einem Gendefekt der Familie: Auch ihre Mutter und Großmutter haben bereits eine Transplantation hinter sich – Elke Bagus erhielt ihre neue Niere vor vier Jahren. Nach der Diagnose lebte die Norderstedterin zunächst knapp drei Jahre mit einem in ihren Bauch platzierten Schlauch – nachts musste sie sich für zwölf Stunden an die Dialyse anschließen. „Das war extrem lebenseinschränkend“, erinnert sich die 48-Jährige. Frisches Gemüse, Vollkornprodukte und Süßigkeiten waren plötzlich tabu. Folge der wenig ausgewogenen Ernährung: Krämpfe in der Nacht und ein quälendes Ziehen oder Kribbeln in den Beinen („Restless Legs“).

Schließlich wurde ein geeigneter Nierenspender gefunden, am 6. Dezember 2015 bekam Elke Bagus ihre neue Niere – ihr „Nikolaus-Geschenk“, wie die Norderstedterin den Glücksfall, so schnell ein Organ erhalten zu haben, gerne nennt. Noch heute denkt sie besonders an diesem Datum an ihren Spender zurück. „Ich bin ihm sehr dankbar. Er hat mir ermöglicht, weiterzuleben.“

Doch auch nach der Transplantation war die sorgenvolle Zeit noch nicht beendet, denn die neue Niere drohte von Elke Bagus’ Körper abgestoßen zu werden, eine Dialyse wäre in ihrem Zustand aber nicht mehr möglich gewesen. Die Norderstedterin blieb gleichwohl zuversichtlich – und die Niere musste nicht wieder entfernt werden. Tabletten begleiten nun den Alltag von Elke Bagus. Mit dem Risiko, dass die Niere eventuell von ihrem Körper doch noch abgestoßen wird, muss die begeisterte Sportlerin allerdings ihr Leben lang rechnen.

Sieben Monate lang war Elke Bagus komplett außer Gefecht gesetzt – keine Arbeit, kein Sport. „Das war ein echter Einschnitt in meinem Leben“, sagt sie. Doch das wollte sie ändern. „Ich wollte nicht irgendwo sitzen, jammern und bemitleidet werden, sondern ein ganz normales Leben führen.“ Und so griff sie wieder zum geliebten Tennisschläger: „Irgendwann habe ich den Entschluss gefasst, mich endlich aufzurappeln und wieder mit dem Training anzufangen.“

Bis vor einem Jahr spielte Elke Bagus nur Doppel – jetzt aber auch wieder Einzel. „Es gab eine Zeit, in der ich das für unmöglich gehalten hätte“, betont sie. Mittlerweile ist die Friseurmeisterin wieder so fit wie vor ihrer Erkrankung. Dreimal in der Woche trainiert sie jeweils zwei Stunden auf dem Tennisplatz des TC Garstedt. Nach einem anstrengenden Training sei die Niere zwar noch zu spüren, das sei jedoch nichts im Vergleich zu der Zeit vor der Transplantation. „Am Ende des Tages war ich immer sehr erschöpft, die benötigten Regenerationsphasen ließen sich nicht mehr mit dem alltäglichen Leben vereinbaren“, sagt sie.

Aber Elke Bagus hat nicht aufgegeben, sondern mit ihrem neuen Organ ein zweites Leben angefangen. Sie begann, an Wettkämpfen teilzunehmen: Bei den diesjährigen Deutschen Meisterschaften für Transplantierte und Dialysepatienten gewann sie einen ersten Preis. Am Sonnabend geht es nun zu den World Transplant Games in Newcastle-Gateshead. „Ich freue mich sehr auf die WM. Es ist, als würde man nach Hause kommen in eine große Familie. Ich kenne bereits viele Sportler von den Deutschen Meisterschaften.“

Der Fokus der Veranstaltung liege auf dem Austausch zwischen Gleichgesinnten. „Wir feiern das Leben und dass wir alle so weit gekommen sind. Wer mich kennt, der weiß zwar, dass ich sehr ehrgeizig bin und gerne gewinne. Doch wieder in das Leben einsteigen zu können, das ist für mich das wichtigste.“